Mittwoch, 18. Mai 2005
Winter im Mai


Bonn-heinrich-Dittmaier-Str-Winter
Originally uploaded by Kriboe.

Drau??en f??hlt es sich immer noch so an wie es auf dem Foto aussieht.

(das ist eigentlich nur ein Test, um zu sehen, ob man Fotos von Flickr jetzt einfacher posten kann).

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Wahlberechtigte in Farben
Wer schon immer mal eine schöne bunte Karte sehen wollte, die viel sagt und nichts erklärt:

Karte der Stadt Bonn

Anmerkung:
Es geht darum, wieviel Wahlberechtigte in einem Stimmbezirk wohnen (rot: mehr als 1400, blau: 800 und weniger, weiß: gar keiner). Unklar bleibt, warum die Wahlbezirke so sind, wie sie sind.

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Newsweek, der Koran und das Klo
Was auch immer im einzelnen gewesen sein mag:

Fakt ist zunächst, dass es einige Tote gegeben hat aufgrund von Unruhen in Afghanistan und Pakistan.

Zunächst einmal also nichts Neues, möchte man sagen (leider).

Ursache der Unruhen soll ein Bericht in Newsweek gewesen sein, wonach in Guantanomo Bay Gefangene dadurch gedemütigt wurden, dass man Schindluder mit dem Koran getrieben hat.

Newsweek dementiert inzwischen den eigenen Bericht, allerdings nicht ohne noch einmal auf die eigene Berichterstattung einzugehen:
    ...Two weeks ago, in our issue dated May 9, Michael Isikoff and John Barry reported in a brief item in our Periscope section that U.S. military investigators had found evidence that American guards at the detention center in Guantanamo Bay, Cuba, had committed infractions in trying to get terror suspects to talk, including in one case flushing a Qur'an down a toilet. Their information came from a knowledgeable U.S. government source,...
Der flüchtige Zuhörer der Nachrichten in Fernsehen und Radio hatte sich aufgrund der ersten Meldungen zunächst vorgestellt, dass den Gefangenen der Koran als Toilettenpapier angeboten worden sei.

So wie das Newsweek-Dementi da oben klingt, muss man sich danach aber vorstellen, dass der Koran offenbar in ein Klo geworfen wurde. Völlig unklar bleibt die Frage, ob das Ding durch ein durchschnittlich wohl 12 cm dickes Toilettenabflussrohr passen würde. Eine ordentliche Bibel passt jedenfalls nicht einfach durch ein europäisches Toilettenabflussrohr. Und viel kleiner als eine Bibel wird ein Koran auch nicht sein.

Das Dementi von Newsweek hilft einem da auch nicht weiter:
    ...Our original source later said he couldn't be certain about reading of the alleged Qur'an incident in the report we cited, and said it might have been in other investigative documents or drafts. ...
    Editor's Note: On Monday afternoon, May 16, Whitaker issued the following statement: Based on what we know now, we are retracting our original story that an internal military investigation had uncovered Qur'an abuse at Guantanamo Bay.
Will also heißen: die Quelle von Newsweek, ein höherer Beamter im Verteidigungsministerium, hat kalte Füße und weiche Knie gekriegt. Sein Rückzieher betrifft allerdings nicht das "die Toilette hinunterspülen". Er kann sich lediglich nicht mehr erinnern, ob er in einem Bericht über Guantanamo Bay oder anderwo davon gelesen hat.

Ein richtiges Dementi, sprich ein ordenlicher Rückzieher, ist das nun nicht gerade. Insoweit haben die Extremisten in Afghanistan und Pakistan mit ihrer Empörung über das Geschehen wohl recht, wenn das technische Problem, wie man das Gründungsbuch einer der drei großen Weltreligionen in ein Toilettenrohr kriegt, geklärt wäre.

In den USA ist ja alles groß: das Land, die Straßen, die Autos, die Steaks - daher vielleicht sogar auch die Toilettenrohre.

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Freitag, 13. Mai 2005
obdachloser Sekt
Eine skurrile Geschichte aus Bremen (die Süddeutsche tituliert das als "Sektattacke":)

Der Wirtschaftssenator Peter Gloystein begießt einen Obdachlosen bei einem Weinfest mit Sekt und tritt 24 Stunden später zurück.

Jetzt kennt man ihn auch außerhalb Bremens: ein Rücktritt mit Format.

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Tag des Orgasmus
Dinge, die die Welt unbedingt braucht:

Der "Tag des O...." , und nicht die "Geschichte der O" oder so. Die brasilianische Stadt Esperantina beging den Tag am 9. Mai (also noch vor Mamertus und Co.):
    ... Bürgermeister Felipe Santolia sagte heute, die Initiative solle die Beziehung verheirateter Paare verbessern. "Wir feiern den Orgasmus in jeder Hinsicht. Es gibt sogar eine Podiumsdiskussion zur vorzeitigen Ejakulation." ...
Der staunende Leser treibt zunächst Gewissenserforschung ("was hab ich eigentlich am 9. Mai gemacht, also Montag?").

Dann liest er den Text erneut und fragt sich, warum der Bürgermeister zum einen die Beziehung nur von "verheirateten Paaren", zum andern aber ausgerechnet die "ejaculatio praecox" thematisiert.

Bleibt ihm zu wünschen, dass er - wie ein gelehriger Bild-Zeitungsleser - nur Aufmerksamkeit erregen will. Wie heißt die Stadt doch gleich? Esperantina? "Hoffnung"?

O Wanderer,
kommst Du nach Esperantina,
lass fahren alle Hoffnung ...

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Donnerstag, 12. Mai 2005
Eisheilige Kommunikation
Viele der Organisationsprobleme der Neuzeit rühren offensichtlich daher, dass die Weisheit unserer Altvorderen sich an der Alltagswelt ihrer jeweiligen Zeit orientiert. Sie haben ihre Erkenntnisse zeitgemäß formuliert.

Und da liegt das Problem. Das Gleichnis vom Weinberg erschließt sich natürlich auch heute noch dem Winzer und dem amtierenden Papst, der junge städtische Berufstätige (Young Urban Professional, vulgo "Yuppie" - ergo: Justäbe) erlebt heute hingegen eine Alltagswelt, die mit jener Welt von Winzer, Bauern und Jesus nicht mehr viel gemein hat. Aktualisierungen sind also unvermeidbar.

z.B.:
    "Bis Johanni, nicht vergessen,
    Spargel essen!"
Wieso Johanni, fragt der Justäbe? Spargel gibt's bei Kaufhof, Wertheim etc. doch rund ums Jahr, frisch, grün oder weiß, ganz wie man will.

Besser wäre heute eine Losregel wie z.B.:
    "Nach Schnee, Eis, Sturm und Hagel
    gibt's endlich wieder deutschen Spargel"
Oder: Die "Eisheiligen"
Während Varzil gestern an Mamertus noch fror, scheint heute an Pankratius immerhin schon die Sonne und es ist nicht mehr so kalt wie an Mamertus. Aber bis zu Sophie sind noch Servatius und Bonifatius zu überstehen. Tomaten- und andere frostempfindliche Setzlinge könnten vor diesem Datum sich noch einem mehr oder weniger heftigen Bodenfrost ausgesetzt sehen - wußten jedenfalls noch mehr oder weniger alle unsere Altvorderen.

Allerdings:
Wer meint, die Bauernregel von den Eisheiligen funktioniere doch gar nicht so richtig, hat sogar recht. Denn die Eisheiligen haben die Umstellung vom julianischen auf den gregorianischen Kalender nicht mitgemacht (sie sind - jahreszeitlich gesehen - rund 12 Tage zu früh!) und haben natürlich auch von globaler Erwärmung nichts mitbekommen.
Vielleicht hat die globale Erwärmung auch etwas mit einer Sehnsucht zu tun, den gregorianischen mit dem julianischen Kalender zu versöhnen. Der kundige Thebaner wird sich erinnern, dass die Kalenderreform von Gregor dem Dreizehnten ein deutlich schlechteres Schicksal als alle deutschen Rechtschreibreformen der letzten 150 Jahre hatte. Teile der Orthodoxie weigern sich noch heute, d.h. bald 500 Jahre nach der Kalenderreform, anzuerkennen, dass die Welt sich etwas (= 11 Minuten pro Jahr) schneller dreht als von Gaius Julius Cäsar vor 2050 Jahren berechnet.

Den Justäbe berührt, sofern er nicht orthodoxen Glaubens oder praktizierender Kommunist - jener hätte die Oktoberrevolution ja im November zu feiern - ist, schon die Kalenderfrage nicht wirklich. Das aktuelle Datum liefert das mobile Telefon und die Tageszeitung. Und die Eisheiligen berühren ihn nur noch, wenn er sein Gefährt in der Laternengarage parkt und der Nachtfrost ihm die Windschutzscheibe "bereift" hat. Neuzeitlich gewendet müsste man also den Scheibenkratzer und den Türschlossenteiser erst nach den Eisheiligen einmotten. Eine solche "alte Berufstätigenregel" sollte schon aus memotechnischen Gründen in einen Reim gepackt sein, was weder bei "Türschlossenteiser" noch bei "Windschutzscheibenkratzer" richtig leicht fällt.

Sprüche für eine bessere Welt

Nur zur Illustration:
    "Verstau den Auto-Scheibenkratzer nie nie nie,
    in Keller oder Karzer vor Sophie, -phie -phie!"
    "Bei Eis im Schloss
    hilft der Enteiser
    bis Bonifatioss -
    dann wird's heißer."
    "Der heilige Pankratius,
    macht endlich Schluss
    mit kaltem Schnee und blankem Eise!

    Erst dann kann man ganz leise
    die Winterreifen
    nach hinten schleifen,
    und alle uns're Schneeketten
    können in den Keller jetten."

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