Dienstag, 12. Dezember 2006
Geld
Der Autor bezahlt seit Jahren mit der ec-Karte.

Bargeld holen, um es dann anderswohin zu tragen, um dann wieder neues Bargeld zu holen, ist einer der sinnentleerten Verhaltensweisen der Moderne.

Wenn aber die ec-Karte "Karte nicht zulässig) streikt, ist man wieder auf das Bare angewiesen. Der Service der Banken in dem Bereich ist arg zurückgefahren - "Holen Sie bitte Ihr Bargeld am Automaten" ... Ja, schon gut, wäre ja schön, wenn das ginge.

Also zum Schalter und dann zur Kasse... Lebenszeit, die man anderweitig entspannter verleben könnte.

Nachtrag 18:15 Uhr:
Nach Rückkehr um eine neue (nicht unbedingt bessere) Einsicht reicher:

An der "Kasse" gibt es kein Geld ("schon seit Monaten nicht mehr") - man kriegt nach Vorzeigen seines Personalausweises und Erläuterung des Geldwunsches ("ec-karte defekt; nein, eine Neue ist schon beantragt") eine Plastikkarte, mit der man zum Geldautomaten muss. Der Automat gibt dann das Geld heraus.

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Montag, 11. Dezember 2006
Sauber
Ein sicherlich schon generationenaltes Diskussionsthema ist die Frage, wann etwas "sauber" ist.

Die Frage, was eigentlich "sauber" ist, kann man auch nicht einfach durch einen Blick in ein Nachschlagewerk klären:
    sau|ber [Adj. ]
    1. rein, frei von Verschmutzung, frisch gewaschen; ein ~es Hemd; ~e Luft; ~es Wasser; eine Wohnung s. halten; die Kinder s. halten in sauberem Zustand erhalten; die Wohnung s. machen; [ugs. auch o. Obj.] ich habe heute noch nicht s. gemacht (erg.: die Wohnung) noch nicht gereinigt; s. sein [übertr., ugs.] kein Rauschgift mehr nehmen
    2. so, wie es sein soll, ordentlich, sorgfältig; ~e Arbeit; ~e Schrift; s. geführte Rechnungsbücher
    3. [übertr., ugs.] einwandfrei, anständig, lauter; ein ~er Charakter; ~es Verhalten
    4. [iron.] nichtsnutzig, nicht anständig; ein ~es Bürschchen; deine ~e Verwandtschaft
    5. [ugs.] reichlich, beachtlich; das hat eine ~e Stange Geld gekostet
    6. [süddt., österr., schweiz.] hübsch anzusehen; ein ~es Mädchen
    ..."
    (Quelle: Bertelsmann Wörterbuch bei wissen.de)
So nett die einzelnen Bedeutungen sind, die Frage, ab wann man etwas als "sauber" bezeichnen kann, bleibt offen.

Eine sicherlich nicht zu unterschätzende Rolle spielt da die Große Erziehugnsmaschine der Nation, das Fernsehen. Spätestens seit der Grauschleier-Werbung
    (Persil, Ariel, Fakt, Weißer Riese - gibt es eine Waschmittelwerbung, die nicht demonstriert, wie schlecht alle anderen Waschmittel waschen ???)
wissen alle Leute, dass frisch gewaschene Wäsche aus der Waschmaschine nicht automatisch sauber ist.

Sauberkeit ist ein offenkundig fremdbestimmtes Ziel.
    (Der Fleck, der schon seit 10 Wäschen in der Jeans bleibt und nicht rausgeht, egal, was man macht, stört eigentlich nur optisch - ist die 10-mal gewaschene Hose deswegen jetzt permanent dreckig?)
Fremdbestimmung bei der Sauberkeit beginnt ganz früh: Kinder, die versuchen, ohne Händewaschen zum Essen zu kommen und zurückgeschickt werden, zeigen beim zweiten Mal nasse Hände vor - ob sie sauber sind, entscheiden die Eltern.

Jungs schrubben als Rekruten in der Grundausbildung Freitag Mittag die Stube. Ob die Stube aber sauber ist und die Jungs nach Hause dürfen, entscheidet der Spieß. Mädels können ihre Sträuße in Sachen "Sauberkeit" (Zimmer aufräumen, Wäsche waschen etc.) meist nur mit der Mutter ausfechten und sind, solange sie unter deren Fuchtel stehen, meist Anhänger der "ist schon gut so"-Theorie. Das ändert sich aber spätestens, wenn sie eigene Kinder haben.

Grundsätzlich hält derjenige, der putzt, das Ergebnis seines Tuns für "sauber". Wer hingegen mit der Lupe oder dem Mikroskop sucht, wird auch an den saubersten Dingen etwas zu beanstanden finden.

Weil "sauber" objektiv nicht definierbar ist, hat unterschiedliches Sauberkeitsempfinden ein kaum zu überschätzendes Konfliktpotential. Nicht vergessen sollte man dabei, dass die subjektive Einstellung zu Schmutz, Dreck und Unsauberkeit in erster Linie emotional fundiert ist ("Ekel"). Ein Streit um Sauberkeit ist damit mehr oder weniger automatisch ein emotionaler Streit - da kann man nicht Recht oder Unrecht haben.

Varzil nennt das sauber, was er nicht (mehr) genauer auf Dreck untersuchen will. Eine "Varzeline" würde das vermutlich als "Wahrnehmungs-Faulheit" werten.

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Samstag, 9. Dezember 2006
Meisner - der letzte Protestant
Nun nimmt die Empö­rung ihren Lauf. Wie bereits am 7.12.2006 ge­schil­dert, hatte Joachim Kardinal Meisner (Bild rechts bei express.de) gemeinsame Advents­feiern ver­bo­ten, und, weil es niemand so recht begreifen wollte, sein Verbot extra durch eine Presse­mitteilung erläu­tern lassen.

Die lokale Presse lässt zur Zeit wieder einmal kaum ein gutes Haar an ihm: Das Ganze ist aber nicht nur Lokalkolorit.

Aber auch die Süddeutsche kommentiert das Geschehen in ähnlicher Richtung:
    "Der Unstern von Köln

    Im Kölner Dom, dessen Hausherr Kardinal Joachim Meisner ist, steht der Schrein der Heiligen Drei Könige. Diese drei Könige waren der Überlieferung nach die ersten Ausländer an der Krippe mit dem Jesuskind; Caspar, Melchior und Balthasar heißen sie - und sie sind Symbol dafür, dass in der Weihnachtsfamilie Jeder und Jede ganz selbstverständlich aufgenommen wird. Die Heiligen Drei Könige zeigen und lehren also: Am Anfang der Religion steht die Integration. Der Kardinal von Köln wäre also der berufene Kirchenmann, um die Gemeinsamkeit zu predigen, um für ein Miteinander der Religionen zu werben....
    Der Kölner Dom ist, solange Meisner dort Kardinal und Hausherr ist, der falsche Ort für die Botschaft der Heiligen Drei Könige. Man sollte ihnen anderswo Asyl gewähren. "
    (Quelle: Süddeutsche vom 9.12.2006 S. 4; online nur im Bezahl-Content: Süddeutsche vom 9.12.2006)
Dabei ist das doch alles nur zu verständlich, wenn man sich erinnert: Herr Meisner ist eigentlich Schlesier, war später im durch und durch unkatholischen Berlin Bischof und wurde dann eigentlich gegen den erklärten Willen des Kölner Domkapitels zum Erzbistum von Köln ernannt ...
    "... Nach dem Tod Joseph Kardinal Höffners 1987 schickten die Domkapitulare des Erzbistum Köln gemäß dem Staatskirchenvertrag mit dem Heiligen Stuhl einen Zehnervorschlag an die Bischofskongregation.

    Auf dem üblichen Dreiervorschlag (Terna), der dem Domkapitel zur Bischofswahl zurückgesendet wurde, befand sich der Name Meisners, obwohl dieser nicht auf der Liste des Domkapitels gestanden hatte. Dies musste von den Domkapitularen als Aufforderung Papst Johannes Pauls II. verstanden werden, Meisner zum neuen Erzbischof zu wählen.

    Das Domkapitel weigerte sich jedoch zunächst. Theologen aus ganz Deutschland und Politiker protestierten gegen dieses Vorgehen des Papstes und argumentierten, dass sie nicht dem Konkordat entspreche. Das Kölner Domkapitel akzeptierte aber schließlich das Ansinnen des Papstes, Meisner zum Erzbischof zu wählen, und tat dies, indem es zunächst seine Wahlordnung änderte und damit auch eine Wahl mit relativer Mehrheit ermöglichte, mit 6 Ja-Stimmen bei 10 Enthaltungen. ..."
    (Quelle: Wikipedia zu Joachim Meisner)
Es scheint, als habe das damalige Domkapitel schon gewusst, was auf sie zukommt. Oder, um es mit Jürgen Becker zu sagen:
    "...Im Grunde nämlich ist "der Meisner" der einzige Protestant, der in Köln noch zu finden ist, wo selbst alle anderen Protestenten früher oder später quasi katholisch (geworden) sind...."

    (Quelle: reines Hörensagen - aus dem Google-Cache, Bild von Jürgen Becker bei Jürgen Becker)
Meisner - in gewisser Weise das Pendant zu dem Theologie-Professor Klaus Berger, der jahrelang als Katholik evangelische Theologie lehrte? Wenn er dies lesen würde, spränge er wohl aus dem Hemd, Pardon, aus dem Pallium ...

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