Freitag, 19. Januar 2007
Sturm enttäuscht Befürchtungen
Weniger schlimm als befürchtet kam Kyrill daher. Es hat ordentlich geweht, aber nicht schlimmer als in anderen stürmischen Zeiten auch.

Was neu war:
  • Die Öffentlichkeit wurde in breitem Umfang unterrichtet und gewarnt. Etwas nüchterner (weniger Katastrophenstimmung) wäre allerdings noch schöner gewesen.
  • Züge und Straßenbahnen fuhren nicht mehr
  • Abends war kaum noch einer unterwegs, auch die wenigen Autofahrer fuhren mit deutlich reduzierter Geschwindigkeit
  • Kindergärten und Schulen haben regional untershciedlich - vorzeitig geshclossen, Arbeitgeber ihre Arbeitnehmer zum Teil nach Hause geschickt.
Alles gute Ideen. Und es bleibt zu hoffen, dass der Sturm deshalb so glimpflich verlief, weil die meisten sich an die Hinweise gehalten haben. Wobei "glimpflich" relativ ist:
    "In Deutschland kamen insgesamt elf Menschen durch den Orkan ums Leben.
    ...
    Die stärksten Böen wurden auf dem Wendelstein in Bayern gemessen, sie erreichten eine Stärke von 202 Kilometern in der Stunde. Auf dem Brocken im Harz wurden 198 km/h gemessen, auf der Zugspitze 176 km/h sowie je 172 km/h auf der Wasserkuppe und dem Fichtelberg....

    (Quelle: Spiegel online)

    Das gab es in der Geschichte der deutschen Bahn noch nie: Neun Stunden Stillstand auf dem riesigen Streckennetz. Das Chaos wird noch Tage dauern - der Orkan "Kyrill" stellt die Bahn vor immense Logistik-Probleme.
    (Quelle:Spiegel online)
Unvergesslich auch die von Don Dahlmann aufgeschnappte Spiegel-online-Meldung von gestern:
    "[11.50] Anruf in der SPIEGEL-ONLINE-Redaktion: Die Kindertagesstätte im Eschelsweg in Hamburg-Altona wird wegen des Sturms geschlossen. Alle Kinder müssen bis 13.30 Uhr abgeholt werden. Nur noch das Kind einer SPIEGEL-ONLINE-Mitarbeiterin sitzt in der Betreuungsstätte, die anderen Eltern haben sofort reagiert. ..."
    (Quelle: Irgendwas ist ja immer)
Schlimmer kann ein Sturm nicht zuschlagen: Mutter und Kind getrennt; und die Kindergärtnerin kann nicht nach Hause.

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Donnerstag, 18. Januar 2007
15 Jähriger vermisst
Sopran vermisst ihren Ältesten und bloggt darüber. Andere tun das auch, und deshalb sei auch hier darauf hingewiesen, dass es dort eine Personenbeschreibung gibt, (Foto auf Anfrage). Nur für den Fall, dass hier jemand aus der Punk-Szene mitliest.
Update 19.1.2007
    "aber der verlorene Sohn ist in München aufgetaucht und will jetzt zurück.
    (Quelle: Sopran)

Die Geschichte gibt einem zu denken:

15 ist ein blödes Alter: zu jung, um als erwachsen behandelt werden zu können; aber viel zu alt ("cool"), als dass man so jemanden noch als Kind behandeln könnte. Und das Internet bzw. Kleinbloggersdorf ist schon 'ne feine Sache und hat auch schnell reagiert, wenn man sich mal all die Referrer ansieht. Allerdings würden die Kinder des Autors es als total peinlich empfinden, wenn sie derart in die Öffentlichkeit gerieten.

Exkurs:
Der Autor selbst ist mal als 5-jähriger mit einem Freund einen Nachmittag in Münster die Aa entlang gewandert. Das hatten die Eltern schon öfter mit ihm gemacht. Die hatten auch niemandem vorher Bescheid gesagt. Also zog auch der Autor mit einem Freund los, ohne dies vorher irgendwem mitzuteilen. Es war ein schöner Nachmittag, die Aa hatte ganz wenig Wasser und der Tag verflog wie im Nu.

Abends kehrte der Autor rechtzeitig zum Abendessen heim, kassierte eine Tracht Prügel (die einzige seines Lebens; mit der Wäscheleine, das tat sauweh) wegen "Weglaufens" und lernte, dass Eltern sich Sorgen machen. Außerdem lernte er, dass eine Vermisstenanzeige bei der Polizei den Eltern nicht hilft, sondern die Wut darüber, dass das Kind nicht da ist, noch steigert.

Warum man deshalb auf das Kind einprügeln muss, hat er damals nicht verstanden und versteht er heute auch noch nicht. Aber Eltern können ja auch mal irren, und der schöne Nachmittag war es wert.
Exkurs Ende.

Wenn 15-Jährige auf die Walz gehen, ist das allerdings etwas heikel. Man weiß in der Regel nichts über ihre Pläne; zum Abendessen kommen sie auch nur noch bedingt nach Hause, und wenn man mal was Kritisches sagt, hat man ziemlich sofort verschissen. Auf Monate.

Eltern sind ja sowas von blöd...

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Raster-Meldung
Damit es die Nachrichten- und Zeitungsredakteure in diesen windgepeitschten Stunden nicht so schwer haben, hier ein Muster für eine Katastrophen-Meldung.

/*Meldung allgemein*/
[$Orkan,Sturm]-Tief [$Name] ist über [$Bundesland1] [$Bundesland2] und [$Bundesland3] hinweggezogen und hinterlässt eine Schneise der Verwüstung.

Der [$Orkan,Sturm] forderte mehrere Menschenleben, darunter (unschuldige?) Frauen und Kinder. Ein Rentner in [Stadt1] wurde bei dem Versuch, [$Gegenstand1] vor dem Sturm zu retten, [Ereignis1] (z.B: ....umgeweht und ertrank in den Fluten des an seinem Haus vorbeifließenden, durch die anhaltenden Regenfälle stark angeschwollenen [$Bachname]-Bachs]). Eine junge Frau starb zusammen mit ihrem [$Kindesalter <4]-jährigen Kind, als [Ereignis2] (z.B: ... ihr Auto von einer Orkanboe erfasst wurde und von der [$Brückenname] in den Fluß [$Flußname] stürzte).

Der Nordseekutter MS-[$Schiffsname1] wird vermisst; Experten des Schiffahrtsamts Bremerhaven gehen davon aus, dass das Schiff in der stürmischen See gekentert und gesunken ist. Die Überlebenschancen der Schiffbrüchigen in dem kalten Nordsee-Wasser sind nur sehr gering. Rettungshubschrauber konnten wegen der schlechten Wetter- und Sichtverhältnisse bislang nicht starten. Der Seenot-Rettungskreuzter [$Schiffsname2] ist auf dem Weg in das Gebiet, wo die [$Schiffsname1] zuletzt vermutet wurde.

Auf dem Festland deckte der [$Orkan,Sturm] Hunderte von Häuserdächern ab, zahlreiche Bäume wurden entwurzelt. In [$Großstadtname, vorzugsweise Hamburg] war die Feuerwehr pausenlos im Einsatz, um Straßen und Gebäude von umgestürzten Bäumen und Ästen zu befreien; mehrere hundert Keller, die nach den sintflutartigen Regenfällen vollgelaufen waren, mussten leergepumpt werden.

Im Fernverkehr der Deutschen Bahn kam es zu erheblichen Verzögerungen, nachdem herabfallende Äste die Oberleitungen beschädigt hatten; die Strecke [$Ort1]-[$Ort2] ist immer noch wegen umgestürzter Bäume gesperrt. Auch die Bundesstraße B [$Zahl] zwischen [$Ort3] und [$Ort4] ist wegen zahlreicher umgestürzter Bäume gesperrt. Im Norden Deutschlands fiel in mehreren Ortschaften der Strom aus.

Das genaue Ausmaß der Schäden wird sich erst in den kommenden Tagen ermitteln lassen. Die Versicherungen gehen von Sachschäden in Milliardenhöhe aus.
/*Ende Meldung allgemein*/

/*Für den Wirtschaftsteil der Zeitung vormerken:/
Die Aktienkurse für die Rückversicherungsgesellschaft [$Versicherungsname] in [$süddeutsche Landeshauptstadt] sind nach dem Sturmtief [$Sturmname] gefallen, nachdem bekannt wurde, dass das Ausmaß der Sturmschäden die Rückstellungen erheblich übersteigt. Der Aufsichtsratsvorsitzende [$Wirtschaftskoryphäe] deutete einen Wechsel im Vorstand der [$Versicherungsname] an. Experten rechnen mit Schäden in Höhe von [$letzter Sturmschaden * 2] Millarden €.
/*Ende Wirtschaftsmeldung*/

Na, noch was vergessen?
Nachtrag 12:12 Uhr
Es geht schon los: bei Spiegel-online haben die ersten Redakteure in die Grabbelkisten ihrer Textbaustein-Baustellen gegriffen.
    "..."Wir rechnen mit allem", sagte ein Sprecher des Lagezentrums in Saarbrücken. In Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen rückten die Feuerwehren bereits zu zahlreichen Einsätzen aus. Nach starken Regenfällen stürzten in Essen mehrere Bäume um. Etliche Straßen wurden überflutet. Zahlreiche Keller mussten leer gepumpt werden. Das Autobahnkreuz Neunkirchen wurde am Morgen wegen umgestürzter Bäume gesperrt, wodurch ein kilometerlanger Stau entstanden ist."
    (Quelle: Spiegel online)
Varzil rechnet auch "mit allem"!

Und jetzt das ZDF:
    "Meteorologen raten, von Nachmittag an zu Hause zu bleiben und Autos nicht unter Bäumen oder am Meer zu parken. Gefahr drohe durch entwurzelte Bäume und umherfliegende Trümmer. An den Küsten wird auch mit Hochwasser und einer Sturmflut gerechnet.
    (Quelle: heute.zdf.de)
Was ein Meteorologe alles so rät:
  • zu Hause bleiben
  • Autos nicht unter Bäumen und am Meer parken
  • Gefahr durch entwurzelte Bäume und umherfliegende Trümmer
Abgesehen von Hochwasser und Sturmflut ist der Meteorologe für die anderen Warnungen doch mindestens so qualifiziert wie ein Bäcker oder Rechtsanwalt. Oder wie heißt es so schön:

Wegen Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker!

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Mittwoch, 17. Januar 2007
IT-Zukunft und Homepage basteln
Wenn man gerade die mittelfristige Finanzplanung für die Informations- und Kommunikationstechnik einer Behörde plant, stellen sich viele Fragen, wie die EDV-Technik in 5 bis 15 Jahren aussehen mag.

Da kommt man schon mal ins Grübeln, wie die Welt so in 15 Jahren wohl aussehn mag. Ob es da noch Fax gibt (wohl eher nicht), Textverarbeitung (wahrscheinlich), ob es noch Rechner voluminöser Art gibt mit umfangreicher lokaler Festplatte und lokal installierter Software etc. (vielleicht doch noch).

In Tabellenkalkulationen kann man ja so wunderschön Reihen führen: einfach an dem Kästchen unten rechts ziehen und schon geht es immer weiter, immer weiter ...

Und dann sieht man auf den automatisch fortgeschriebenen Eintrag beim Kalenderjahr ("2020") und stellt fest, dass man schon für seinen Nachfolger plant. ...

An dem Punkt erreicht der mittelfristige Finanzplaner einen toten Punkt und bastelt statt dessen an einer Homepage: "CSS" heißt das Zauberwort, und überhaupt hat sich da in 3 Jahren Homepagebastelei einiges an Unrat angesammelt. Auch ein paar Bilderchen wären doch nett. (Demnächst neu: www.voxbona.de!)

Und schon gibt es dann ganz neue Fragen, z. B.: Warum wird ein- und dasselbe Bild beim Skalieren mit Programm A 20 kB groß, mit Programm B aber 120 kB?

Die Rätsel des Alltags - die brennenden Fragen für Zukunft wie für die Gegenwart bleiben ungelöst.

Varzil meint, dass man sich doch in einem "gewissen" Alter damit abfinden können müsste, dass es nicht für alle Fragen sofort eine Antwort gibt...

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