Montag, 22. Januar 2007
Achtung rechts: Sonntagsdemenz
Wieder einmal "Tatort" gesehen - eine eigentlich gute Story: "Schwelbrand" (Link und Bilder von www.radiobremen.de)


Dem ermatteten Sonntagsabend-Glotzer bieten sich interessante Erkenntnisse an:
  • Man muss Jeanette Biedermann nicht kennen, um sie nicht gut finden zu müssen.
  • Man muss kein Nazi sein, um festzustellen, dass der Film politisch schwächelt: Besonders die Kommissarin scheint überhaupt kein Interesse daran zu haben, sich inhaltlich mit den Parolen auseinanderzusetzen ("Die Ausländer nehmen uns unsre Jobs weg!"). Sie reagiert im typischen 68er Stil ("Wer hat Ihnen denn diesen Schwachsinn beigebracht"). Dabei ist es offenkundig, dass eine Reihe von Jobs in Deutschland (Bauarbeiter, Erntehelfer, Hausreinigung) überwiegend von Ausländern erledigt wird (weil sie für Deutsche zu schlecht bezahlt und zu anstrengend sind - vermutlich).
  • Immerhin: die Drehbuchautoren legen es darauf an, dass man die Mörder in der Neo-Nazi-Szene vermutet. Und am Ende sind die Neo-Nazis auch die Bösen, allerdings haben sie mit dem Mord an der Dana-Assistentin nichts zu tun.
  • Ist eigentlich eine Tatort-Kommissarin für schwere Körperverletzung nicht zuständig? Immerhin schildert Dana, wie ihr Ex-Freund und Neo-Nazi einen Kumpanen rollstuhlreif verprügelt hat. Da sind aber die 90 Minuten sozusagen um. Und für eine krimitechnische Auflösung aller Schandtaten in dem Neo-Nazi-Krimi keine Zeit mehr. Auch der Bruder von Dana scheint straflos davon zu kommen, obwohl er den Plakatkleber zusmmen mit anderen in eine Glastür gehetzt hat und obwohl er mit ein paar Glassplittern einem Mit-Nazi auch die Schuld am Tod des Plakate-Klebers in die Schuhe schieben will.
Etwas mehr krimitechnische Sorgfalt (und etwas weniger Polit-Pathos) wäre schön gewesen. Schade.

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Sonntag, 21. Januar 2007
Wenn man sich selbst anödet:
Wenn man sich selbst anödet, sucht man gelegentlich die Einöde auf, z.B. das Hohe Venn - ein Hochmoor, das mitten im Winter gottverlassen ist.
HohesVenn

Zu dieser Gegend passt das Wetter von gestern: stürmisch, Regen, grau und nass.

Ideal also, um sich einmal durchpusten zu lassen.

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Freitag, 19. Januar 2007
Sturm enttäuscht Befürchtungen
Weniger schlimm als befürchtet kam Kyrill daher. Es hat ordentlich geweht, aber nicht schlimmer als in anderen stürmischen Zeiten auch.

Was neu war:
  • Die Öffentlichkeit wurde in breitem Umfang unterrichtet und gewarnt. Etwas nüchterner (weniger Katastrophenstimmung) wäre allerdings noch schöner gewesen.
  • Züge und Straßenbahnen fuhren nicht mehr
  • Abends war kaum noch einer unterwegs, auch die wenigen Autofahrer fuhren mit deutlich reduzierter Geschwindigkeit
  • Kindergärten und Schulen haben regional untershciedlich - vorzeitig geshclossen, Arbeitgeber ihre Arbeitnehmer zum Teil nach Hause geschickt.
Alles gute Ideen. Und es bleibt zu hoffen, dass der Sturm deshalb so glimpflich verlief, weil die meisten sich an die Hinweise gehalten haben. Wobei "glimpflich" relativ ist:
    "In Deutschland kamen insgesamt elf Menschen durch den Orkan ums Leben.
    ...
    Die stärksten Böen wurden auf dem Wendelstein in Bayern gemessen, sie erreichten eine Stärke von 202 Kilometern in der Stunde. Auf dem Brocken im Harz wurden 198 km/h gemessen, auf der Zugspitze 176 km/h sowie je 172 km/h auf der Wasserkuppe und dem Fichtelberg....

    (Quelle: Spiegel online)

    Das gab es in der Geschichte der deutschen Bahn noch nie: Neun Stunden Stillstand auf dem riesigen Streckennetz. Das Chaos wird noch Tage dauern - der Orkan "Kyrill" stellt die Bahn vor immense Logistik-Probleme.
    (Quelle:Spiegel online)
Unvergesslich auch die von Don Dahlmann aufgeschnappte Spiegel-online-Meldung von gestern:
    "[11.50] Anruf in der SPIEGEL-ONLINE-Redaktion: Die Kindertagesstätte im Eschelsweg in Hamburg-Altona wird wegen des Sturms geschlossen. Alle Kinder müssen bis 13.30 Uhr abgeholt werden. Nur noch das Kind einer SPIEGEL-ONLINE-Mitarbeiterin sitzt in der Betreuungsstätte, die anderen Eltern haben sofort reagiert. ..."
    (Quelle: Irgendwas ist ja immer)
Schlimmer kann ein Sturm nicht zuschlagen: Mutter und Kind getrennt; und die Kindergärtnerin kann nicht nach Hause.

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