Samstag, 21. Juni 2008
Geld schießt keine Tore
Also hier und jetzt auch ein kurzer Beitrag zur EM ... Deutschland gewinnt gegen Portugal 3:2 und Christiano Ronaldo schießt kein Tor.
"...Ronaldos Manager soll am Tag des Spiels Abgesandte von Real in Moskau getroffen haben. Ihr Angebot: 90 Millionen Euro für Manchester. Und 9,5 Millionen Euro Jahresgehalt für Ronaldo. Netto.

(Quelle: Spiegel online zu Ronaldo)
Damit genug vom Fußball...

Zurück zu den eher unterhaltsamen Themen im Leben, zum Beispiel der Spitzenforschung in Bonn namens "Caesar". Geschaffen aus Mitteln des Bonn-Berlin-Ausgleichs (375 Millionen, sagte man) dümpelt es seit Jahren in einem wunderschönen Gebäude am Rande des ehemaligen Bundesgartenschaugeländes vor sich hin.

Jetzt hat es eine neue Leitung und der Neue, Prof. Dr. Ulrich Benjamin Kaupp. Zum Amtsantritt sprach er deutliche Worte:
" Keinesfalls rausgeworfenes Geld, wie Kaupp den Besuchern klar machte. Denn Gebäude, Labors und Einrichtungen wie Rein-Raum und Spezialmikroskope werden heute und in Zukunft genutzt.

Dennoch ersparte Kaupp, berufen im Juli 2007 nach der Neustrukturierung unter dem Dach der Max-Planck-Gesellschaft und seit fünf Monaten im Amt, den Politikern einige unbequeme Wahrheiten nicht.

"Zu breit", was den Gemischtwarenhandel der Forschungsthemen aus Materialforschung, Nanotechnologie, Biomedizin und Sensorik anging; "zu kurz gedacht", was die widersprüchliche Verbindung aus Grundlagenforschung und Anwendungsnähe angeht: Kaupps Urteil über das Caesar-Konzept ist unmissverständlich.

Auch mit Blick auf die Politik: "Ich weiß, dass Sie das nicht gerne hören, aber der politische Einfluss war zu groß." "Geld schießt keine Tore", zitierte der Forscher, der an den Unis Bonn und Köln lehrt, Otto Rehhagel. Genauso verhalte es sich mit der Spitzenforschung.
(Quelle: Bonner Generalanzeiger)
Mal sehen, was da passiert: Ronaldo lässt sich operieren (mehr) und der Chef von CAESAR zitiert Rehagel.

Allerdings:
    "berufen im Juli 2007 nach der Neustrukturierung unter dem Dach der Max-Planck-Gesellschaft und seit fünf Monaten im Amt"
Nach 11 Monaten ist ein Rehagel-Zitat auch nicht gerade ein Volltreffer...

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Freitag, 20. Juni 2008
Föderal Föderaler Föderalissimal
Manchmal kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. NRW - immerhin nicht das kleinste der Bundesländer in Deutschland - macht sich Gedanken über eine Beteiligung des Bundes an der Bildungspolitik:
Düsseldorf:" Der nordrhein-westfälische FDP-Vorsitzende Andreas Pinkwart hat sich für eine größere Beteiligung des Bundes an der Bildungspolitik ausgesprochen.

Die Kultusministerkonferenz (KMK) solle zu einer Gemeinsamen Bildungskonferenz (GBK) fortentwickelt werden, in der auch der Bund Stimmrecht besitzt und finanzielle Verantwortung übernimmt, sagte der Düsseldorfer Wissenschaftsminister am Freitag der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Bund und Länder müssen stärker gemeinsam in die Verantwortung gehen, statt sich gegenseitig den Schwarzen Peter zuzuschieben, ohne das sich in der Sache das Notwendige ändert», sagte Pinkwart, der in der nordrhein- westfälischen Landesregierung auch für Innovation zuständig ist.

Vorbild für die Bildungskommission sollte die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) sein, in der Bund und Länder an einem Tisch sitzen und sich auf gemeinsame Ziele und und eine gemeinsame Finanzierung in der Hochschulpolitik verständigt haben. In der Kultusministerkonferenz, einem Zusammenschluss der für Bildung und Erziehung zuständigen Minister und Senatoren der Länder, ist der Bund dagegen nicht beteiligt....
(Quelle: Der Westen)
Wer das Geschehen der föderalen Bildungspolitik schon länger verfolgt, erinnert sich:
Die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK) hat ihre Tätigkeit zum 31. Dezember 2007 beendet .
(Quelle: BLK)
Das Langzeitgedächnis von Politikern reicht offenbar noch nicht einmal 6 Monate zurück...

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Donnerstag, 19. Juni 2008
Bildung und Römer
Letzte Woche (am 12.06.2008) haben KMK (Kultusministerkonferenz) und BMBF (Bundes­ministerium für Bildung und Forschung) den Bildungsbericht 2008 vorgelegt.

Und abgesehen von dem eher schlappen Echo auf die Pressemitteilungen von KMK und BMBF war danach Sendepause. Da der Bericht brutto 355 Seiten hat, kann man hoffen, dass die Welt mit Lesen beschäftigt ist.

Man muss allerdings gar nicht alles lesen, manche Bilder sagen mehr als 1000 Worte, geschweige denn 355 Seiten: Auf der folgenden Grafik sieht man die "Abgänge­rinnen und Abgänger ohne Haupt­schul­abschluss aus allgemein­bildenden Schulen 2006 nach Ländern (in % der 15- bis unter 17-Jährigen)" (der Autor würde sie Schul­ab­brecher nennen).
"... Im Jahr 2006 haben rund 76.000 Schülerinnen und Schüler, d.h. 8% der Bevölkerung im Alter von 15 bis unter 17 Jahren, die Schule verlassen, ohne zumindest über den Hauptschulabschluss zu verfügen . Die Zahl dieser Jugendlichen bewegt sich seit Jahren in vergleich­barer Größen­ordnung. Zunehmend sind diese Jugendlichen jedoch mit höheren Risiken hinsicht­lich künftiger Bildungs- und Erwerbs­chancen konfron­tiert. Während Branden­burg, Hamburg, Mecklenburg­-Vorpommern und Sachsen­-Anhalt den Bundes­durchschnitt von 8% deutlich überschreiten, verlassen in Baden­-Württemberg und Nordrhein­-Westfalen weniger als 7% eine allgemeinbildende Schule ohne Hauptschulabschluss..."
(Quelle: S. 89 Bildungsbericht 2008)
Es gibt aber noch mehr zu sehen, zum Beispiel den Anteil der Ausländerkinder an der Gesamtbevölkerung bis 25 Jahre:

Man sieht den Anteil an Menschen mit Migrations­hinter­grund, die jünger als 26 Jahre sind ("Ausländer­kinder" halt)...
"...Insgesamt weisen im Jahr 2006 etwas mehr als 18% der Gesamtbevölkerung einen Migrations­hinter­grund auf, wobei sich eine klare Ost-West-Dichotomie zeigt. Davon leben 91% der Migranten in den westdeutschen Län­dern. Das bedeutet, dass 21% der Bevöl­ke­rung in West­deutsch­land einen Mi­gra­tions­hinter­grund besitzen, jedoch nur gut 8% in Ostdeutschland. Bei der für das Bildungssystem besonders relevanten Altersgruppe der unter 25- Jährigen haben in den westlichen Ländern im Durchschnitt 30% einen Migrations­hintergrund. In Ballungszentren wie etwa dem Rhein- Main- Gebiet, dem Raum Düsseldorf-Wuppertal, Teilen des Ruhrgebietes, aber auch in Großstädten wie Berlin, München, Hamburg, Stuttgart, Augsburg oder Erlangen/Nürnberg steigt dieser Anteil auf bis zu 50%, teilweise geht er sogar darüber hinaus...."
(Quelle: S. 30/31 Bildungsbericht 2008)
Vergleicht man jetzt diese Karte mit der Karte der Schul­abbrecher oben, sieht man, dass die relativ meisten Kinder ohne Schulabschluss ausgerechnet da wohnen, wo es die wenigsten Ausländer­kinder gibt. Oder kürzer: Im Norden und im Osten Deutschlands gibt es einfach deutlich mehr Schul­abbrecher als im Süden und im Westen.

Nördlich des römischen Limes (Bild und Link aus Wikipedia) hat der Grad der Bildung der Gesambevölkerung anscheinend immer noch nicht den Stand des Gebiets des römischen Reichs erreicht hat. Zumindest an den Migrantenkindern liegt es nicht. Vielleicht muss man sogar umgekehrt denken: da wo Migrantenkinder wohnen, wohnen die besser Gebildeten...

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