Samstag, 13. Juli 2019
Unschuldig
Die Durchsage eines Zugführers im ICE auf dem Weg nach Frankfurt:
„Liebe Fahrgäste, unser Zug hat wegen der Entschärfung einer Bombe, die die Westalliierten auf die unschuldige Bevölkerung Frankfurts abgeworfen haben, zur Zeit 45 Minuten Verspätung.“
(Quelle: Der Westen)
Das hat für Aufregung im Netz gesorgt. Nötig war die Erläuterung, woher die zu entschärfende Bombe kam, sicher nicht. Warum der Zugführer den Hinweis trotzdem gemacht hat, kann man sich leicht denken: er sieht die Zivilbevölkerung als unschuldiges Opfer eines Bombenkriegs, der erklärtermaßen der Terrorisierung der Bevölkerung diente. Meist verbirgt sich dahinter die klassische Sicht der Nationalsozialisten, dass die Alliierten die Bösen waren. Interessanterweise richtet sich der Vorwurf an die "West-"alliierten, so als ob die Sowjetunion an Verbrechen an der unschuldigen Bevölkerung unbeteiligt gewesen sei.

Ob dieser Hinweis nun für einen klassischen Nazi oder einen Stalinisten typisch ist, kann und soll hier dahingestellt bleiben.

Bemerkenswert ist vielmehr der Terminus "unschuldige Zivilbevölkerung". Ob das Staatsvolk dann, wenn es einen Tyrannen wählt, unschuldig bleiben kann, wenn der Tyrann Verbrechen begeht, ist schon mal zweifelhaft. Sicherlich kann der einzelne immer sagen, er habe den Tyrannen nicht gewählt. Entschuldigt das aber die gesamte Zivilbevölkerung? Immerhin haben 1933 etwa 47% der Wähler für die Stadtverordnetenversammlung in Frankfurt die NSDAP gewählt. So völlig unschuldig kommt einem die Zivilbevölkerung vor diesem Hintergrund nicht vor.

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