Donnerstag, 4. August 2005
50
Geburtstag

Wie der Name sagt, erinnert der Geburtstag an den Tag der Geburt, logischerweise damit auch an die Konsequenzen von Geburt, nämlich Leben und Tod.

Runde Geburtstage finden erstaunlich viel Aufmerksamkeit, vor allem wenn man älter als 40 wird. Am liebsten hätte man (d.h. der Autor) seine Ruhe, vielleicht ein paar Kontakte mit seinem sozialen Umfeld, einen gepflegten Kinoabend vielleicht und ein leckeres Bier hinterher.

Nur: wenn es dann so kommt und alle einen "in Ruhe lassen", ist es auch nicht wirklich richtig in Ordnung. Dann nagen womöglich die Zweifel: ob die Welt wohl überhaupt weiß, dass man 50 geworden ist?

Immerhin kann man am Vorabend schon 'mal bilanzieren:
    - es wird nicht jeder Mann 50 Jahre alt,
    - es kann nicht jeder Mann am 50.Geburtstag sagen: "ich bin gesund", "ich habe einen interessanten Beruf", "mein Leben macht mir überwiegend Freude",
    - es hat nicht jeder ein soziales Umfeld, dass sich nach seinem Geburtstag erkundigt,
    - es hat nicht jeder vier Töchter, die ihm ihre Freude über seinen Geburtstag vermitteln,
    - und es kann auch nicht jeder sagen, dass die Bilanz zum 40. doch deutlich schlechter ausgesehen hätte, wenn man denn damals überhaupt hätte bilanzieren wollen.
Varzil meint:
Siehste, geht doch!

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Steine schmeißen
Was passiert wohl, wenn ein 11-jähriges Mädchen einem 8-jährigen Jungen einen 15 cm x 10 cm großen Stein an den Kopf wirft?

Krankenwagen? Elternaufstand? Schulkonferenz? Weit gefehlt, es kommt die Polizei, und nicht nur der Schupo von um die Ecke:
    ...Police responded with three cars while a helicopter hovered overhead, and said they arrested Cuevas for resisting arrest and scratching an officer's arm. ...(Quelle: cnn.com)
Was folgt: fünf Tage Jugendhaft und einen Monat Hausarrest, anschließend ein Gerichtsverfahren.

Unmöglich? So geschehen in Fresno/Kalifornien, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Gibt es im amerikanischen Polizeirecht eigentlich einen Verhältnismäßigkeitsgrundsatz?

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Mittwoch, 3. August 2005
"intelligentes Design"
Seit Monaten läuft auch hierzulande in den Blättern sowie online die Wiedergabe einer Diskussion, die vor allem in den USA geführt wird. Es geht um "Darwins Evolutionstheorie" bzw. um den Kreationismus bzw. "intelligent design".

Eigentlich nicht Neues: Wikipedia schreibt umfangreich darüber, und auch bei Telepolis ist die Diskussion gut dokumentiert, mit dem kleinen Schönheitsfehler einer nicht völlig tendenzfreien Berichterstattung unter der Überschrift "Und die Erde ist doch eine Scheibe". (Update 4.8.: Telepolis hat gestern einen weiteren Beitrag zum Thema veröffentlicht).

Da nun auch George Bush sich dazu äußert,
    ...

    Jeder junge Amerikaner sollte laut Bush wissen, dass es eine Theorie vom "Intelligenten Design" gibt. (c) AP

    Neben der Evolutionstheorie soll – geht es nach US-Präsident George W. Bush – auch die Lehre vom „Intelligenten Design“ in den Schulen unterrichtet werden. Immerhin gehöre es zur Erziehung, „verschiedene Denkschulen“ zu vermitteln. So müssten Schüler auch unterschiedlichen Ideen über die Entstehung der Erde kennen lernen....(Quelle: diepresse.com)
glaubt auch Varzil, sich dazu äußern zu müssen:

Wenn in Schulen Glaubenssätze ("Kreationismus") unterrichtet werden, ist das nicht weiter schlimm. Auch der Autor hat in den 60er Jahren in der Schule Altes Testament/Genesis gelesen.

Deutschland hat (bis auf Brandenburg) an den Schulen einen regulären Religionsunterricht.

Ob es der Religion allerdings gut tut, wenn sie im Rahmen von Naturwissenschaften dargestellt wird, ist zumindest fragwürdig. Definitiv schadet es jedoch der Wissenschaft, wenn als Naturwissenschaft etwas vermittelt wird, was man nur "glauben" kann.

Man wird den Eindruck nicht los, dass die USA über ein geistiges Mittelalter noch nicht hinausgekommen sind.

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Der kleine Unterschied
Faz.net
hat's nett
auf den Punkt gebracht,
ein Doppel-X wird weggemacht!

Zu viele Eltern machen sich's zu leicht,
wenn sie glauben, ein X reicht.

Varzil empfiehlt:
Amin Maalouf "Das 1. Jahrhundert nach Beatrice" lesen!

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Dienstag, 2. August 2005
"Auf der Flucht erschossen"
Und wieder liest man seine Vorurteile bestätigt:
    ...Bei der Fahndung nach den Drahtziehern der Anschläge im ägyptischen Scharm el Scheich hat die Polizei der Regierung zufolge einen der Hauptverdächtigen erschossen.

    Mohammed Fulayfel sei bei einer Schießerei 18 Kilometer westlich von Suez getötet und seine Frau verletzt worden, teilte das Innenministerium am Montag mit. Demnach eröffneten die Verdächtigen das Feuer, als sie in einem Steinbruch von den Sicherheitskräften entdeckt wurden. Die Behörde machte keine Angaben zum Zeitpunkt des Zwischenfalls. ...(Quelle:de.today.reuters.com)
Wieso auch immer die Ägypter wussten, dass Mohammed Fulayfel der "Hauptverdächtige" war, die Meldung liest sich eigenartig: insbesondere "die Behörde machte keinen Angaben zum Zeitpunkt des Zwischenfalls" klingt dubios, wenn man gleichzeitig den Ort der Handlung "18 km westlich von Suez" angibt.

In Film "Casablanca" erging der Befehl "Verhaften Sie die üblichen Verdächtigen!" (ok, das war in Marokko und 60 Jahre her). Die Meldung jetzt klingt nach "Erschießen Sie die Hauptverdächtigen!".

Ähnliches in Englang, wo zivile Polizeibeamte einen Brasilianer erschossen haben, weil sie an einen "Rucksackbomber" glaubten. Scotland Yard bekannte sich immerhin zum "shoot to kill" (siehe cnn.com). Da muss der Orient noch lernen...

Nachtrag vom 3.8.2005:
Heute in der Papier-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung (Seite 3):
Die Erschießung soll schon im Oktober 2004 stattgefunden haben.

Das präventive Erschießen von Hauptverdächtigen hat offensichtlich die Bombenattentate in Sharm el Scheich am 21.7. 2005 nicht verhindert

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simulierte Amnesie
Dank des Sommerlochs werden die Nachrichten farbiger:
    [diverse Amnesien, auch ein Deutschlehrer an einer Realschule in Baden-Württemberg, der sich an sein anstudiertes Wissen nach einem Sturz nicht erinnert ...]

    ...Im Dezember 2003, nach einer jahrelangen Odyssee durch Arztpraxen und Kliniken, wird dem Beamten Dannecker vom Oberschulamt in Freiburg mitgeteilt, dass er wegen Dienstunfähigkeit in den vorzeitigen Ruhestand versetzt wird. ... Der Fall scheint zu Ende.

    Tatsächlich fängt er jetzt erst richtig an.

    "Heute weiß ich, dass ich einen großen Fehler gemacht habe", kritisiert der Lehrer seinen Entschluss, gegen den Bescheid Widerspruch einzulegen. ...

    Die Behörde, die nicht kampflos Geld drauflegen will, beantragt daraufhin bei dem Tübinger Psychiatrieprofessor Andreas Stevens ein neues Gutachten. Und dieses Gutachten hat es in sich.

    Stevens, ein Psychiater vom alten Schlag, glaubt dem Lehrer kein Wort. Er hält ihn für einen Drückeberger und Märchenerzähler. Nach zahlreichen Tests steht für den Professor fest: Danneckers Gedächtnis funktioniert ganz prima. Für sein seltsames Verhalten nach dem Unfall gibt es keine wissenschaftliche Erklärung. ...
    [es folgt die Prozessgeschichte - ohne Happy-End]."
    (Quelle: Spiegel.de)
Das erinnert an Sokrates. Der war zwar kein Deutschlehrer, sondern Lehrer der Philosophie (*469 v.Chr., +399 v.Chr.), berühmt unter anderem auch für sein Bekenntnis: "Ich weiß, dass ich nicht(s) weiß". Das kam beim Athener Magistrat auch nicht gut an. Anstatt ihn in Pension zu schicken, haben sie ihn (wg. Gottlosigkeit und schlechtem Einfluss auf die Jugend) zum Tode durch den "Schierlingsbecher" verurteilt.

Im Vergleich dazu handelt das Oberschulamt Freiburg doch wirklich moderat: es will den angeblich Nichtwissen simulierenden Lehrer lediglich wieder in die Schule schicken.

Apropos "Simulant":
    Der Sanitätsgefreite kommt aufgeregt zum Stabsarzt:
    - "Herr Stabsarzt, der Simulant in Zimmer 7 ist tot!"
    Darauf der Stabsarzt:
    - "Na na na, jetzt übertreibt er aber!"

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