Montag, 6. Februar 2006
Die Seite 1
Gemeinhin geht man davon aus, dass eine Zeitung auf Seite 1 an der ersten Stelle (Bei BILD, EXPRESS u.ä:"Über dem Bruch") das schreibt, was sie für das wichtigste Thema hält.

Während die meisten Zeitungen in Deutschland am Samstag auf den drohenden "Kampf der Kulturen", oder genauer: auf den beginnenden Religionskampf eingehen und die ersten eruopäischen Botschaften und Konsulate brennen, - während also Europa auf einen neuen Prinz Eugen wartet, macht die Zeitung, die für die dahinter steckenden "klugen Köpfe" schreibt, wie folgt auf:

    (Quelle: Samstagsausgabe der FAZ vom 4.2.2006, S. 1, zentrale Überschrift)
Sieht man einmal davon ab, dass der Rechtschreibrat nur Vorschläge für eine Neuregelung machen kann (Koriander vom 31.7.2005),
    die dann zunächst von den staatlichen Gremien beschlossen und dann mit der Schweiz und Österreich und wer sonst noch Deutsch schreibt vereinbart werden müssten,
abgesehen davon ist es natürlich immer jede Schlagzeile auf Seite 1 an erster Srelle wert, wenn man (demnächst vielleicht endlich wieder) die Liebste im seinem Liebesbrief mit "Du" statt mit "du" anreden darf.

Varzil meint:
Es hat wirklich Stil, in Zeiten großer Umbrüche sich auf die gepflegten Umgangsformen im Alltag zu konzentrieren.

Man könnte auch sagen, dass so ein Pipifax nur noch orthografische Fundamentalisten interessiert. Aber damit wäre man dem eigentlich brennenden Thema des religiös begründeten Fundamentalismus schon wieder gefährlich nahe ....

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Freitag, 3. Februar 2006
Stunksitzung um dänische Cartoons
In Köln und drumherum gibt es den Karneval, vulgo "Fastelovend". Jedes Jahr finden in der Zeit zwischen dem 11.11. und Weiberfastnacht unzählige Sitzungen statt, allein die Stunksitzung zählte in der letzten Session 48.000 Besucher, - danach ist bis Aschermittwoch Straßenkarneval - und danach ist alles vorbei.

In Dänemark gibt es die Jütland Post:
    "Morgenavisen Jyllands-Posten (short form: Jyllands-Posten, literally the Jutland Post) is the largest-selling daily newspaper in Denmark. It is based in Viby J, a suburb of Aarhus, and has a circulation of approximately 150,000 on weekdays..."(Quelle: wikipedia)
Die Zeitung hat eine Art Wettbewerb unter dänischen Karikaturisten, wie Mohammed ausgesehen haben kann, ausgeschrieben. Von angeschriebenen 43 Karikaturisten antworteten 12. Deren 12 Zeichnungen (Bild und Hintergrund findet man bei der wikipedia) wurden am 30.9.2005 in der Jyllands Posten veröffentlicht. Soweit man das aus den Beschreibungen und den Abbildungen in der Wikipedia beurteilen kann, sind die Darstellungen recht unterschiedlich, aber keineswegs durchweg antiislamistisch.

Damit war der Situngskarneval eröffnet. Und ähnlich wie Kardinal Meisner sich über manch üble Verunglimpfungen in der "Stunksitzung" geärgert hat, ärgern sich seit dem diverse mehr oder weniger fundamentalistische Moslems über die Jyllands Posten Karikaturen. (Details kann man wieder in der Wikipedia nachlesen).

Anders allerdings als viele platte kirchenkritischen Witze der Stunksitzung sind die Karikaturen in der Jyllandsposten weniger zum Schenkel-Klopfen denn zum Schmunzeln geeignet.

Nun laufen die Kritiker zu großer Form auf: unser Kardinal Meisner könnte da noch einiges in Sachen "Fundamentalkritik" lernen.
    Varzil glaubt allerdings, dass Herr Meisner sich nach etlichen Kölner Jahren halbwegs akklimatisiert hat. Jedenfalls verzichtet er in letzter Zeit auffälig oft auf eine Kritik an der Stunksitzung - man muss da inzwischen wieder selbst hin, um zu erfahren, was es über die Kirche zu lästern gibt.
Ungeahnte, weil nämlich europäische Dimensionen nimmt die Karikatur-Session in jüngster Zeit an. Wie der Sitzungskarneval stimmungsmäßig sich bis Weiberfastnacht aufschaukelt, haben die diversen Aktivisten in der Sache weiter abwechselnd Wasser und Öl ins Feuer gekippt.

Jyllands Posten bedauert zunächst und entschuldigt sich schließlich, einige moderate westliche Politiker, auch der Peanut-Züchter Jimmy Carter, entschuldigen sich mit und sind ganz verständnisvoll wegen der verletzten "Islamischen Gefühle".

Die französische Zeitung "France Soir" hingegen hat sich neben anderen Zeitungen auf den bemerkenswerten Standpunkt gestellt, dass man das Recht habe, Gott zu karikieren. (Bild bei Süddeutsche, sie übersetzt: "„Beklag Dich nicht, Mohammed, wir alle werden hier lächerlich gemacht.“ Foto AFP).

Da hat der französische Abend wohl recht, allerdings mit verheerenden Konsequenzen:

    "...Einen Tag später wurde der Chefredakteur des Blattes entlassen."(Quelle: faz.net)
Das ist nun nicht mehr witzig - mitten im Karneval wird da jemand aus der Bütt geholt und geteert und gefedert. Als ob wir schon in der Karwoche wären.

Nicht viel besser Rudolph Chimelli in der Süddeutschen:
    "... Jedes Bild hat hoffentlich seinen Sinn, jedes seine eigene Komik, jedes für sich ist harmlos. Von einer empfindlichen Minderheit werden sie aber leicht als Stimmungsmache empfunden.

    In einem Land, wo einst zu vermeintlich normalen Zeiten der Stürmer mit seinen krummnasigen Juden eine Hetzkampagne betrieb, ist auch dieser Aspekt einen Gedanken wert....(Quelle: Süddeutsche.de)
Man sollte meinen, dass der Vergleich von "France Soir" und "Jyllands Posten" mit dem Stürmer endgültig die Karnevalsstimmung vermiest. Aber schiefe und schlechte Witze sind auch im Fastelovend unvermeidlich und werden in der Regel durch ein paar Kölsch etwas erträglicher.

Palästinenser haben allerdings kein Kölsch, sie verbrennen derweil sorgfältig, man möchte fast sagen, liebevoll gemalte dänische Fahnen. (Varzil hatte sich gewundert, wo man in Ramallah oder Gaza wohl die große dänische Fahnen herkriegt.) Saudi-Arabien und Kuwait inszenieren den Boycott dänischer Waren, das äpgyptische Parlament droht lediglich damit und weitere gemäßigte westliche Spaßverderber predigen Mäßigung - das hat llerdings in Karneval auch noch nie geholfen.

Irakische Spaßverderber schmeißen Bomben gegen christliche Kirchen (Details der Maßnahmen wiederum bei Wikipedia).

Varzil glaubt, dass da etliche Nationen noch etwas Nachhilfe brauchen: Es muss ja nicht in Sachen "Grundrechte" sein. Einfach eine Dosis "Fastelovend" täte wahrscheinlich auch schon gut.

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Donnerstag, 2. Februar 2006
Kuriosa
"Kurios" ist im Deutschen etwas, das einem merkwürdig mit so leicht erheiterndem Unterton vorkommt.

Im Englischen meint "curious" so etwas wie "neugierig", lt. www.leo.org jedoch auch so etwas wie "eigenartig", "merkwürdig" etc.

Den Kontext von "neugierig" gibt es im Deutschen nicht.

Varzil meint, es liegt an dem negativen Beiklang von "...gierig" - wer will schon als "gierig" gelten.

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