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Samstag, 11. Februar 2006
"Westen" und "Islam"
varzil, 15:34h
In festgefahrenen Situationen verfällt der homo politicus gerne in altgewohnte Rituale. Denn Rituale helfen bei der Bewältigung des Alltags.
Derzeit wird folgendes Ritual aufgeführt:
Die politisch eher Rechte deklamiert Grundrechte „freiheit der Meinungsäußerung“, „Pressefreiheit“ und „Religionsfreiheit“ und was der schönen Dingen noch mehr sind. Die politisch eher Linken sehen ihr altes Ideal der Völkerverständigung gefährdet. Sie werfen der Rechten (speziell: der konservativen dänischen Regierung und den dänischen Medien a la Jyllands Posten) vor, sie habe eine Kampagne inszeniert, um die Moslems zu provozieren. Statt dessen solle man doch eher Rücksicht nehmen auf die religiösen Gefühle anderer.
All dies hat offenkundig seine Berechtigung – und gerade deshalb lässt es sich auf beiden Positionen so gut streiten.
Das, was in der arabischen Welt passiert, ist jedoch etwas anderes, und hat damit nichts mehr zu tun - da wird offenkundig mit zweierlei Maß gemessen:
wer sich freiwillig aus Rücksicht vor den religiösen Empfingungen anderer eine Bemerkung, Karikatur, oder einen Kommentar verkneift, der handelt entweder sehr verantwortungsbewusst, ober aber (wenn er ihm gar nicht um den Respekt vor der fremden Religion, sondern um eigene sonstige Interessen geht), feige.
Varzil würde die Rückkehr zum Karneval sehr begrüßen.
Derzeit wird folgendes Ritual aufgeführt:
Die politisch eher Rechte deklamiert Grundrechte „freiheit der Meinungsäußerung“, „Pressefreiheit“ und „Religionsfreiheit“ und was der schönen Dingen noch mehr sind. Die politisch eher Linken sehen ihr altes Ideal der Völkerverständigung gefährdet. Sie werfen der Rechten (speziell: der konservativen dänischen Regierung und den dänischen Medien a la Jyllands Posten) vor, sie habe eine Kampagne inszeniert, um die Moslems zu provozieren. Statt dessen solle man doch eher Rücksicht nehmen auf die religiösen Gefühle anderer.
All dies hat offenkundig seine Berechtigung – und gerade deshalb lässt es sich auf beiden Positionen so gut streiten.
Das, was in der arabischen Welt passiert, ist jedoch etwas anderes, und hat damit nichts mehr zu tun - da wird offenkundig mit zweierlei Maß gemessen:
- "...
The Arab media run cartoons depicting Jews and the symbols of the Jewish faith with imagery indistinguishable from that used in the Third Reich. But I have yet to see Jews or Israelis threaten the lives of Muslims because of it.
And there is, of course, the other blasphemy. It occurred on Sept. 11, 2001, when fanatics murdered thousands of innocents in the name of Islam. Surely, nothing could be more blasphemous. So where were the Muslim boycotts of Saudi Arabia or Afghanistan after that horrifying event? Since 9/11 mosques have been bombed in Iraq by Islamic terrorists. Where was the rioting condemning attacks on the holiest of shrines? These double standards reveal something quite clear: this call for "sensitivity" is primarily a cover for intolerance of others and intimidation of free people.
..
Yes, there's no reason to offend people of any faith arbitrarily. We owe all faiths respect. But the Danish cartoons were not arbitrarily offensive. They were designed to reveal Islamic intolerance--and they have now done so, in abundance. The West's principles are clear enough. Tolerance? Yes. Faith? Absolutely. Freedom of speech? Nonnegotiable.
(Quelle: Andrew Sullivan in Time Magazin)
wer sich freiwillig aus Rücksicht vor den religiösen Empfingungen anderer eine Bemerkung, Karikatur, oder einen Kommentar verkneift, der handelt entweder sehr verantwortungsbewusst, ober aber (wenn er ihm gar nicht um den Respekt vor der fremden Religion, sondern um eigene sonstige Interessen geht), feige.
Varzil würde die Rückkehr zum Karneval sehr begrüßen.
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Donnerstag, 9. Februar 2006
flach gedacht: Flachdach
varzil, 19:19h
Nach dem heftigen Karnevalikaturen-Content der letzten Tage (8.2.06, 7.2.2006, 3.2.2006) wird es heute wieder ernster.
Es schneit und auf den Flachdächern der Nation lastet Schnee. Warum auch immer man Flachdächer gebaut hat, weiß eigentlich niemand so recht genau. Oder doch?
Und wer wie der Autor innerhalb von fünf Jahren die dritte Sanierung eines Flachdachs der 60er Jahre vorbereitet, sieht überhaupt keine Vorteile eines Flachdachs.
Es schneit und auf den Flachdächern der Nation lastet Schnee. Warum auch immer man Flachdächer gebaut hat, weiß eigentlich niemand so recht genau. Oder doch?
- "Vorteile von Flachdächern mit Abdichtung gegenüber geneigten Dächern mit Dachdeckung:
- Geringes Eigengewicht der Dachhaut
- Erweiterte Nutzungsmöglichkeit (z.B. Dachterrassen, begrünte Flächen, Parkdecks, Aufstellung und leichte Zugänglichkeit für technische Aggregate)
- Belichtungsmöglichkeit für innenliegende Räume
- Gestalterische Freiheit, z.B. bei späterer Erweiterung
(Quelle: wikipedia)
- Das "geringe Eigengewicht" der Dachhaut schadet, weil es offensichtlich nicht so viel Schnee tragen kann.
- Die "Erweiterten Nutzungsmöglichkeiten" sind gegeben - mit einer ebenen Fläche kann man einfach mehr machen als mit einer schrägen Ebene
- Die "gestalterische Freiheit" gibt es aber wohl nur, wenn man sein Unternehmen auch für Google Earth sichtbar machen will (via Indiskretion Ehrensache).
- Und das Licht für die Innenräume? Trifft meistens zu, aber wenn der Schnee drauf liegt, eben nicht.
- Bis zur völligen Erschöpfung kämpfen die Helfer in Niederbayern gegen die Schneemassen an, die sich bis zu eineinhalb Metern hoch auftürmen. Im Wintersportort Zwiesel sind beinahe alle öffentlichen Gebäude vom Einsturz bedroht. Der Katastrophenalarm besteht weiter.
...
Besonders einsturzgefährdet sind die Flachdachhallen einiger Firmen.
(Quelle: Spiegel online)
Und wer wie der Autor innerhalb von fünf Jahren die dritte Sanierung eines Flachdachs der 60er Jahre vorbereitet, sieht überhaupt keine Vorteile eines Flachdachs.
- Der Rat eines klugen Dachs:
Sattel- statt Flach-!
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Mittwoch, 8. Februar 2006
Karneval: audietur et altera pars
varzil, 13:23h
Heute beim Frühstückskaffee goldene Worte zum Thema "dänische Karikaturen":
Genau, in Köln.
Kein Wunder, dass er das Einmaleins des Karnevals beherrscht. ...
- "... Ein beträchtlicher Teil speziell der iranischen und arabischen Öffentlichkeit hat nicht begriffen, dass man nicht zur Gewalt greift, nur weil man sich ärgert oder beleidigt fühlt, dass es in der globalisierten Welt friedliche und übrigens weit effektivere Mittel gibt, die eigene Position zu vertreten.
Jeder Konsument hat die Möglichkeit, eine Ware zu boykottieren – das ist das Spiel der freien Marktwirtschaft, und gerade amerikanische Medienkonzerne würden es mit Rücksicht auf die Folgen für die Wirtschaft nicht wagen, wichtige Käufergruppen zu verprellen. Hätten sich die Muslime daran gehalten, sie hätten den aktuellen Konflikt ganz in ihrem Sinne für sich entscheiden können und nebenbei aller Welt die lächerliche Prinzipienlosigkeit des dänischen Ministerpräsidenten vorführen können, der beim ersten nicht gekauften Feta-Käse bereit war, seine Verachtung für die Muslime beiseite zu schieben und „bitte bitte Dialog“zu winseln.
Das hätten die Muslime tun können, und so sehr man sich in Europa über sie entrüstet hätte, sie hätten sicher sein können, dass ein Großteil der Weltöffentlichkeit
– einschließlich vieler amerikanischer Korrespondenten, die sich die Augen reiben angesichts des Rassismus, der sich in europäischen Medien ausbreitet – mit ihnen sympathisiert.
...
(Quelle: Navid Kermani in der Süddeutschen Zeitung vom 8.2.2006, S. 11 im Feuilleton)
Genau, in Köln.
Kein Wunder, dass er das Einmaleins des Karnevals beherrscht. ...
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