Samstag, 11. Februar 2006
"Westen" und "Islam"
In festgefahrenen Situationen verfällt der homo politicus gerne in altgewohnte Rituale. Denn Rituale helfen bei der Bewältigung des Alltags.

Derzeit wird folgendes Ritual aufgeführt:

Die politisch eher Rechte deklamiert Grundrechte „freiheit der Meinungsäußerung“, „Pressefreiheit“ und „Religionsfreiheit“ und was der schönen Dingen noch mehr sind. Die politisch eher Linken sehen ihr altes Ideal der Völkerverständigung gefährdet. Sie werfen der Rechten (speziell: der konservativen dänischen Regierung und den dänischen Medien a la Jyllands Posten) vor, sie habe eine Kampagne inszeniert, um die Moslems zu provozieren. Statt dessen solle man doch eher Rücksicht nehmen auf die religiösen Gefühle anderer.

All dies hat offenkundig seine Berechtigung – und gerade deshalb lässt es sich auf beiden Positionen so gut streiten.

Das, was in der arabischen Welt passiert, ist jedoch etwas anderes, und hat damit nichts mehr zu tun - da wird offenkundig mit zweierlei Maß gemessen:
    "...
    The Arab media run cartoons depicting Jews and the symbols of the Jewish faith with imagery indistinguishable from that used in the Third Reich. But I have yet to see Jews or Israelis threaten the lives of Muslims because of it.

    And there is, of course, the other blasphemy. It occurred on Sept. 11, 2001, when fanatics murdered thousands of innocents in the name of Islam. Surely, nothing could be more blasphemous. So where were the Muslim boycotts of Saudi Arabia or Afghanistan after that horrifying event? Since 9/11 mosques have been bombed in Iraq by Islamic terrorists. Where was the rioting condemning attacks on the holiest of shrines? These double standards reveal something quite clear: this call for "sensitivity" is primarily a cover for intolerance of others and intimidation of free people.
    ..
    Yes, there's no reason to offend people of any faith arbitrarily. We owe all faiths respect. But the Danish cartoons were not arbitrarily offensive. They were designed to reveal Islamic intolerance--and they have now done so, in abundance. The West's principles are clear enough. Tolerance? Yes. Faith? Absolutely. Freedom of speech? Nonnegotiable.

    (Quelle: Andrew Sullivan in Time Magazin)
Fazit:
wer sich freiwillig aus Rücksicht vor den religiösen Empfingungen anderer eine Bemerkung, Karikatur, oder einen Kommentar verkneift, der handelt entweder sehr verantwortungsbewusst, ober aber (wenn er ihm gar nicht um den Respekt vor der fremden Religion, sondern um eigene sonstige Interessen geht), feige.

Varzil würde die Rückkehr zum Karneval sehr begrüßen.

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