Mittwoch, 26. April 2006
der ungegliederte pdf-Familienbericht
Zunächst einmal ist es einfach lobenswert, dass man die dicken Dinger der Bundesregierung nicht kaufen muss, um dann festzustellen, dass sie doch zu dick und zu langweilig zu lesen sind. Und deshalb ist die Mäkelei in diesem Posting eigentlich nicht ganz fair. Und dennoch sei es hier notiert:

Man kann den Siebenten Familienbericht des Bundesfamilienministeriums einfach als pdf-Dokument herunterladen und braucht ihn nicht zu kaufen. "Einfach" ist das zumindest dann,wenn man Platz für 4.7 MB hat und nicht gerade mit Modem oder mit GPRS-Internet-Anbindung (d.h. via Mobiltelefon) unterwegs ist.

Und beim Durchblättern liest man viele interessante Stichworte:
"Kinder", "Kinderlosigkeit", "Fruchbarkeitsrate" oder auch eine Überschrift wie:
    "II.2.1 Partnerschaften und Auszugsverhalten oder das ‚Hotel Mama‘ als Folge einer verlängerten ökonomischen Abhängigkeit"
Und dann? Man liest die Überschrift im Inhaltsverzeichnis und findet raus, dass der Text dazu auf Seite 40 des Berichts steht. Dann sagt man mit "Strg-N"
    Exkurs zu "Strg-N":
    das ist der gehe-zu -Befehl in Acrobat-5.0, in moderneren Versionen haben die sich sicherlich einen anderen Shortcut einfallen lassen, wäre ja auch zu einfach, die Shortcuts von Version zu Version unverändert zu lassen
    . Exkurs-Ende.
dem Programm, dass man gerne auf Seite 40 springen möchte. Blöderweise landet man dann aber auf S. 22, weil Vorwort, Inhaltsverzeichnis etc. nicht mitgezählt werden; die Seite 22 ist zwar die 40. Seite im Dokument, trägt aber die Seitenzahl "22". Also Frust statt Leselust.

Und dann schlägt man die bei acrobat-reader etc. eigentlich sympathische Funktion "Lesezeichen" auf und hofft, dass dort das Inhaltsverzeichnis verlinkt ist. Denkste. Keine Lesezeichen. Nix. Gähnende Leere bei einem Dokument, das 607 (sechshundertsieben) Seiten umfasst.

Immerhin sind die Seiten nicht "eingescannter Text als Bild" (wie so manche Bundesratsdrucksachen). So kann man also mit der Volltextsuche
    [in besagter Version: Strg-F Hier würde eine Wiederholung des Exkurses von oben gut passen]
nach dem Hotel Mama suchen.

Ob die Verfasser von elektronisch herunterladbaren Dokumenten jemals nachvollziehen werden, dass man Texte nicht sofort ausdrucken, sondern gerade bei einem Umfang von etlichen 100 Seiten erst einmal überfliegen will, bevor man eine halbe Druckerpatrone investiert?

PS und nur am Rande:
Für die "Entmannung durch Elternurlaub", die gestern hier thematisiert war, findet sich in der Studie kein Beleg.

Aber immerhin gibt es ein Kapitel mit dem Thema
    VI.4.6 Väterzeit zwischen Familie und Erwerb
    (S. 408 des Berichts, wer mit Strg-N dahinspringen will, gibt tunlichst die Seitenzahl "426" ein)
Dort findet sich auch ein Literaturhinweis auf die
    "engere Väterforschung"
    ...
    "Auch auf der biographischen Ebene haben also Männer zunehmend ein Vereinbarkeitsproblem..."
    (Quelle: 7. Familienbericht, S. 408)
Was Männer nicht alles für Probleme haben: jetzt auch noch ein biographisches Vereinbarkeitsproblem ...

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Dienstag, 25. April 2006
Entmannung durch Elternurlaub
Zwang geht so etwa in die Richtung von Nötigung - man zwingt einen anderen, wenn er etwas gegen seinen eigenen Willen tun soll.

Generell hat "Zwang" damit den Beigeschmack von etwas Üblem - selbst die Wendung "jemanden zu seinem Glück zwingen" lässt das noch erkennen: Zwang ist etwas Negatives.

Was will die Bundesfamilienministerin mit dem Erziehungsurlaub?
    "Die Große Koalition will ab 2007 ein Elterngeld von 67 Prozent des vorherigen Nettoeinkommens, höchstens aber 1800 Euro im Monat, einführen. Für nicht oder gering erwerbstätige Eltern ist eine Mindestleistung vorgesehen. Gezahlt werden soll zwölf Monate lang, wobei zwei Monate davon abhängen, dass sowohl Mutter als auch Vater ihre Berufstätigkeit unterbrechen. ..."
    (Quelle netzeitung)
Klingt ganz gut, oder hat da jemand etwas von "Zwang" entdeckt? Muss man etwa demnächst Elterngeld kassieren? Müssen Mütter oder Väter berufstätig sein? Müssen berufstätige Väter Erziehungsurlaub nehmen?
Nein?

Wieso wehrt sich die CSU dann beispielsweise gegen Sanktionen (in dem Artikel der netzeitung) und behauptet etwas von einem "Zwang"?

Oder noch mehr daneben:
    "Sie, liebe Frau von der Leyen, wollen, daß der Mann Brüste bekommt. 12 Monate Elterngeld soll es nach Ihrem Willen nur geben, wenn Vater und Mutter sich die Arbeit beim Baby teilen. Für mich ist das Entmannung. Was für ein Männerbild haben Sie? Windeln wechseln für Geld. Ich Macho wechselte die Windeln meiner Tochter mit Liebe.
    (Quelle: F. J. Wagner in bild.de)
Alles klar, Herr Wagner? Sonst noch Probleme?
"Wenn Vater und Mutter sich die Arbeit beim Baby teilen,[ist das] für mich ... Entmannung."

Wenn das ernst gemeint, ist, ist das einfach nur BLÖD; ein klein bißchen Biologie-Kenntnisse müssten ausreichen, um zu widerlegen, dass das Teilen von Erziehungsaufgaben einen Mann die Eier kostet.

Und wenn es Satire sein sollte, dann bin ICH zu BLÖD, das zu verstehen.

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Braucht der Staat mehr Geld?
Heute in der Süddeutschen Zeitung: Mit Verlaub, Herr Beck: Das stimmt einfach nicht.

[Das ist doch schon die Begründung für die Mehrwertsteuererhöhung gewesen. Und jetzt schon wieder? Gab es da nicht noch andere Möglichkeiten, die Staatsfinanzen zu sanieren, als die Finanzierung durch Steuern?]

Ohne Herrn Beck oder die SPD an den Pranger stellen zu wollen - "die Politik" drückt sich wieder einmal davor, ihre Hausaufgaben zu machen:
  • Steuerreform - gleichmäßige und einfache Besteuerung
  • Subventionen auf das zukünftig Sinnvolle reduzieren (und nicht lediglich in der Vergangenheit Sinnvolles fortschreiben wie z.B. Kohle, Werften, Landwirtschaft)
  • Rückbesinnung auf die Kernaufgaben des staatlichen Handelns: Innere und äußere Sicherheit, Soziale Sicherung und Vorsorge
So schwer kann das doch gar nicht sein, zumal in einer Großen Koalition.

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Montag, 24. April 2006
Zurück in die Urlaubsplanung
Zurück aus dem urloup kommen die kleinen Alltagsproblemchen unerwartet schnell auf einen zu.

Zunächst fehlt morgens die heißgeliebte Tageszeitung. Und dann lernt man nach einigen Telefonaten mit dem Aboservice nachmittags eher zufällig, dass der Bote die Zeitung beim Nachbarn in den Briefkasten gesteckt hat. Alles also ok, nur der Frühstückskaffee ohne Zeitung mochte nicht so recht schmecken.

Weiter im Tag: Kind Zwei
    (Exkurs:
    die Nummerierung der eigenen Kinder ist zwar nicht schön, aber ungemein praktisch, weil a) anonym und b) trotzdem individualisiert - abgekuckt bei Sopran
    )
plant eine Reise in die USA zu Tante und Onkel in Detroit. Seit Monaten. Viele Überlegungen wurden angestellt, E-Mails geschrieben und Telefonate geführt. Vorhin dann bei der Buchung eines Flugs fragt der freundliche Herr vom Reisebüro, ob das Kind einen "roten" Pass habe. So wie links sähe er aus (Bild der Bundeszentrale für politische Bildung).

Sowas hat die Zwei natürlich nicht (- wieso auch, ist ja gerade erst 16 Jährchen alt).

Da hat man sich also wochen- und monatelang über biometrische Merkmale in Pässen und Ausweisen theoretische Gedanken gemacht, die USA im allgemeinen und speziellen sonstwohin verwünscht und die alte und die amtierende Bundesregierung gleich mit. Theoretisch weiß man alles (besser) und praktisch steht man dann ohne Pass am Flughafen.

Die Stadt Bonn verspricht an mehreren Stellen ihrer bemerkenswerten Internet-Präsenz Abhilfe, allerdings mit unterschiedlichem Inhalt:
    [In der Sparte Reisepass]
    "Die Fertigstellung des Reisepasses durch die Bundesdruckerei in Berlin dauert ca. vier bis sechs Wochen."
    (Quelle: Stichwort Reisepass bei www.bonn.de)
Bei einem vorgesehenen Abflugtermin am 4.7.2006 könnte das noch gut klappen.

Glaubt man aber der Bürgerservice-Info-/Startseite, liest man dort:
    "Achtung Ferien: Gültigkeit der Reisepapiere jetzt prüfen

    Koffer gepackt und Reisepass ungültig? Das Bürgeramt der Stadt empfiehlt, schon jetzt alle Reisedokumente zu prüfen. Neue Dokumente müssen zwei bis drei Monate vor Reisebeginn beantragt werden.
    (Quelle:Übersichtsseite Bürgerdienste der Stadt Bonn)
"2 bis 3 Monate", also rund doppelt so lang, wie die Bundesdruckerei zum Herstellen braucht: das könnte eng werden bis zum 4. Juli.

Die (geschiedenen) Eltern müssen eine Sorgerechtsentscheidung beibringen und persönlich erscheinen oder zumíndest eine Vollmacht mit Personalausweiskopie vorlegen, bei Namensverschiedenheiten eventuell auch eine Geburtsurkunde. Die Zwei verspricht, derweil schon 'mal nach einem Passbild zu suchen.

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