Dienstag, 27. Juni 2006
Navigation
Wenn man mal berücksichtigt,
  • dass "Navigation" mit dem lateinischen "navigare" ("zur See fahren") eng verwandt ist,
  • dass "navis" lateinisch für "Schiff" steht,
  • dass Navigation aber nicht nur mit einem Schiff möglich ist,
  • dass moderne satellitengestützte Navigationssysteme auf Raum"schiff"-Technik zurückgreifen,
dann wundert es einen nicht, dass ein Navigationssystem (GoPAL auf einem MEDION 95780) nicht nur einen Autofahrer oder einen Fußgänger, sondern auch einen Fahrradfahrer von A nach B bringen kann: eigentlich also"Velogation".

Erstaunlich bloß, dass die Sieg als Nebenfluss des Rheins in der digitalen Karte nicht existiert - das schränkt die Verwendung als "Navi-"gationssystem im eigentlichen Sinn dann etwas ein.

... link (2 Kommentare)   ... comment ...bereits 910 x gelesen


Freitag, 23. Juni 2006
Leistungsschau Großbild-TV
Die Fi-Fa-Fußballübertragungen aller Orten geben einem Gelegenheit, diverse Darstellungsformen für Fernsehbilder zu vergleichen. Wobei es hier nicht um die oft kläglich scheiternden Versuche von Angestellten gehen soll, das richtige Format (16:9, Letterbox versus 4:3, Zoom, 14:9 etc.) zu finden.

Draußen in freier Biergartenatmosphäre nur selten anzutreffen ist der Beamer, der sein mehr oder weniger flaues Bild auf eine Leinwand wirft - auch die etwas kostspieligere Variante der Rückwärtsprojektion(mittels Spiegel) ist recht voluminös und ausgesprochen selten. Sein Biotop ist eher das schummrige Café und die entsprechende Kneipe.

In den Straßen-Cafés dominiert der Plasmabildschirm: sein Bild ist eigentlich gut, aber die farbliche Brillianz lässt noch Platz für Optimierungswünsche. Und dass die Geräte oft einer Heizung gleichkommen, fällt in diesen warhmen Sommertagen keinem auf.

Gelegentlich anzutreffen in direkter Konkurrenz dazu ist der LCD-Flachbildschirm: farblich ziemlich perfekt, zeigt er (nach wie vor) Schwächen bei schnellen Kamera-Schwenks, bei Laufschriften u.ä.: da gibt es mehr Bewegungsunschärfe als man für soviel Geld akzeptieren sollte.

Good old Röhren-Fernseher: den gibts eigentlich nur noch als Beistell-Fernseher für die Ecken, von denen man die Großbild-Projektion nicht oder nur schlecht sehen kann. Je nach Qualität der Röhre bietet er oft die brilliantesten Fernsehbilder, nur richtig groß ist so eine 80 bis 90 cm-Röhre eigentlich nicht ...

Immerhin bemerkenswert, dass es daneben doch tatsächlich auch noch Kinos, Gaststätten und Bistros mit HDTV-Fußball geben soll. Hier der Bericht aus zweiter Hand dazu:
    H. Dambeck schildert seine Erfahrungen mit einer HDTV-Fußballübertragung im Kino:
    "...
    Die Bildtotalen, die im gewöhnlichen Fernsehen eher langweilig erscheinen, machen mit HDTV richtig Spaß. Man hat einen perfekten Überblick über das Feld. Der Ball ist tatsächlich rund und nicht nur ein weißer Fleck, der über die Mattscheibe huscht. Und man schaut den Spielern ins Gesicht, wie es sonst nur im Stadion möglich ist.

    Bei Nahaufnahmen sieht man beinahe das Gras wachsen - zumindest sind die einzelnen Halme klar erkennbar. Das macht ein Fußballspiel zwar auch nicht spannender - dafür aber deutlich, was mit HDTV möglich ist.

    Die hohe Auflösung hat aber auch ihre Nachteile: So schafften es die Kameraleute gelegentlich nicht, das Bild selbst richtig scharf zu stellen. Im normalen Fernsehen ist das sicher kaum jemandem aufgefallen - im HD-Kino hingegen schon.

    Kaum zu ertragen sind Sequenzen, die mit einer beweglichen Kamera aufgenommen werden, etwa vom Spielfeldrand. Kleine Wackler werden von der großen Leinwand regelrecht aufgebläht. Auch Naheinstellungen mit viel Bewegung - Fußball ist nun mal ein actionreicher Sport - möchte man in HD lieber nicht so oft sehen. Das Bild verwischt, schnelle Kameraschwenks machen das Ganze noch schwerer verfolgbar.

    Die Bildsprachen von Kino und Fußballübertragung sind halt verschieden. Die Crux daran: Will man die hohe Auflösung tatsächlich erleben, muss man möglichst nah vor der Leinwand sitzen, was bei schnellen Kamerabewegungen zu Kopfschmerzen führen kann. Von der letzten Reihe im Kino schaut das Ganze schon wesentlich angenehmer aus - doch dann ist man so weit von der Leinwand weg, dass das Auge die vielen Details gar nicht mehr auflösen kann.
    ..."
    (Quelle: Holger Dambeck in Spiegel online)

... link (0 Kommentare)   ... comment ...bereits 659 x gelesen


Donnerstag, 22. Juni 2006
WM-Tickets: was alles schief gehen kann
Eigentlich steht jetzt ja soviel über Fußball ("Fussball"?) geschrieben, dass sich jeder weitere Text erübrigt. Aber dann sammeln sich doch einige Merkwürdigkeit, die es festzuhalten lohnt:

Vorgeschichte: Zunächst einmal hat die FIFA den Verkauf von 3 Millionen Eintrittkarten nicht selbst gemacht, sondern einen Subunternehmer machen lassen (das Bild rechts stammt von www.testspiel.de). Für den Bereich der Promikarten (VIP-Karten so ca. 300.000 Stück) hat dieser dann einen weiteren Sub-Subunternehmer (Schweitzer WM-Agentur ISE) engagiert. Letzterer hat es mit der Personalisierung der Tickets nicht so genau genommen, d.h. hat die Tickets an Firmen verkauft, ohne dass die Firmen Namen für die Ticket-Inhaber angeben mussten (Details bei süddeutsche online).
    Anm.:
    Die Anonymität war den Firmen und den mit den Tickets Beschenkten auch ganz recht: bei einem Wert von 2000 bis 4000 € pro Ticket liegt die Idee der Staatsanwaltschaft, bei Öffentlich-Bediensteten wegen Vorteilsannahme zu ermitteln, nicht ganz fern. Auch die Finanzämter fragen wohl nicht zu Unrecht, ob in der Weitergabe an Bedienstete nicht ein steuerpflichtiger geldwerter Vorteil liegt.

    Der Ärger über diese Fragen ging soweit, dass die ENBW Strafanzeige gegen die ermittelnden Staatsanwälte stellte:
      Der Streit um WM-Einladungen für Politiker durch die Karlsruher EnBW spitzt sich zu. Der Energiekonzern wirft der Staatsanwaltschaft Rechtsbeugung und Verfolgung Unschuldiger vor. Heute stellte das Unternehmen Strafanzeige.
      (Quelle: Spiegel online)
Ja und dann die Einlasskontrollen:
Hatte das Bundesinnenministerium nicht großspurig verkündet, nur mit personalisierten Karten käme man in das Stadion? Sollten da nicht lückenlose Ausweiskontrollen vorgenommen werden, um sicherzustellen, dass der Karteninhaber auch derjenige ist, der auf dem Ticket steht?

Und dann das:
  1. Die Einlasskontrolle:
      "Der wohl dümmste Dieb der laufenden Fußball-WM hat am Sonntag das Spiel Brasilien gegen Australien in München besucht. Das konnte er nur deshalb, weil er auf dem Weg zum Stadion einer Frau die Handtasche gestohlen hatte, in der sich eine Eintrittskarte befand. Diese nutzte der Dieb dann auch, saß im Stadion aber dummerweise direkt neben dem Ehemann des Opfers, der umgehend die Polizei alarmierte." (Quelle: statt vieler z.B. focus online)
    Der Leser fragt sich, was da eigentlich aus den Stadionkontrollen geworden ist ...
  2. Dass das nicht gerade ein Beweis für die Zuverlässigkeit der Kontrollen war, fiel dann später offenbar auch der Polizei auf:
      "Später zog die Polizei die Geschichte zurück - man habe "leider zwei völlig von einander unabhängige Fälle durcheinander gebracht". Aber es ging in beiden Fällen offenbar um Leute, die verbotswidrig ins Stadion kamen."
      (Quelle: Papierausgabe Süddeutsche Zeitung vom 21.06.2006)
    Aha - wer es glaubt ... Besser wird die Geschichte so allerdings auch nicht - wie die Süddeutsche zu Recht anmerkt, sind dann offenbar wenigstens 2 Leute mit falschen Tickets ins Stadion gekommen
  3. Aber es gibt noch mehr Ungereimtheiten:
      "Derweil dürfen sich ordentliche Ticketerwerber glücklich schätzen, wenn sie nur die zehn Euro Gebühr "für die Zustellung der Tickets" abschreiben müssen, weil diese nicht zeitig zugestellt werden konnten. Viele Käufer erhielten die Benachrichtigung: "Beachten Sie, dass postalische Zustellungen nicht mehr durchgeführt werden können." Man solle die Tickets selber abholen. Rückerstattung der Zustellungsgebühr sei, laut telefonischer Auskunft, nicht vorgesehen.

      Das ist die Seite der WM, die von Ausrichter und Organisatoren konsequent ausgeblendet wird. Die Gelackmeierten beim Fußballfest sind offenkundig die anständigen Käufer ...(Quelle: Papierausgabe Süddeutsche Zeitung vom 21.06.2006, S. 33 "Mit Schlips und nacktem Oberkörper")
  4. Noch mal zu den Einlasskontrollen:
      "In Frankfurt ging ein 50-Jähriger mit Kinderdaten durch, beim Spiel Kroatien - Japan gelangten Besucher mit Feuerwerkskörpern durch die Kontrollen, im Stadion krachte es. Auch bei der Partie Paraguay - Schweden hatte ein Käufer von schwarz weiterveräußerten VIP-Karten kein Einlassproblem, obwohl er versehentlich Tickets für das Spiel Brasilien-Kroatien zwei Tage vorher erhalten hatte. ..."
      (Quelle: Papierausgabe der Süddeutschen vom 21.6.2006 S. 33)
    Warum das so einfach ist? Nochmals die Süddeutsche:
      "An den Einlassstellen", sagt ein Volunteer im Berliner Stadion, "wird nur geprüft, ob die Daten ungefähr mit der Person überstimmen. Das geht nicht anders."

      Jeder kommt rein, der ein Ticket hat, vergiss die Daten. Je später man zum Einlass geht, was auch den Vorteil hat, dass dann die Schwarzmarktpreise fallen, um so lockerer die Kontrollen, weil dann viele Tausende ins Stadion dringen. Am ersten Kontrollring wird flüchtig die Karte gecheckt, meist geht es nur um die aufgedruckte Partie. Es folgen Taschenkontrolle und eine Art Leibesvisitation, aber ohne Metalldetektorenschranke. Schließlich wird das Ticket elektronisch entwertet: Auf dem Feld erscheinen Geburtsdaten und Nationalität des Inhabers. Ein paar Mitarbeiter begutachten die Angaben - wie oben geschildert. Würde genau hingesehen, drohten Staus, Chaos - und das Schlimmste: leere Sitze im Stadion."
      (Quelle: Papierausgabe der Süddeutschen vom 21.6.2006 S. 33)
    Das zumindest leuchtet ein ...
  5. Dass da dann auch ein paar ganz normale Kriminelle am Werk sein können, durften etliche englischen Fans in Köln erfahren:
      "400 britische Jugendliche konnten das Spiel zwischen Portugal und dem Iran nicht im Stadion verfolgen, obwohl sie Tickets für die Begegnung in Frankfurt bestellt hatten. Der Geschäftsführer eines britischen Reisebüros war offensichtlich auf Betrüger hereingefallen.

      Wie die Polizei in Köln am Samstag mitteilte, sollte der Geschädigte Tickets für das Spiel besorgen. Daraufhin orderte er im britischen Internet bei einer angeblichen Ticket-Firma Karten und überwies die Summe von umgerechnet rund 75.000 Euro.

      Telefonisch sei ein Übergabetermin an einer Jugendherberge in Köln-Riehl vereinbart worden, wo die Jugendlichen auch untergebracht seien. Dort habe der Brite jedoch vergebens gewartet. Daraufhin erstattete er eine Anzeige in Großbritannien und in Köln.

      Die Kinder und Jugendlichen nahmen laut Polizei die Enttäuschung sportlich und wollten das Spiel auf einer Großleinwand anschauen.
      (Quelle: Rheinische Post online)
Insgesamt eine eigenartige Bilanz: bei rund 3 Millionen Eintrittskarten gibt es offenbar alles! Dummheit, Bestechlichkeit, Inkompetenz, schlampige Kontrollen usw.

Die Dinge werden auch international diskutiert (z.B. im Blog des Guardian.

Dort findet sich auch die nette Geschichte in den Kommentaren zur Einweihung des neuen Münchner Stadions (Allianz-Arena oder FiFa-WM-Stadion oder was auch immer). Da riefen die Fans nach einer Halbzeit-Pause, als die Promis ihr Käfer-Menue nicht schnell genug verdrückt hatten und die Logenplätze leer blieben: Das zeigt den wahren Wert der VIP-Tickets: Fußball ist offenbar nur noch Beiwerk zum gesellschaftlichen Event.

Ansonsten: die Sicherheitskontrollen etc. sind wohl wieder einmal ein Opfer des Problems der großen Zahl geworden.

Wenn man pro Fan eine Minute ansetzt für die Kontrolle der Identität, des Tickets und für das Durchsuchen nach gefährlichen Gegenständen, sind das bei 50.000 Fans eben 50.000 Minuten an Kontrolllaufwand. Wenn man dann dafür 1.000 Kontrolleure einsetzt, dauert es eine knappe Stunde, bis alle im Stadion sind.

Und wenn man keine leeren Ränge will, die Fans aber erst knapp vor Spielbeginn eintreffen, muss es halt schneller gehen ...

... link (0 Kommentare)   ... comment ...bereits 1632 x gelesen