Donnerstag, 10. August 2006
Der Nachbar im WEG
Es ist schon sprichwörtlich:
    "Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben,
    wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt."
    (Schiller: Wilhelm Tell 4 Aufzug, 3. Szene - Quelle: Gutenbergprojekt)
    Exkurs:
    Das ist übrigens die selbe Szene wie die, die mit den legendären Worten eingeleitet wird:
      "Durch diese hohle Gasse muss er kommen,
      Es führt kein andrer Weg nach Küssnacht"

      (und mit den Worten
      "Das ist Tells Geschoss"
      auch den Tod des Landvogts mitteilt).
      (Schiller: Wilhelm Tell ebenda)
    Exkurs-Ende
Schiller schreibt dies im 19. Jahrhundert und beschreibt die mittelalterliche Schweiz. Ein Wohnungseigentumsgesetz (WEG) gab es damals noch nicht - auch die Väter des BGB waren dagegen, dass es Eigentum an Wohnungen geben könnte (vgl. §§ 93, 946 BGB).

Wenn es damals schon Wohnungseigentum gegeben hätte, würde es bei Schiller wohl anders lauten:
    "Ja, wohl dem, der seine Feld bestellt Wohnung hat in Ruh,
    Und ungekränkt daheim sitzt bei den Seinen."(Schiller, ebenda)
Seit 1951 gibt es aber Wohnungseigentumsrecht, und es ist ein Wunder, dass über die Wohnungseigentumsstreitgkeiten noch keine namhaften Dramen geschrieben wurden.

Schillers dieser Welt, wo seid ihr? Kennt ihr das Wohnungseigentumsgesetz nicht? Hier finden die neuen Dramen des Alltags statt,
  • ob eine Sauna ins Haus eingebaut,
  • das Dach saniert ("Dat hällt noch"),
  • ein im Herbst Laub werfender Laubbaum gefällt werden
  • oder ob die Hausordnung das Abstellen von Kinderwagen im Flur verbieten soll:
Das sind die Themen, die heute die Wohnungseigentümer bewegen, ähnlich wie damals Gesslers Hut die Schweizer zum Beugen des Hauptes veranlassen sollte.

Und da es offenbar keinen Schiller mehr gibt und Grass und Co. ebenso offensichtlich keine Einsicht in die Probleme der Wohnungseigentümer haben, hier der Vorschlag für die Blogosphäre:
    Stellt die Protokolle der Eigentümerversammlungen ins Netz,
    den einen zur Erbauung, den anderen zur Lehre und den übrigen als abschreckendes Beispiel!

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Mittwoch, 9. August 2006
Männer sind Schweine Wäschemuffel
"Männer sind Schweine" - singt es seit Jahren im Radio und hört man immer wieder, wenn Freundin A, frisch getrennt, Freundin B ihr Leid klagt. In wieweit diese Aussage haltbar ist, mag dem Urteil der Leserin oder des Lesers überlassen bleiben. In jedem Fall wird man mit der Aussage dem hierzulande heißgeliebten, weil meistgegessenen Säugetier nicht gerecht.

Ähnlich undifferenziert müffelt es derzeit durch Zeitungen und Zeitschriften mit der Überschrift: Einige andere Zeitungen von hervorragender Bedeutung hatten offenbar auch nichts Wichtigeres zu schreiben (wie z. B.Rhein Hunsrück Kurier, Handwerkermarkt oder auch die beliebte und als Auftraggeber zitierte Apotheken Umschau):
    In einer Befragung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Auftrag der Zeitschrift "Apotheken Umschau" gaben 13 Prozent und damit jeder Achte an, nicht jeden Morgen in einen frischen Slip zu schlüpfen.

    Dabei gibt es bei den Männern deutlich mehr Wäschemuffel als bei den Frauen: Knapp jeder fünfte Mann (18,1 Prozent) gab bei der Befragung zu, schon mal die Wäsche vom Vortag anzubehalten. ...
    (Quelle: Kölner Stadtanzeiger online)
Das könnte man so stehen lassen. Wenn immerhin 82 Prozent aller Männer, d.h. mehr als 30 Millionen Deutsche, täglich die Unterhose wechseln, müssten selbst die Unterhosenhersteller zufrieden sein.

Man kann aber auch mal drüber nachdenken: 18 Prozent der Männer haben eine Unterhose "schon mal" einen zweiten Tag getragen. Zu welch repräsentativen (?) Bekenntnissen ein solches Statement führt, zeigt der Exkurs:
    Exkurs:
    Zu jenen 18 % muss sich auch der Autor zählen:
    Vor ca 20 Jahren hatte er bei einer 6-wöchigen Pyrenäen-Wanderung gerade mal 3 Unterhosen dabei: eine zum Wandern, eine für abends nach der Dusche (falls da eine Dusche war) und eine "als Reserve".
Die "Gesellschaft für Konsumforschung" hat da allerdings sicherlich seriöser ("Alltagsgewohnheiten") gefragt, als es in der Meldung steht. Nehmen wir die Zahlen also als bare Münze. Dann tragen also tatsächlich manche Männer manchmal ihre Unterhose länger mehr als einen Tag. Und? Ist das nun schon ein Hygiene-Notstand?

Der regelmäßige Wechsel einer Unterhose sagt über die Reinlichkeit z.B des Männer-Hinterns rein gar nichts. Eine frische Unterhose macht den Hintern nämlich nicht sauberer als eine bereits getragene. Da hilft nur Waschen. Wenngleich nicht überall zitiert, weiß die Studie aber auch etwas über die Waschgewohnheiten:
    "...
    Insgesamt duschen, baden oder waschen sich 83,8 Prozent der Bevölkerung jeden Tag...."(Quelle: Presseportal))
Ob die 16,2 % (die nicht täglich Duschenden) sich vor allem aus den 18 % der Unterhosen-mehrfach-benutzenden Männer rekrutieren, weiß die Studie allerdings nicht. Möglicherweise ist in diesen Zahlen auch die Generation überproportional vertreten, die noch mit Waschlappen und Seife groß geworden ist und sich nur vor dem Sonntag eine Dusche (früher: ein Wannenbad) gönnt.

Ebensowenig weiß/sagt die Studie, ob und wie die 83,8 Prozent Duschenden ihren Genital- und Analbereich beim Duschen tatsächlich säubern (oder ob ihnen das Duschwasser wortwörtlich am Arsch vorbeiplätschert).

Und noch etwas:
Die Notwendigkeit, die Unterhose zu wechseln, lässt sich in aller Regel aufgrund einer optischen und/oder olfaktorsichen Prüfung feststellen. Ganz sicherlich ergibt sich die Notwendigkeit nicht dadurch, dass ein neuer Tag angebrochen ist.

Und hier wendet sich der Blick auf das andere Geschlecht. So gibt es Slipeinlagen - ein, wenn man der Werbung glauben mag, beliebter "Wäscheschutz" - ausschließlich für Frauen. Ein Blick auf die Anatomie bestätigt: Frauen haben eine Körperöffnung mehr, durch die Flüssigkeiten den Körper verlassen können. Vermutlich liegt hierin der Grund, warum mehr Frauen als Männer die Unterhose täglich wechseln.

Für dieses Ergebnis hätte man allerdings nicht 1976 repräsentativ ausgewählte Konsumentinnen und Konsumenten befragen müssen. Nachdenken hätte gereicht.

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Dienstag, 8. August 2006
insolvent: Beauty Steps von Susanne B
Foto Susanne BirkenstockWie überall (z. B. hier bei boocompany, am informativsten sicher der Bericht im Handelsblatt) zu lesen, ist Susanne Birkenstocks Firma pleite. (Bild vom Handelsblatt).

Warum das hier steht?

Zum einen fand Varzil den Streit darum, ob eine geschiedene Frau Birkenstock nach ihrer Scheidung den angeheirateten Namen benutzen darf, um Schuhe ("Beauty Step") zu verkaufen, schon vor einem Jahr einen Eintrag wert (Koriander vom 9.2.2005). Das mit den Cellulitis-Latschen "Beauty-Steps" - zur Erinnerung: wer in diesen Sandalen geht, beugt oder bekämpft die Cellulitis - kommt übrigens auch in dem o.a. Handelsblatt-Artikel vor.
    "...Susanne Birkenstock hatte in der Vergangenheit stets behauptet, in den ersten drei Monaten nach Unternehmensgründung seien 35 000 Paar verkauft worden. Laut Leone wurden 2004 jedoch lediglich 15 000 Stück gefertigt. ... Die Firma DS Produkte GmbH in Hamburg, der exklusive Vertriebspartner ab 2004, gibt gegenüber dem Handelsblatt an, 2004 knapp 10 000 Paar von den Beauty Steps verkauft zu haben
    (Quelle: Handelsblatt)
bild von beauty stepDie Zahlen klingen nicht so, als ob die Sandalen der durchschlagende Erfolg gegen Cellulitis sind, auch die Insolvenz scheint den Erfolg der Beauty Steps (rechts ein Bild aus yatego Shop) nicht unmittelbar zu bestätigen.

Daher hier der zweite Grund, warum das auch hier noch einmal erwähnt wird:

Vorsicht: Schowi-Witz:
Frage:
Warum haben Männer keine Cellulitis?
    Antwort:
    Weil's echt Scheiße aussieht ...

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