Montag, 11. September 2006
Der Wert der Arbeit
Gabor Steingart macht sich über die Globalisierung des Arbeitsmarkts Gedanken mit Schlussfolgerungen, die jeden, der hierzulande nicht gerade hochqualifizierte Arbeit erledigt, beunruhigen muss:
    "...Für Millionen von Arbeitnehmern des Westens hält die neue Zeit eine andere Lektion bereit, weshalb der Optimismus der frühen Jahre bei ihnen verflogen ist. Viele werden in den kommenden Jahren aufhören, Arbeitnehmer zu sein. Selbst dort, wo die westlichen Beschäftigten sich mutmaßlich halten können, reißt es ihre Löhne in die Tiefe, nicht in einem Rutsch, aber mit jedem Jahr ein bisschen.

    ... 90 Millionen Arbeiter aus Hongkong, Malaysia, Singapur, Japan und Taiwan schlossen sich in den 70er Jahren dem Wirtschaftssystem an, das bis dahin Westeuropäer, Kanadier und Amerikaner nahezu allein beschickt hatten. ...
    Wenig später schon baten die Chinesen um Einlass; nach dem Ableben der Sowjetunion folgten Osteuropäer und Inder, womit nun innerhalb einer Zeit, die historisch kaum mehr ist als ein Augenaufschlag, rund 1,2 Milliarden zusätzliche Menschen im erwerbsfähigen Alter ihre Arbeitskraft anbieten. Was für ein Verschiebung der Kräfteverhältnisse: Die 350 Millionen gut ausgebildeten, aber teuren Arbeitskräfte des Westens, die eben noch große Teile der Weltproduktion unter sich ausmachten, sind fast über Nacht in die Minderheit geraten.

    ...Ein Weltarbeitsmarkt ist entstanden, der sich täglich ausweitet und das Leben und Arbeiten von Milliarden Menschen spürbar verändert....
    ...
    Von den knapp drei Milliarden Menschen, die derzeit auf dem Weltarbeitsmarkt aktiv sind, verdient ungefähr die Hälfte weniger als drei Dollar pro Tag, was zweierlei bedeutet: Diese Menschen sind bettelarm, erstens, und sie drücken, zweitens, mit ihren Armutslöhnen auch die Löhne der anderen nach unten.
    ...
    Ausgerechnet das Kapital sorgt dafür, dass die alte linke Forderung nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit nun weltweit durchgesetzt wird. ..."
    (Quelle: spiegel online)
Keine angenehme Botschaft. Und es ist kaum zu erwarten, dass die Abermillionen Arbeitswilligen (die in dem Artikel nicht erwähnten Kontinente Afrika und Südamerika haben da auch noch ein paar Millionen in petto) das derzeitige Lohnniveau des Westens in Kürze erreichen werden. Also wird das Lohnniveau hierzulande sinken.

Ob sich "die Politik" eigentlich dazu Gedanken gemacht hat? Oder bleibt es bei der Konzentration auf "Gammelfleisch", "Gesundheitsreform" und "Mehrwertsteuererhöhung"?

Zu befürchten ist, dass den Regierungen im Westen dazu nichts Besseres einfällt als das Errichten von Zoll-Schutzmauern und/oder Subventionen. Schutzzölle verzögern die Problemlösung. Wie das Beispiel "Agrarmarkt" in der EU zeigt, ist das allerdings sehr teuer. (Die "Steinkohlesubventionierung" wäre ein anderes Beispiel für eine mißlungene Strukturpolitik). Und das Geld muss erst einmal verdient werden.

Varzil bezweifelt, dass die Menschen in der EU etwas aus der Vergangenheit gelernt haben. Wahrscheinlicher wird jeder seinen eigenen Wohlstand verteidigen, solang es irgend geht, und erst dann, wenn er verloren hat, nach der Solidarität der Gemeinschaft rufen. ...

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Samstag, 9. September 2006
9-11
Nein, auch wenn Fernsehen, Radio und Zeitungen überquellen von Erinnerungen an "Nine-Eleven":

Der Terroranschlag fand vor fünf Jahren am 11. September, also am 11.9. statt. Der 11. September ist erst übermorgen, das heißt: Montag, und nicht heute!
Nachtrag vom 11.9.:
Heute morgen in der Süddeutschen Zeitung steht dann auch nicht mehr als am Samstag drin. Da ist selbst der Papstbesuch in Bayern spannender.

Offenbar ist zum 11. September alles schon mehrfach gesagt.

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Freitag, 8. September 2006
Jahreszeiten
Sommer ist,
  • wenn man keine warme Jacke an der Garderobe hängen hat.
  • wenn man bei Sonnenschein die Straßenseite wechselt, um im Schatten zu gehen.
  • wenn man bei Sonnenschein Sonnenschutzcreme verwendet.
Herbst ist,
  • wenn man die warme Jacke aus dem Schrank/Keller holt und an die Garderobe hängt.
  • wenn man bei Sonnenschein die Straßenseite wechselt, um noch einmal in der Sonne gehen zu können.
  • wenn man bei Sonnenschein glaubt, auf Sonnencreme verzichten zu können, weil die Haut genug Gelegenheit hatte, sich auf Sonne einzustellen.
Frühling ist,
  • wenn man häufiger mal die warme Jacke unterwegs verflucht, weil sie zu warm ist.
  • wenn man bei Sonnenschein extra das Haus verlässt, um in der Sonne gehen zu können.
  • wenn man bei Sonnenschein auf Sonnenschutzcreme verzichtet, weil das bißchen Sonne ja doch nicht schaden wird.
Winter ist,
  • wenn die warmen Jacken an der Garderobe sich stapeln.
  • wenn man auch bei Sonnenschein lieber drinnen bleibt, weils draußen zu kalt ist.
  • wenn man die Sonnenschutzcreme nicht findet, weil man nicht mehr weiß, wo man sie verwahrt hat.
Danach ist jetzt einfach Herbst.

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