Donnerstag, 14. September 2006
Eva: Über die Rolle der Frau
Eigentlich will der Autor sich zu einem Buch, das er nicht gelesen hat und auch nicht lesen will, nicht äußern. So hat es die Buchkritik von Thomas Steinfeld in der Süddeutschen in sich. Sein Fazit:
    "... Das ist mindestens so eitel, anmaßend und selbstgefällig wie das permanente Eigenlob der mit dem Staatsfeminismus befassten offiziellen Heldinnen der Emanzipation. Und mindestens so ignorant. So ist leider das vorlaute Kind auch ein dummes Kind."
    (Quelle: Süddeutsche online vom 13.09.2006)
Danach hat man kein Interesse mehr an dem Buch.

Dafür hat der Autor gestern "Hart - aber fair" gesehen. Thema:
    Evas Sünde oder Emmas Ende -
    Eva Hermans Feldzug gegen die Emanzipation
    (Quelle: wdr.de)
Nach den Verrissen über das Buch von Frau Herman hatte der Autor eine weitere Blamage einer Blondine erwartet. Aber er sah sich angenehm enttäuscht.

Die Zusammenstellung der Diskussionsteilnehmer ist erstaunlich: alles Eltern mit mehreren Kindern, Herr Liminski hat sogar 10 Kinder, Frau Herman allerdings nur eins.

Frau Herman schlägt sich (wider Erwarten) wacker: angeblich hat sie in dem Buch nichts zum Thema "Frauen zurück an den Herd" gesagt. Ihr gehe es darum, dass Frauen in der gegenwärtigen Gesellschaft eine Alternative zu dem von männlichen Werten ("Beruf, Karriere, Wohlstand") bestimmten Frauenbild haben. Ihr Thema lautete "Nestwärme, emotionale Nähe, Geborgenheit" - und der Autor kann damit sympathisieren.

Wie so oft bei "Hart - aber fair": Es ist ein sehr munteres und interessantes Gespräch.

So lernt man auch den Familienminister von NRW ein bißchen kennen (wie hieß er doch gleich: ach ja Herr Laschet). Er diskutiert dialektisch gegen Frau Herman an - warum auch immer: er baut Gegenpositionen zu dem Buch auf und geht wenig auf das ein, was in der Gesprächsrunde tatsächlich diskutiert wird. Für Ohren, die in den 68er Jahren zu hören gelernt haben, klingen seine Thesen modern, für die Jugendlichen von heute vermutlich eher altbacken. Er verfestigt allerdings das Politikerbild eines Menschen, der eingeübte Positionen vertritt, aber im Gespräch nicht wirklich zuhört, sondern nur nach Impressionen sucht, um daran seine eigenen Statements festzumachen.

Herzerfrischend hingegen die Wortwechsel der übrigen Diskussionsteilnehmer: Zum Beispiel erwidert Frau Schreinemakers auf die Anspielung von Herrn Plasberg zum Scheitern ihrer Ehe zunächst mit dem Hinweis:
    "Soweit ich weiß, leben Sie doch auch in einer Patchwork-Familie."
Herr Plasberg nickt milde lächelnd - und schweigt dazu. Dann redet Frau Schreinemakers aber auch zum Thema "Vereinbarkeit von Beruf und Familie" und erklärt, dass ihre Ehe erst gescheitert sei, nachdem sie sich aus dem Beruf zurückgezogen habe. Soviel Offenheit wirkt authentisch - und das war die Sendung dann auch insgesamt.

Varzil ist davon beeindruckt, dass das Buch mit einer Auflage von 100.000 Stück schon jetzt ein wirtschaftlicher Erfolg ist - und allem Beteuerungen von Frau Herman zum Trotz: vermutlich verkauft sich das Buch deshalb so gut, weil zumindest in der öffentlichen Diskussion der Eindruck entsteht, als ob das Buch eine Rückkehr zu den 50er Jahren propagiert.
PS: Nachtrag vom 16.11.:
    "...Damit Sie das Buch nicht noch lesen müssen, habe ich es getan; alles, was Sie über das "Eva-Prinzip" wissen müssen, finden Sie hier. Meine Einschätzung gebe ich Ihnen gleich und kostenfrei vorweg, zum Zwecke der Niederschlagung aller Kaufgelüste und Klärung aller Doppeldeutigkeiten:

    Eva Hermans Buch Das Eva-Prinzip ist ein bemerkenswert dummes Buch voller logischer Inkonsistenzen, dessen Argumentation aus groben Vereinfachungen, Halb- bis Unwahrheiten und schlichten Verdrehungen besteht, es ist dort, wo überhaupt, nur schlecht recherchiert, ideologisch verblendet, von Verfolgungswahn geprägt und darüber hinaus und trotz all dieser Eigenschaften, und das ist schon ein besonderes Ergebnis, atemberaubend langweilig.
    ... [Detaillierte Kritik] ...
    Aber Grund zum Verzagen besteht natürlich auch nicht. Denn – diese billige Pointe zum Schluss sei mir gegönnt – Hermans Buch ist ein Triumph der Frauenbewegung. Endlich darf eine Frau, wie früher nur die Männer, gequirlte Dampfkacke daherschreiben, die dann nicht nur publiziert wird, sondern auch noch Ernst genommen und anschließend durch die Medienlandschaft gereicht wird, als hätten wir nichts Originelleres oder Bemerkenswerteres zu tun. Dieser Text hier ist nur ein weiterer Beweis dafür.

    So sieht Gleichberechtigung aus, und es hat ja nun wirklich niemand behauptet, dass die völlig schmerzfrei zu haben sei."
    (Quelle: Rochus Wolff in Querelles-net.de)

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Mittwoch, 13. September 2006
Kondensmilch: Produkt für die ROTEN LISTE
Vom Aussterben bedroht?
"Büchsenmilch", "Kondensmilch", "Kaffeemilch" oder "Bümi": braucht das heute noch jemand, der unter 65 ist?

Immerhin hat die Bärenmarke" einen eigenen Internetauftritt. (Bild links bei www.cojito.de).

Aber: welcher Haushalt hat eigentlich noch einen "Locher" für die Kondensmilch-Dose?

Zu den liebenswürdigen aber vom Aussterben bedrohten Gewohnheiten gehört sicherlich auch das Süßen des Kaffees mit Süßstoff, während man in Sahnetorten schwelgt. Heutzutage gibt man sich entweder die volle Dröhnung (Sahnetorte + Sahne und Zucker im Kaffee) oder aber man verzichtet in der Nähe von Kuchen sogar auf das Atmen.

Varzil hält Kondensmilch für ein typisches Nachkriegsprodukt (ist es aber nicht, s. Wikipedia zur Kondensmilch; es gibt sie schon seit dem 19. Jahrhundert), das mit der Kriegsgeneration aussterben wird.

Gibt es eigentlich schon eine Rote Liste der vom Aussterben bedrohten Produkte?

Post Scriptum:
Es gibt immerhin ein virtuelles Markenmuseum. Ein Anfang wider das Vergessen ist gemacht.

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Dienstag, 12. September 2006
Bildung die wievielte?
Das Sommerloch ist deutlich vorbei und das Wetter wird wieder schön.
    Einschub:
    Erstaunlich ist, dass sowohl während der WM als jetzt auch während des Papst-Besuchs Bilderbuch-Wetter war ... . Vielleicht hängt die vielbeklagte Bildungsmisere einfach damit zusammen, dass wir zuviel schönes Wetter haben.
"Bildung" ist wieder einmal für Schlagzeilen a la "Schlechte Noten für deutsches Bildungssystem" gut.

Ursache: Die OECD hat jetzt ihren Bericht zum Thema "Bildungsindikatoren 2006" vorgelegt - gelegentlich auch "Education at a glance" genannt:
    " ... Europa und die Vereinigten Staaten werden zunehmend von den ostasiatischen Ländern überflügelt.

    Vor zwei Generationen hatte Korea den Lebensstandard, den Afghanistan heute aufweist, und seine Leistungen im Bildungsbereich zählten mit zu den schwächsten. Heute besitzen 97% aller Koreaner der Altersgruppe 25-34 Jahre einen Abschluss der Sekundarstufe II, die höchste Quote unter den OECD-Ländern.

    Das Beispiel Koreas ist kein Einzelfall. Allein zwischen 1995 und 2004 hat sich die Zahl der Studierenden an Universitäten und Hochschulen in China und Malaysia mehr als verdoppelt, und in Thailand und Indien ist sie um 83% bzw. 51% gestiegen.
    ..."
    (Quelle: Bildung auf einen Blick: OECD-Indikatoren – Ausgabe 2006 -pdf-Datei S. 2)
Das passt fast nahtlos zu den Überlegungen zum "Wert der Arbeit.

Ob das bei irgendjemand Eindruck macht? Das Problem war hier in "Koriander" schon ein paar Mal thematisiert worden, das eindruckvollste Zitat sei hier wiederholt:
    Lehrerverbandschef Kraus hält die UN für "größenwahnsinnig", wenn sie glaube, so die vielfältige Bildungslandschaft erfassen zu können
    (Quelle und mehr bei Koriander vom 20.02.2006)
Varzil vermutet, dass die Lehrer da zwischen UN und OECD keinen großen Unterschied machen werden. Lehrer sind einfach genial und nicht mit statistischen Methoden zu begreifen.

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online-Kartenverkauf
Man sollte doch meinen, dass es den Kultur-Dienstleistern darum geht, möglichst viele Karten mit geringstmöglichem Aufwand zu verkaufen.

Eine Idee könnte ja sein, den Kunden die Karten online billiger anzubieten mit der Folge, dass man weniger Schlangen an den Kassen hat bzw. weniger Kassenpersonal braucht.

Aber weit gefehlt. Hier zwei beliebige Beispiele für die Bedingungen zum online-Kartenverkauf:
    " ...
    Die Bezahlung erfolgt mit Ihrer CineCard-Kundenkarte, oder wahlweise über unseren Partner T-Com mit Kreditkarte, Telefonrechnung, oder per Online-Überweisung.

    Zahlungen mit CineCard sind gebührenfrei. Den hierfür benötigten PIN erhalten Sie bei Ihrem nächsten Besuch an unserem InfoCounter! T-Com berechnet eine Service-Pauschale in Höhe von 0,50 Euro pro Ticket.

    Quelle: Kinopolis Bad Godesberg)
Also entweder extra bezahlen oder eine weitere Plastikkarte ins Portemonnaie. Da geht man doch lieber in ein Kino ohne solche Probleme.

Ein anderes Beispiel:

    regulärermäßigt
    Tageskarte12 EUR 7 EUR
    Karten im Vorverkauf
    (incl. Gebühren/Versand)
    14 EUR9 EUR
    ...
    Bei Zahlung mit Kreditkarte (VISA / MASTER) können Sie die Eintrittskarten direkt online buchen. Sie verlassen dazu den Server der Kunst- und Ausstellungshalle und wechseln zur GetATicket.com. Die Anzahl der zu erwerbenden Eintrittskarten ist auf 9 pro Person beschränkt.
    Bitte beachten Sie: Wegen Bearbeitungszeiten und der Dauer der postalischen Zustellung können die Eintrittskarten frühestens 10 Tage vor dem Besuchsdatum gebucht werden.
    (Quelle: Bundeskunst- und Ausstellungshalle)
Sieht tatsächlich so aus, als ob man noch dafür zahlen soll, dass die Kulturanbieter sich Kosten ersparen.

Varzil glaubt, dass die Bundeskunsthalle erst noch auf die Idee kommen muss, einen Eintrittkartenautomaten aufzustellen, um die Versandkosten zu sparen (Nebenbei: wer kauft schon gerne Karten 10 Tage im voraus?) - und die Kinoleute bzw. die T-Com wollen einfach eine weitere Einnahmequelle haben ...

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