Mittwoch, 20. September 2006
Wenn die Prüfer kommen
Prüfer sind in aller Regel einfach unbeliebt, sei es in Schule, Hochschule oder Ausbildung, sei es im RL ("richtigen Leben") wie z.B. Wirtschaftsprüfer, Rechnungsprüfer etc. .

Der Umgang mit einer Prüfungsituation ist auch immer wieder ähnlich. Die zu Prüfenden fragen ihre Umwelt: "Wie ist er denn?"

Aktuell lauten die Antworten auf die Frage "Was ist der denn für einer?":
  • Kollege A: "Arsch mit Ohren"
  • Kollege B: "Kotzbrocken"
  • Kollege C: "pomadiger Schnösel"
  • Kollege D: "freundlicher, glatter, umgänglicher Typ"
Und nach dem ersten eigenen Eindruck muss man sagen, A, B, C und D haben jeweils recht.

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Dienstag, 19. September 2006
Formal beleidigt?
Da klagt ein Unternehmen ("ich bin doch nicht blöd") und sein Anwalt (Herr Steinhöfel) gegen einen Blogeintrag.

Und wenn man den Eintrag liest, kann man das verstehen. Rainersacht hat da ganz ordentlich vom Leder gezogen. ...
    [S.]"... ist ganz offensichtlich ein zynisch-neokonservatives *********...."
    (Quelle: rainersacht)
Da braucht es nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, mit welchem Epitheton hier rainersacht den Mediamarkt-Anwalt ursprünglich geschmückt hat.

Nach einer Abmahnung hat rainersacht die beanstandeten Stellen unkenntlich gemacht.
    Einschub:
    Nebenbei: hat er das in dem Beispiel oben tatsächlich? Wieviele Worte passen denn da sinngemäß hin?Ist "ein zynisch-neokonservatives Maiglöckchen" eine auch nur denkbare Rekonstruktion?
Ansonsten hat der Blogger sich aber nur halbwegs kooperativ gezeigt. Nun findet er die ihm in Rechnung gestellten Anwaltskosten zu hoch. Darüber kann man sicher streiten und wer will, mag da spenden. (mehr zum Bloggersdorfer Echo von Hokey Lass euch ruhig verarschen).

Spannender ist jedoch die Frage, die hier gar nicht mehr gestellt ist: Ist das eigentlich eine Beleidigung? Ganz klar: Die Bezeichnung als "Arschloch" gilt gemeinhin als Formalbeleidigung. Man muss sich hierzulande nicht so bezeichnen lassen. Wie ist das allerdings mit einer formalen Beleidigung, wenn der so Betitelte sich in einem Stern-Interviewselbst so nennt? Gab es da früher nicht so etwas wie ein fehlendes Rechtsschutzinteresse? Oder konkreter: wenn ich mich selbst als "Dummkopf" bezeichne, kann ich dann trotzdem von anderen verlangen, dass sie mich nicht so nennen?

Irgendwo widert das Ganze einen an. Mediamarkt in seinen Anzeigen, Steinhöfel da in dem Sterninterview und Rainersacht in seinem Blog: alle pflegen eine Sprache vom Allerfeinsten und eine Denkweise, die sich nur minimal vom sprachlichen Niveau unterscheidet.

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Dummheit
Ist es eigene Dummheit, wenn man Freunde nicht (mehr) versteht?

Ist es die Dummheit der Freunde, wenn sie sich nicht verständlich machen können?

Oder wird man mit zunehmendem Alter einfach nur uneinsichtiger?

Varzil rät, im Zweifel von der eigenen Dummheit auszugehen. Dann kann man zumindest noch hoffen, durch Lernen etwas ändern zu können...

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Freitag, 15. September 2006
Über Allah, Gott und die Vernunft
Benedikt XVI. hat in Regensburg eine Vorlesung gehalten, die er auch ausdrücklich so nennt:
    "[unbestrittene These, dass es auch solch radikaler Skepsis gegenüber notwendig und vernünftig bleibt, mit der Vernunft nach Gott zu fragen] All dies ist mir wieder in den Sinn gekommen, als ich kürzlich den von Professor Theodore Khoury (Münster) herausgegebenen Teil des Dialogs las, den der gelehrte byzantinische Kaiser Manuel II. Palaeologos wohl 1391 im Winterlager zu Ankara mit einem gebildeten Perser über Christentum und Islam und beider Wahrheit führte.
Hier kann man sich schon mal fragen, warum liest der Papst aus einem 600 Jahre alten Dialog vor? Aber es ist immer interessant, gebildeten Leuten zuzuhören - lesen wir also weiter:
    In der von Professor Khoury herausgegebenen siebten Gesprächsrunde (Papst spricht griechisch ) kommt der Kaiser auf das Thema des Djihād (heiliger Krieg) zu sprechen. Der Kaiser wusste sicher, dass in Sure 2, 256 steht: Kein Zwang in Glaubenssachen – es ist eine der frühen Suren aus der Zeit, wie uns die Kenner sagen, in der Mohammed selbst noch machtlos und bedroht war. Aber der Kaiser kannte natürlich auch die im Koran niedergelegten – später entstandenen – Bestimmungen über den heiligen Krieg. Ohne sich auf Einzelheiten wie die unterschiedliche Behandlung von "Schriftbesitzern" und "Ungläubigen" einzulassen, wendet er sich in erstaunlich schroffer Form ganz einfach mit der zentralen Frage nach dem Verhältnis von Religion und Gewalt überhaupt an seinen Gesprächspartner. Er sagt: "Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten".
Dieser letzte Satz scheint der Satz zu sein, der die islamische Welt derzeit zu Protesten motiviert (wiedergegeben z. B. bei Netzeitung, Süddetusche.de, Kölner Stadtanzeiger). Man fragt sich nur, warum. Ist der Kaiser doch schon lange tot. Und: Es hat zu jener Zeit und auch noch später sicherlich deftigere Worte über Mohammed gegeben.

Andererseits: Warum Benedikt den Kaiser so zitiert, bleibt unklar. Das folgende macht genauso viel Sinn, wenn Benedikt das Kaiser-Zitat oben weggelassen hätte. Inhaltlich spannender sind die folgenden Überlegungen - und wenn die Moslems dagegen protestierten, wäre die Auseinandersetzung mit dem Protest für alle nützlicher.
    Der Kaiser begründet dann eingehend, warum Glaubensverbreitung durch Gewalt widersinnig ist. Sie steht im Widerspruch zum Wesen Gottes und zum Wesen der Seele. "Gott hat kein Gefallen am Blut, und nicht vernunftgemäß (Papst spricht griechisch ) zu handeln, ist dem Wesen Gottes zuwider. Der Glaube ist Frucht der Seele, nicht des Körpers. Wer also jemanden zum Glauben führen will, braucht die Fähigkeit zur guten Rede und ein rechtes Denken, nicht aber Gewalt und Drohung… Um eine vernünftige Seele zu überzeugen, braucht man nicht seinen Arm, nicht Schlagwerkzeuge noch sonst eines der Mittel, durch die man jemanden mit dem Tod bedrohen kann…".

    Der entscheidende Satz in dieser Argumentation gegen Bekehrung durch Gewalt lautet: Nicht vernunftgemäß handeln, ist dem Wesen Gottes zuwider. Der Herausgeber, Theodore Khoury, kommentiert dazu: Für den Kaiser als einen in griechischer Philosophie aufgewachsenen Byzantiner ist dieser Satz evident. Für die moslemische Lehre hingegen ist Gott absolut transzendent. Sein Wille ist an keine unserer Kategorien gebunden und sei es die der Vernünftigkeit. Khoury zitiert dazu eine Arbeit des bekannten französischen Islamologen R. Arnaldez, der darauf hinweist, dass Ibn Hazn so weit gehe zu erklären, dass Gott auch nicht durch sein eigenes Wort gehalten sei und dass nichts ihn dazu verpflichte, uns die Wahrheit zu offenbaren. Wenn er es wollte, müsse der Mensch auch Götzendienst treiben.

    (Quelle: Benedikt XVI. in der Regensburger Vorlesung vom 12.09.2006, online bei Bayerischer Rundfunk)
Wenn das Gottesbild des Islam von Benedikt XVI. als ein unvernünftig handeldner Gott Anlass für die Proteste wäre: Das wäre ein Anlass zur Hoffnung.

So bleibt es dabei:

Benedikt hat die (im Vergleich zu jener Zeit durchaus noch moderaten) Gedanken eines mittelalterlichen Kaisers zitiert. Mehr nicht.

Die eigentlich in der Vorlesung aufgeworfene Frage, ob es in Gottes Sinn sein kann, jemanden mit Gewalt zum Glauben zu bekehren, wird dabei von den Protestierenen nicht mehr wahrgenommen.

Dabei hat die christliche Kirche da mit ihren Kreuzzügen, mit der Christianisierung des Abendlandes, aber z. B. Südamerikas einige traurige Kapitel Weltgeschichte geschrieben. Es dürfte inzwischen weitgehend Konsens - auch in der Kirche - herrschen, dass das falsch war.

Der Islam ist (noch?) nicht soweit. Anstatt den Text zu Ende zu lesen, protestieren sie lieber beim ersten Stein des Anstoßes.

Varzil glaubt, dass die Protestierenden auch damit überfordert sind, einen so langen Text zu Ende zu lesen und ihn möglicherweise auch noch zu verstehen...

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