Freitag, 10. November 2006
Lilith: die paradiesischen Zustände
Gespräch beim Mittagessen:

These:
Adam hatte es mit den Zehn Geboten noch vergleichsweise leicht. Zum einen kamen sie erst später auf die Welt, zum anderen gab es nur eine Frau, Eva, sodass Adam die Norm "Du sollst nicht ehebrechen" gar nicht verletzen konnte, selbgst wenn er gewollt hätte.

Einwand: In einigen eher apokryphen Schriften gibt es Hinweise darauf, dass Eva gar nicht die erste und einzige Frau war. Adam hätte also genau die Probleme schon gehabt, die alle Adams nach ihm auch hatten:
    Jüdische Legenden um Lilith

    Auf hebräisch bedeutet der Name Lilith (לילית) die Nächtliche.

    Laut traditionellem Midrasch erschuf Gott Adam und Lilith aus dem selben Lehm, um Adam eine Partnerin zu schenken. Gott holte Lilith vor der ersten Nacht noch zu sich und sagte ihr, sie solle Adam untertan sein, was bedeute, dass sie beim Geschlechts­akt unten zu liegen habe. Dies wurde von Lilith nicht akzeptiert. Denn der Lehm, aus dem Lilith erschaf­fen worden war, war durch den Speichel des verstoßenen Samael verunreinigt worden.

    Lilith stritt sich mit Adam und verschwand dann aus dem Paradies in die Wüste. ... Adam beklagte sich bei Gott über seine Einsamkeit, welcher ihm dann Eva aus seiner Rippe erschuf. Die ursprüngliche Übersetzung war "Seite" statt "Rippe". Die Rippe ist im Gegensatz zur Seite ein verzichtbarer Teil, woraus in der ursprünglichen Version, doch eine Gleich­berech­tigung von Adam und Eva, sprich Mann und Frau, abgeleitet werden kann.

    Lilith aber blieb unsterblich, da sie nie die verbotene Frucht vom "Baum der Weisheit" aß und vereinigte sich in einer Schlucht nahe dem Paradies mit Dämonen, um Dämonenkinder, genannt Lilim, zu gebären. ..."
    (Quelle: Wikipedia zu Lilith; Bild rechts "Lilith" von John Collier)
Mehrere Dinge sind an dieser Legende interessant: Neben der göttlichen Empfehlung der Missionarsstellung ist auch der erste Zoff zwischen Mann und Frau bemerkenswert. Lilith geht aus dem Paradies in die Wüste. So richtig toll kann das Paradies für sie nicht gewesen sein - für Adam vermutlich dann aber auch nicht.

"Paradiese Zustände" in einem ganz neuen Licht.

... link (2 Kommentare)   ... comment ...bereits 623 x gelesen


Donnerstag, 9. November 2006
Kreisverkehr (2)
Schon vor mehr als einem Jahr hatte sich Koriander dem Kreisverkehr gewidmet.

Nun tut es auch der Bonner Generalanzeiger, offenbar weil der städtische Verkehrsplaner Helmut Haux sich an die Öffentlichkeit wandte:
    "...Haux nennt die Vorteile: höhere Verkehrssicherheit, flüssiger Verkehrsablauf und geringe Kosten: "Für uns Verkehrsplaner ist die Sicherheit das Wichtigste." In einen Kreisel fährt der Autofahrer langsam rein, es kommt bei Zusammenstößen meist nur zu kleinen Blechschäden. Bei Kreuzungen sind alle schneller, es kommt zu schwereren Verletzungen. Besonders häufig passiert es in Bonn, wenn Linksabbieger nicht auf den Gegenverkehr achten. "Das scheint typisch deutsch zu sein", sagt Haux.

    Kreisel sind unter dem Strich billiger als Ampeln. Eine neue mit aktueller Leuchtdioden-Technik kostet je nach Kreuzungsgröße zwischen 25 000 und 150 000 Euro. Jedes Jahr kommen nochmal 3 000 bis 10 000 Euro Wartungskosten hinzu. Ein Minikreisel wie demnächst an der Ecke Waldenburger Ring/ Oppelner Straße schlägt mit rund 60 000 Euro zu Buche. Für die Unterhaltung muss nur bei größeren Kreiseln gezahlt werden, wenn etwa eine Grünfläche in der Mitte gepflegt werden muss.
    (Quelle: Bonner Generalanzeiger)
Schön, dass sich diese Erkenntnis jetzt auch in Deutschland verbreitet hat.

Schade nur, dass es so lang gedauert hat - denn diese Argumente sind doch eigentlich zeitlos... Manchmal verhilft die Knappheit der Kassen ja doch zu ungeahnten Einsichten.

... link (1 Kommentar)   ... comment ...bereits 704 x gelesen


Mittwoch, 8. November 2006
St. Martin an Allerseelen
Und dann war da noch die Pfarrgemeinde, deren Sekretärin sich zu spät um die Terminierung eines Martinszugs gekümmert hatte.

Also mussten die Tannenbüscher dieses Jahr an Allerseelen (am 2. November!) hinter dem Pferd herlaufen. Sagt man jedenfalls und so stehts auch im Veranstaltungskalender der Stadt Bonn.

St. Martin an Allerseelen zu gedenken ist nicht gerade der Hit, schon thematisch nicht:
    "Allerseelen ...(lat: In Commemoratione Omnium Fidelium Defunctorum) (2. November) ist im Festjahr der römisch-katholischen Kirche der Tag, der dazu gedacht ist, durch Gebet, Almosen und Fürbitte die Leiden der Armen Seelen (der Verstorbenen im Fegefeuer) zu erleichtern, und der heute auch zum Gedächtnis der Verstorbenen dient. ...
    (Quelle: Wikipedia zu Allerseelen)
Ob da irgend jemand in der Kirche noch weiß, was man da vor allem den St.-Martin-begeisterten Kindern antut, wenn die (ohnehin weithin unbekannten) Gedenktage durcheinander geworfen werden?

Wenn man schon die Gedenktage vermischt, sollte den Martinszug in den Spätsommer verlegen. Dem Autor ist beispielsweise aus früher Jugendzeit das Lambertusfest in Münster in guter Erinnerung.
    "...Früher war das Lambertusfest in Münster ein großes Volksfest; bereits zwei Wochen vor dem Abend des 17. September beginnen noch heute die Kinder, "Lambertus-Pyramiden" zu bauen, diese mit Zweigen, Laternen und Lampions zu schmücken und zu umtanzen und dazu viele traditionelle Lieder zu singen. Höhe- und Schlusspunkt ist dann der letzte Abend am 17. September. Die meisten münsterschen Pfarrgemeinden feiern dann dieses Fest...
    (Quelle: Heiligenlexikon.de)
Warum man den Umzug besser im September machen sollte? Jeder, der da im November
  • hinter 80 aufgeregten Kindergartenkindern und doppelt so vielen Grundschulkindern,
  • einer erbärmlich blasenden Schützenvereinskapelle sowie
  • hinter etlichen anderen Eltern einen Kinderwagen vor sich hergeschoben hat,
  • die 25. Strophe von "St. Martin zog durch Schnee und Wind" in den Regen gebrummt hat (man will ja Vorbild sein),
  • die immer wieder erlöschende Kerze in der Laterne zum x-ten Mal mit der Flammenwerfer-Funktion des Feuerzeugs wieder zum Leuchten gebracht hat und im Jahr darauf an einem Kurzschluss der elektrischen Laterne verzweifelte,
  • der später nach dem Martinsfeuer seine enttäuschten Kindergartenkinder trösten musste, weil die obercoolen Viertklässler schon alle Martinswecken abgestaubt hatten und
  • dann verzweifelt nach einem noch offenen Bäcker gefandet hat, um für Ersatz zu sorgen,
wird wissen, was der Autor meint.

OK, all diese Umstände werden durch eine Verlegung nicht besser. Aber wenigstens ist es im September nicht so kalt und nass wie an St. Martin.

... link (4 Kommentare)   ... comment ...bereits 762 x gelesen