Mittwoch, 15. November 2006
IT-Messe einmal anders
    OpenSource-ler, kommst Du nach Kölle,
    melde dorten,
    Du habest uns stehen gesehen,
    wie das Messe-Gesetz es befiehlt.
Auf der LinuxWorld heute in Köln: Schon der Hinweg ist spannend. Die Bahn hat - schon in Bonn - die bahn­typischen 5 Minuten Ver­spätung. Wie am Montag u.a. in der Süddeutschen zu lesen war, wertet die Bahn eine Ver­spätung von 5 Minuten aber nicht als Ver­spätung.
    "...Ein Zug gilt als verspätet, wenn die angegebenen Ankunfts- oder Abfahrtszeiten um mehr als fünf Minuten verfehlt werden....
    (Quelle: Süddeutsche online)
Der Bahnhof Köln-Deutz liegt direkt neben der Messe. Allerdings wird die Kölner Messe wird zur Zeit umgebaut. Richtiger Eingang für die LinuxWorld wäre der Eingang "Ost" gewesen; entsprechende Hin­weis­schilder - es soll sie tatsächlich geben - waren aber nicht wahrnehmbar.

Der Autor wendet sich also - schließlich ist man man ja König Kunde - dem hochmodernen spiegelglanzpolierten Haupteingang zu. Ein Foyer, sicher 20 Meter mal 50 Meter groß und riesig hoch, mit mehr als 30 Kassen, Infopoint und allem modernen Hochglanz-Schnickschnack, aber buchstäblich menschenleer. Kein Mensch zu sehen. Nirgends.

Man geht also einfach weiter und kommt nach wenigen Schritten hinter dem Foyer in einen Baustellenbereich, sodann in eine gespenstisch leere Messehalle. Leere Messehallen sind riesig. Hier gähnt es schon wieder vor Menschenleere.

Daher wendet man sich mehr oder weniger intuitiv nach rechts Richtung Halle 11 und steht dann in Halle 11.1 vor den Resten einer Messe - grobe Holz­trenn­wände, Müllsäcke, Dreck. Vielleicht von der www.modellbahn-koeln.de - dort gab es das 4. Kölner "Echtdampf-Treffen", oder ist die Linux­World schon vorbei und man hatte sich nur das falsche Datum gemerkt? Nichts dergleichen. Die Halle 11 ist dreistockig, irgendwo in der Halle ist Betrieb, offenkundig in Halle 11.2, wie der forschende Besucher nach einem Aufstieg im Treppenhaus merkt.
    Merke:
    Rolltreppen funktionieren nur dort, wo auch tatsächlich eine Messe stattfindet
Im Obergeschoss (11.2) begrüßt einen wieder gähnende Leere! Aber hinter 5 Meter hohen geschlossenen Metalltoren hört man Messe-typisches Gemurmel. Also gilt es nur noch, einen Durchbruch in der mit den Metalltoren abgetrennten Halle zu finden. Das Notausgangssystem bietet dazu genug Gelegenheit.
    So kann man sich auch dann den Eintritt sparen, wenn man nicht bereits eine Gästekarte von einer teilnehmenden Firma bekommen hat.
Und dann: viel Licht, viele Männer, einige (wenige) meist junge Frauen. Viel Prospekte, Bildschirme, Projektoren. Enge Gänge. Kleine Stände.

Gut, dass der Andrang sich in überschaubaren Grenzen hält. Die Relation von Ausstellern und Besuchern ist aber genau richtig:
  • Man kann einen Stand betreten und findet die meisten Aussteller-Vertreter im Gespräch, kriegt aber schnell einen Ansprechpartner.
  • Ein Rundgang ist schnell gemacht. Innerhalb von ca. 20 Minuten hat man einen Eindruck gewonnen, wer alles "da" ist.
  • Kaffee und Plätzchen gibt's auch.
  • Liebenswert der Stand von "OpenOffice.org e.V.": alles "Ehrenamtliche", keine Schlips- und Kostümträger, sondern: Man trägt vorwiegend das nihilistische Intellektuellen-Schwarz. Auch eine hauptberufliche Hausfrau ist dabei. Wie kommt die wohl an eine "Vertretung" für zuhause?
  • Ansonsten: allenthalben viel Begeisterung für das eigene Produkt, verbunden mit offenen oder versteckten Seitenhieben auf die "microsoft-hörige" Konkurrenz.
  • Völlig neu für den CeBIT-geschädigten IT-ler ist die Erfahrung, dass man nach 3 Stunden so ungefähr das Spektrum der in Betracht kommenden Fragen gestellt hat, mehr oder weniger zufriedenstellende Antworten erhalten hat, und dann sich wieder auf den Heimweg machen kann.
Einziges Manko: Es gibt wegen der Heimreise schon gegen Mittag keine Erfahrungen zu den eventuell nach Messeschluss abends noch zu verköstigenden Bier-Sorten...

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Dienstag, 14. November 2006
Exklusive Briefwahl
Dank Finger:ZEIG.net auf eine Geschichte aus dem Lande der unbegrenzten Möglichkeiten gestoßen:
    "Fort Lauderdale - Die "Invert Jenny" (Bild links) fiel einem Behördenvertreter auf, der in seiner Jugend begeisterter Briefmarkensammler war....

    Auf einem Umschlag seien ihm mehrere Briefmarken ins Auge gestochen, von denen mindestens eine aus dem Jahr 1936 stammte, sagte der Verwaltungsbeamte John Rodstrom der Zeitung "Miami Herald". Auf einer weiteren war ein Flugzeug aus dem ersten Weltkrieg verkehrt herum aufgedruckt - das bekannte Motiv der "Invert Jenny".

    ...Sie ... ist Kennern bis zu 200.000 Dollar wert. Doch zu diesen zählte der Briefwähler, der seinen Stimmzettel mit der über 80 Jahre alten Briefmarke frankierte, offensichtlich nicht. Jetzt ist "Jenny" erstmal für 22 Monate weggeschlossen. ..."
    (Quelle: Spiegel online)
Genaues weiß natürlich die Wikipedia:
    Die Inverted Jenny, manchesmal auch Jenny Invert, ist der Name eines berühmten Fehldruckes einer US-amerikanischen Briefmarke aus dem Jahr 1918.
    ...
    Der Fehldruck unterscheidet sich von der Originalmarke darin, dass das Flugzeug, eine Curtiss Jenny, im Zentrum des Briefmarkenmotives verkehrt herum gedruckt wurde. Dies war möglich, da die Briefmarke in zwei verschiedenen Farben und Druckgängen hergestellt wurde. Das Flugzeug wurde in blauer, der Rand in roter Farbe gedruckt. Dieser Fehldruck zählt zu den größten Raritäten der Philatelie. Es sind nur 100 Exemplare dieser Briefmarke bekannt. Ihr Wert liegt um die 120 000 €.
    (Quelle: Wikipedia zu Inverted Jenny)
Für alle Freunde "postfrischer" Briefmarken bedauerlich ist der Wertverlust der Briefmarke durch das Abstempeln. Otto Normalverbraucher wundert sich eher darüber, dass die US-Post den Brief mit einer Marke aus 1918 überhaupt noch befördert und nicht etwa Nachporto verlangt hat.

80 Jahre alte Deutsche Briefmarken würde die deutsche Post ziemlich sicher nicht akzeptieren, und das nicht nur, weil die Marken jener Zeit oft genug einen Reichspräsidenten (später auch mit Hakenkreuz) zeigten.

Mindestens so erstaunlich ist, dass die Wahlbriefe - nicht etwa die Stimmzettel - 22 (zweiundzwanzig) Monate aufbewahrt werden. Wozu eigentlich?

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Montag, 13. November 2006
Elementarfähigkeiten und Fertiggerichte
Immer wieder wird beklagt, dass die Menschen (die Europäer, die Franzosen, die Deutschen, und die Amis erst ...) immer weniger selber kochen und immer häufiger zu Fertiggerichten greifen.

Der Grund für die Klage:
Die Menschen verlieren sogenannte "Elementar­fähigkeiten" wie das Selbst-Zubereiten einer eigenen Mahlzeit.

Der Grund für das beklagte Verhalten:
Es geht schneller und es schmeckt. Denn Fertiggerichte schmecken heute deutlich besser als vor 20 oder 30 Jahren.
    Exkurs:
    Beim Selber-Kochen erfordern viele Rezepte neben zum Teil exotischen Zutaten, deren Einkauf allein schon eine Exkursion durch mehrere Feinkostgeschäfte erfordert, einfach erstaunlich viel Zubereitungszeit, wie z.B. das Marinieren eines Bratens wenigstens 24 Stunden, besser 48 Stunden vorher. Da ist der Griff zum fertig eingelegten Sauerbraten beispielsweise deutlich einfacher
Solche Mahlzeiten machen sicher Freude, aber sie sind die Ausnahme. Für ein normales Essen am Wochenende für ein bis zwei Personen überlegt man doch nicht schon Mittwoch oder Donnerstag, was man essen will.

Im Gegenteil: Man hat spontan Hunger schiebt die Tiefkühlpizza in den Ofen und öffnet einen Rotwein. Und die Pizza schmeckt dann sogar, vorausgesetzt, man beherrscht die modernen "Elementar­fähigkeiten": Man muss lesen können, um herauszufinden, wie lange die TK-Pizza im Backofen bleiben muss, man muss wissen, wie man den Backofen bedient ("Umluft" oder "normale Ober- und Unterhitze"), und wie man die Verpackungen auf die Mülleimer ("gelbe Tonne", "Altpapier") verteilt.

Und kaum ein Mensch vermisst den Verlust um die Fähigkeit, ein eigenes Feuer mittels Feuerstein, Zunder und Kleinholz zu entfachen, nur weil er z. B. abends vor dem Fern­sehen was Warmes essen will.

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