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Freitag, 5. Januar 2007
Über die Seuche und die Hinrichtung
varzil, 13:30h
Saddam Hussein ist hingerichtet worden. So und ähnlich stand es in der Süddeutschen und diversen anderen Medien. Varzil verkneift sich die Empörung über die Todesstrafe und meidet einige Tage die "Seuche Internet" (Kornelius hatte sich in der Süddeutschen vom 3.1.2007 darüber empört, dass man sich die mit einem Handy gefilmte Hinrichtung in der "Seuche Internet" ansehen kann.)
Stefan Niggemeier hat gegen den Begriff "Seuche Internet" polemisiert, Stefan Kornelius hat zurückgepoltert. Stefan ./. Stefan sozusagen.
Auf den Haken bei der Sache macht Indiskretion Ehrensache aufmerksam:
Wie handfest "Iraq's national security adviser" gelogen hat, ist nur durch die "Seuche Internet" bekannt geworden. Und genau dazu ist das Internet da: nämlich um Phänomene (besser) bekannt zu machen. Zumal dann, wenn TV und Zeitungen nicht so genau hinsehen wollen.
Natürlich ist die Zurschaustellung der Hinrichtung Sadam Husseins abgeschmackt und barbarisch. Das Widerliche liegt aber nicht "am Internet"und auch nicht an den alten Medien. (Auch BILD brachte auf der Titelseite das Foto von Saddam mit dem Strick um den Hals.)
Grundsätzlich ist es ok, dass das Hinrichten eines Menschen durch den Staat, und sei es aufgrund eines ordentlichen Urteils, auf Empörung stößt. Auch ist es ok, dass manche (Gott sei Dank nicht die Mehrheit) Menschen zwar grundsätzlich die Todesstrafe ablehnen, aber in besonders schweren Fällen denn dann vielleicht doch nicht so direkt.
Und erst recht ist es grundsätzlich zu begrüßen, dass eine breite Mehrheit die Öffentlichkeit bei Hinrichtungen ausgeschlossen sehen will und gegen Filme über Hinrichtungen protestiert.
Wie gesagt: Wenn man trotzdem die Veröffentlichung des Hinrichtungsvideos im Internet begrüßen muss, dann deshalb, weil sonst die erbärmlichen Umstände der Hinrichtung nicht bekannt geworden wären.
Stefan Niggemeier hat gegen den Begriff "Seuche Internet" polemisiert, Stefan Kornelius hat zurückgepoltert. Stefan ./. Stefan sozusagen.
Auf den Haken bei der Sache macht Indiskretion Ehrensache aufmerksam:
- "...Die Debatte und Berichterstattung um das Hinrichtungsvideo von Saddam Hussein demonstriert in erschreckender Weise, wie manche Berufskollegen verlernt haben, zwischen Ursache und Wirkung zu unterscheiden...."
(Quelle: Indiskretion Ehrensache)
| Die offizielle und in den Zeitungen gemeldete Darstellung über die Hinrichtung am 30.12.2006 lautet so: | Die Meldungen links erinnern vor dem Hintergrund der jetzt bekannt gewordenen Filmchen über die Hinrichtung stark an den ehemaligen Informationsminister Mohammed Saïd al-Sahhaf (alias Comical Ali). Denn nach der Veröffentlichung des Handy-Videos liest sich der Hergang der Hinrichtung ganz anders: |
Die Hinrichtung habe internationalem, irakischem und muslimischem Recht entsprochen, sagte Al-Rubai. «Von A bis Z» sei alles gefilmt und auf Fotos festgehalten worden. Bislang sei jedoch noch keine Entscheidung gefallen, ob die Aufnahme der Öffentlichkeit gezeigt werden sollen. Er widersprach damit Berichten des irakischen Fernsehens, das die Ausstrahlung der Aufnahmen angekündigt hatte. ..." (Quelle: Netzeitung vom 20.12.2006)
"He was respected throughout, when he was alive and when he became a body, before and after the execution," Mr Rubaie told Sky News and Fox News. "We followed methodically the international standards and Islamic standards ... every 't' was crossed and every 'i' was dotted." ... (Quelle: The Guardian) |
Zwei maskierte Henker legen Saddam den Strick um den Hals. SADDAM: "O Gott!" MEHRERE PERSONEN, die nicht zu erkennen sind, beginnen laut zu beten: "Gott segne all jene, die für Mohammed und seine Nachfahren beten. Friede sei auf Mohammed und seinen Anhängern. Möge die Ankunft des Mahdi beschleunigt werden und mögen seine Feinde verflucht sein!" EIN MANN ruft: "Muktada! Muktada! Muktada" Gemeint ist damit der Schiitenführer Muktada al-Sadr. SADDAM tut, als sei er überrascht: "Muktada? Zeigt ihr so euren Mut als Männer?" EIN MANN: "Zur Hölle!" SADDAM: "Ist das der Mut der Araber?" EIN MANN: "Zur Hölle!" SADDAM: "Die Hölle, die der Irak ist?" EIN ANDERER MANN, möglicherweise Munkith al-Farun, der Staatsanwalt: "Bitte, dieser Mann wird exekutiert. Ich bitte Euch!" EIN ANDERER MANN: "Lang lebe Mohammed Bakir al-Sadr!" Damit ist ein Verwandter Muktadas gemeint, der als Großayatollah ein wichtiger Führer der irakischen Schiiten war, bis er 1980 von Schergen Saddams ermordet wurde. SADDAM spricht das Glaubensbekenntnis: "Ich bekenne, es gibt keinen Gott außer Gott und Mohammed ist der Gesandte Gottes. Ich bekenne, es gibt keinen Gott außer Gott und Mohammed ist der Gesandte ..." - Das letzte Wort "Allah" kann er nicht mehr aussprechen, denn die Henker haben die Falltür geöffnet und der Körper fällt in die Tiefe. EIN MANN: "Der Tyrann ist gefallen! Möge Gott ihn verfluchen!" MEHRERE MÄNNER: "Gepriesen sei Mohammed!" EIN ANDERER MANN: "Lasst ihn für drei Minuten hängen!" EIN DRITTER MANN: "Nein, nein, tretet zurück. Lasst ihn acht Minuten hängen. Nehmt ihn noch nicht herunter." EIN MANN will für den Toten beten. Daraufhin wird er angeschrieen: "Was, für den willst du beten?" ... (Quelle: Spiegel online) |
Wie handfest "Iraq's national security adviser" gelogen hat, ist nur durch die "Seuche Internet" bekannt geworden. Und genau dazu ist das Internet da: nämlich um Phänomene (besser) bekannt zu machen. Zumal dann, wenn TV und Zeitungen nicht so genau hinsehen wollen.
Natürlich ist die Zurschaustellung der Hinrichtung Sadam Husseins abgeschmackt und barbarisch. Das Widerliche liegt aber nicht "am Internet"und auch nicht an den alten Medien. (Auch BILD brachte auf der Titelseite das Foto von Saddam mit dem Strick um den Hals.)
Grundsätzlich ist es ok, dass das Hinrichten eines Menschen durch den Staat, und sei es aufgrund eines ordentlichen Urteils, auf Empörung stößt. Auch ist es ok, dass manche (Gott sei Dank nicht die Mehrheit) Menschen zwar grundsätzlich die Todesstrafe ablehnen, aber in besonders schweren Fällen denn dann vielleicht doch nicht so direkt.
Und erst recht ist es grundsätzlich zu begrüßen, dass eine breite Mehrheit die Öffentlichkeit bei Hinrichtungen ausgeschlossen sehen will und gegen Filme über Hinrichtungen protestiert.
Wie gesagt: Wenn man trotzdem die Veröffentlichung des Hinrichtungsvideos im Internet begrüßen muss, dann deshalb, weil sonst die erbärmlichen Umstände der Hinrichtung nicht bekannt geworden wären.
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Mittwoch, 3. Januar 2007
Gravierend kundenunfreundlich
varzil, 13:24h
Vor ca. 10 Monaten hatte die Fa. Gravis einen guten Eindruck gemacht, als sie dem Autor zu Erkenntnissen im Bereich "MP3-Player" verhalf.
Wenn man mehrere Töchter hat, wiederholen sich Situationen. Konkret: der Autor hat einen weiteren iPod Nano gekauft.
Diesmal allerdings nicht bei Gravis. Denn Gravis hatte in der Bonner Filiale weder vor Weihnachten noch jetzt nach Neujahr einen iPod in der fraglichen Größe. Allerdings hat Gravis ein funktionierendes Warenwirtschaftssystem. So kann man auf der Webseite sehen, ob eine benachbarte Filiale noch die gewünschte Ware hat. Eine sehr sinnvolle Sache, zumal man gestern erkennen konnte, dass die Kölner Filiale den 2 GB iPod nano noch hatte.
Allerdings hatte Gravis gestern auch überall Inventur. Ein Anruf bei der Telefonnummer in Köln wird nach Berlin weitergeleitet. Dort versichert man, dass die Filialen zwischen 17 und 18 Uhr wieder geöffnet sein werden.
Also fährt man nach Köln (ca. 25 km). Auch die Frage, an welcher Straßenbahnhaltestelle man aussteigen muss, um auf der mehrere Kilometer langen Luxemburger Straße die Hausnummer 181 zu finden, lässt sich selbst im Dämmerlicht eines späten Januar-Nachmittags noch beantworten.
Allerdings ist die Filiale um 17 Uhr zu und um 18 Uhr auch noch. Und man weiß auch nicht, wann man wieder öffnen wird. So weit, so schlecht.
Richtig schlecht wird einem aber, wenn man dann mit anderen Kunden draußen vor der Tür sich unterhält. Da steht ein Kunde aus dem Bergischen Land mit einem Rechner unter dem Arm, dem die Kölner einen Termin für die Reparatur am 2.1. (dem Tag der Inventur) zugesagt hatten. Eine andere Kundin hat einen Drucker unter dem Arm, den sie nach telefonischer Vereinbarung am Dienstag Nachmittag vorbeibringen sollte...
Der Autor jedenfalls fährt zum "Geiz ist geil"-Saturn-HansaPhoto-wieauchimmer-Shop. Eigentlich wegen der guten alten Zeit, als Saturn noch DER Plattenhändler mit den vielen billigen Schallplatten war, sicherlich nicht wegen des saudummen "Geiz ist geil"-Slogans.
Dort gibt es den gewünschten iPod, und es gibt gratis noch dazu das Netzladeteil. Und die Mehrwertsteuererhöhung ist auch noch nicht umgesetzt.
Und auch wenn der Autor sich nicht als geizig empfindet: das war dann doch ein ziemlich gutes Gefühl.
Nur ein Hinweis noch für den Fachhandel: Kundenfreundlichkeit geht anders.
Wenn man mehrere Töchter hat, wiederholen sich Situationen. Konkret: der Autor hat einen weiteren iPod Nano gekauft.
Diesmal allerdings nicht bei Gravis. Denn Gravis hatte in der Bonner Filiale weder vor Weihnachten noch jetzt nach Neujahr einen iPod in der fraglichen Größe. Allerdings hat Gravis ein funktionierendes Warenwirtschaftssystem. So kann man auf der Webseite sehen, ob eine benachbarte Filiale noch die gewünschte Ware hat. Eine sehr sinnvolle Sache, zumal man gestern erkennen konnte, dass die Kölner Filiale den 2 GB iPod nano noch hatte.
Allerdings hatte Gravis gestern auch überall Inventur. Ein Anruf bei der Telefonnummer in Köln wird nach Berlin weitergeleitet. Dort versichert man, dass die Filialen zwischen 17 und 18 Uhr wieder geöffnet sein werden.
Also fährt man nach Köln (ca. 25 km). Auch die Frage, an welcher Straßenbahnhaltestelle man aussteigen muss, um auf der mehrere Kilometer langen Luxemburger Straße die Hausnummer 181 zu finden, lässt sich selbst im Dämmerlicht eines späten Januar-Nachmittags noch beantworten.
Allerdings ist die Filiale um 17 Uhr zu und um 18 Uhr auch noch. Und man weiß auch nicht, wann man wieder öffnen wird. So weit, so schlecht.
Richtig schlecht wird einem aber, wenn man dann mit anderen Kunden draußen vor der Tür sich unterhält. Da steht ein Kunde aus dem Bergischen Land mit einem Rechner unter dem Arm, dem die Kölner einen Termin für die Reparatur am 2.1. (dem Tag der Inventur) zugesagt hatten. Eine andere Kundin hat einen Drucker unter dem Arm, den sie nach telefonischer Vereinbarung am Dienstag Nachmittag vorbeibringen sollte...
Der Autor jedenfalls fährt zum "Geiz ist geil"-Saturn-HansaPhoto-wieauchimmer-Shop. Eigentlich wegen der guten alten Zeit, als Saturn noch DER Plattenhändler mit den vielen billigen Schallplatten war, sicherlich nicht wegen des saudummen "Geiz ist geil"-Slogans.
Dort gibt es den gewünschten iPod, und es gibt gratis noch dazu das Netzladeteil. Und die Mehrwertsteuererhöhung ist auch noch nicht umgesetzt.
Und auch wenn der Autor sich nicht als geizig empfindet: das war dann doch ein ziemlich gutes Gefühl.
Nur ein Hinweis noch für den Fachhandel: Kundenfreundlichkeit geht anders.
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Dienstag, 2. Januar 2007
Bakterienzensus
varzil, 12:42h
Da gibt es doch immer wieder Menschen, die meinen, dass man in dieser unserer Welt so ziemlich alles schon erforscht habe.
Aber kaum guckt man mal genauer hin, eröffnen sich neue Welten. Konkret haben Forscher sich mit einer neuartigen Messmethode den Bakterien in der Luft zugewandt. Und - surprise - es gibt da viel mehr Bakterienarten, als man bislang kannte.
Aber kaum guckt man mal genauer hin, eröffnen sich neue Welten. Konkret haben Forscher sich mit einer neuartigen Messmethode den Bakterien in der Luft zugewandt. Und - surprise - es gibt da viel mehr Bakterienarten, als man bislang kannte.
- "... Ein kleiner Chip soll künftig Alarm schlagen, wenn Terroristen Biowaffen gegen die Bevölkerung einsetzen. Das Gerät misst die Zahl der Bakterien in der Luft - und hat nebenbei erstmals die Artenvielfalt der schwebenden Mikroben aufgedeckt.
Über 20.000 verschiedene Arten von Mikroorganismen leben in einem Liter Meerwasser, knapp 2000 verschiedene Bakterien haben Wissenschaftler in einzelnen Bodenproben gefunden.
Und wie viele unterschiedliche Arten schwirren in der Luft herum? Bis zu 1800 Arten wollen US-Forscher gezählt haben. Das ist offensichtlich die erste konkrete Zahl. Denn ein Vergleichswert, eine Schätzung fehlt bislang - auch, weil die Methode, mit der die Ökologen auf diese Zahl gekommen sind, neu ist.
Bisher haben Forscher Luftproben gesammelt und gaben diese auf eine Kulturschale - rote, grüne, gelbe, weiße und graue Flecken oder Streifen blühten daraufhin auf: So kann man verschiedene Bakterienarten voneinander unterscheiden und zählen.
Allerdings: Viele Bakterien aus der Luft können auf dem Nährboden oder in der Nährlösung gar nicht leben, also auch nicht wachsen und erkannt werden. 99 Prozent der Luftbakterien würden in dem Experiment übersehen, sagt Gary Andersen vom Lawrence Berkeley National Laboratory. ...
Also ließ Ökologe Anderson einen Kollegen, den Ingenieur Todd DeSantis, ein System entwickeln, mit dem Luftproben ohne Petrischale ausgewertet werden können: den PhyloChip. Der Biochip erkennt in der Luftprobe ein Gen, das die Bauanleitung für die Nukleinsäure 16s-RNA enthält. Diese kommt in jedem Bakterium vor, wobei jede Mikrobenart eine eigene Genvariante dafür hat - das Unterscheidungsmerkmal schlechthin.
Bis zu 9000 Formen kann PhyloChip nach Angaben der Forscher voneinander unterscheiden. Bei ihrer Bakterienzählung fanden die Wissenschaftler 1500 bis 1800 [Arten]...."
(Quelle: Spiegel online)
- "Πόλεμος πάντων μὲν πατήρ ἐστί,..."
[Der Krieg/Streit ist also der Vater von allen (Dingen)...]
(Quelle: Heraklit, zitiert bei Wikipedia.org)
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