Mittwoch, 13. Februar 2008
Brockhaus Enzyklopädie
Da geht eine Ära wohl zu Ende:
Ab dem 15. April wird der Mannheimer Verlag seine traditionsreiche "Brockhaus Enzyklopädie" mit mehr als 300.000 Stichwörtern online kostenlos anbieten und dort über Werbung finanzieren. ...
"Die 21. Auflage der Enzyklopädie war voraussichtlich die letzte - ab jetzt findet alles online statt", sagte ein Sprecher.

"Wir dachten, wir könnten in der Printwelt noch einmal richtig glänzen. Doch wir mussten einsehen, dass die Leute im Internet suchen", sagte Verlagschef Ulrich Granseyer, dessen Firma das Standardwerk seit mehr als 200 Jahren herausgibt. ...

Mit seiner Flucht ins Internet zieht Brockhaus die Konsequenz aus dem enttäuschenden Verkauf der aktuellen Ausgabe, die seit 2006 auf dem Markt ist. Das Ziel von 20.000 Exemplaren gilt inzwischen als unerreichbar; der Verlag wird 2007 mit einem Verlust abschließen. Das neue Onlineangebot wird aus Leipzig gesteuert. Brockhaus werde es schwer haben, eine für Werbende interessante Reichweite zu erzielen, weil es bereits starke Konkurrenz gebe, sagte Andreas Bahr, Partner der Mediaagentur Mediaplus...
(Quelle: Financial Times Deutschland und andere)
Da geht etwas zu Ende. DER Brockhaus: Das war zu Schulzeiten wie an der Uni eigentlich die erste Nachschlagquelle, wenn man von etwas überhaupt keine Ahnung hatte. Und auch heute greift der Autor gern zum Brockhaus, wenn es mal was komplizierter ist.

Um die Hauptstadt von Buthan ("Timphu") zu ermitteln, genügt die Wikipedia allemal, wenn gerade ein Rechner zur Hand und online ist. Wenn es aber um komplexere Fragen geht (zuletzt "Menschheitsentwicklung" - Gehirnvolumen von homo neanderthalensis), dann liest man die Hintergründe doch lieber auf Papier in einem "guten" Buch als am Bildschirm.

Und die 21. Auflage ist rundum gut gelungen: Format, Papier, Druck, Layout: da bleiben eigentlich kaum Wünsche offen.

Sie steht friedlich neben der rund 100 Jahre älteren 14. Auflage. Letztere gibt hervorragend Auskunft über die Bildungschwerpunkte des 19. Jahrhunderts - wenn man z.B. mal mehr über die Schlacht von Sedan wissen will.

Schon schade, dass die Kinder und Enkel diese qualitativ hochwertige Enzyklopädie nur noch als antiquarischen Gegenstand und Wert kennenlernen werden. Die Webseite des Brockhaus www.brockhaus.de weiß übrigens von der Einstellung der Produktion noch nichts ...

Wo wir schon mal beim Lamentieren sind:
"Sic transit gloria mundi". Eine Welt ohne Brockhaus-Enzyklopädie ist eine ärmere Welt. Wobei man sich mit dem Zitat in den Kreis einer Bildungselite drängelt:
"In gewählter Sprache wird das Zitat auch heute noch gelegentlich benutzt" ...
(Quelle: Wikipedia sic transit gloria mundi)
Der Beitrag in der Wikipedia zur Herkunft des Zitats "sic transit ..." ist allerdings erstaunlich mager und vermutlich teilweise falsch - jedenfalls die Behauptung:
"Wenn ein römischer Feldherr im Triumphzug einzog, hatte auf seiner Strecke ein Sklave vor ihn zu treten, vor seinen Augen einen Flocken Wolle zu verbrennen und diesen Spruch zu rufen...."
(Quelle: Wikipedia sic transit gloria mundi)
Das erweist sich als falsch, wenn man dem Link in der Wikipedia auf Triumphzug folgt. Dort liest man dann nämlich was anderes:
"Ein Sklave, der hinter dem Triumphator auf dem Wagen stand, hielt ihm die sonst im Jupiter-Tempel aufbewahrte Goldkrone über das Haupt und mahnte ihn ununterbrochen: Respice post te, hominem te esse memento"
(Quelle: Wikipedia Triumphzug)
Dem alten Brockhaus wäre das nicht passiert.

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Dienstag, 12. Februar 2008
Werbung im Internet
Werbung nervt. Unterhaltsame Werbung ist eher selten und am ehesten noch im Kino anzutreffen. Auf Internet-Seiten ist unterhaltsame Werbung noch seltener als im Fernsehen oder in den Printmedien.

Lange Zeit hat der Autor aus Überzeugung die nervige Reklame akzeptiert. Denn werbefinanzierte Webauftritte wie SPIEGEL online bieten viele Informationen, deren Zusammenstellung und Präsentation nun einmal Geld kosten.

Jetzt wurde es zuviel. Der Bonner Generalanzeiger blinkt und macht Krach, der Kölner Stadtanzeiger steht dem kaum nach. Auch der heise Newsticker nervte mit Blinken und akustischer Belästigung.

Nun ist Ruhe, dank Firefox und Add-ons wie Adblock Plus und NoScript. Einfach Ruhe.

Vielleicht tut der Firefox damit des Guten zuviel. Denn Google blendet beispielsweise (ziemlich dezent) Werbelinks ein, die häufig zum Thema interessante Infos bieten. Die fehlen jetzt auch.

Aber der "Verlust" an sinnvoller Werbung ist das kleinere Übel gegenüber TUI-Fly-Fliegern, die den Bildschirm kreuzen, oder Glücksspiel-Musik, blinkenden Versicherungsmitteilungen etc.

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Montag, 11. Februar 2008
europäische Konzert-Erfahrung
Da gab es gestern ein Erlebnis der besonderen Art: ein Konzert quasi ohne Publikum!

Der europäische Kammerchor (welch ein Name) bot in der Kreuzkirche Bonn ein rundum ansprechendes Programm auf durchweg hohem Niveau:
  • Lechner "Sprüche von Leben und Tod"
  • Ostrzyga "our little life is rounded with a sleep"
  • Solo-Saxoph-Impression
  • Distler "Totentanz"
.Und es haben gerade mal 20, vielleicht sogar 30 Leute zugehört. Erst fühlt man sich als Zuhörer unwohl, weil da offenkundig irgendetwas nicht geklappt hat (es gab keinen Hinweis in DER Zeit, dem Bonner Generalanzeiger, und Plakate o.ä. sah man eigentlich auch nicht). Da fühlt man sich als Bonner verantwortlich. Denn selbst schlecht besuchte a-cappella-Konzerte in Bonn haben in der Regel 50 - 100 Besucher. Und dann vergisst man langsam angesichts der schönen Musik das bedrückende Gefühl, fehl am Platze zu sein. Die Musik findet sich hervorragend wieder in der fast überakustischen leeren Kirche - und das dunkle Thema "Tod" bringt einem die angebrochene Fastenzeit unmittelbar nahe.

Erst beim Schlussapplaus bemerkt man wieder die magere Zuschauer-Zahl. Der Chor hätte mehr Applaus verdient; jedoch verkrümelt sich der Applaus in der großen Kirche, in der auch 1000 oder 1200 Zuhörer Platz gefunden hätten.

Warum der "europäische" Kammerchor europäisch heißt, bleibt unerklärt.
"Der Europäische Kammerchor wurde 2003 durch den Dirigenten Michael Reif gegründet. Engagierte Chorsängerinnen und Chorsänger aus Deutschland und den angrenzenden Staaten erarbeiten in konzentrierten Probenphasen anspruchsvolle Chorprogramme...."
(Quelle: die im Aufbau befindliche Homepage des Chors)
Deutschland, im Zentrum Europas, bietet offenkundig gute (zentral-)europäische Musik. Nur müssten mehr Leute zuhören.

Aber den Mangel an Zuhörern/Interessenten erlebt Europa nicht nur im Bereich der a-cappella-Musik...

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