Sonntag, 12. Februar 2017
Bundespräsident
Mit einer satten Mehrheit hat die Bundesversammlung Franz-Walter Steinmeier heute zum Bundespräsidenten gewählt.

Wer seine Rede nach der Wahl gehört hat: sie war ok. Wer aber die Begrüßung durch Norbert Lammert gehört hat, konnte den Eindruck nicht ganz unterdrücken, dass es da noch einen besseren gegeben hätte.

Nur mal so ein Höhepunkt:
Wer Abschottung anstelle von Weltoffenheit fordert und sich sprichwörtlich einmauert, wer statt auf Freihandel auf Protektionismus setzt und gegenüber dem Zusammenarbeiten der Staaten Isolationalismus predigt, wer damit zum Programm erklärt: Wir zuerst!, darf sich nicht wundern, wenn es ihm andere gleichtun – mit allen fatalen Nebenwirkungen für die internationalen Beziehungen, die uns aus dem 20. Jahrhundert bekannt sind.
(Quelle: Norbert Lammert )
Der Name "Trump" ist nicht gefallen und stand doch laut im Raum. Leider wollte Herr Lammert nicht Bundespräsident werden. Schade.

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Freitag, 10. Februar 2017
"Eier" hat er ja: Kachelmann
Kachelmann und Schwarzer - Katz und Hund. Frau Schwarzer hält einen Vortrag in der Kölner Uni zum Thema: "(Sexual)Gewalt gegen Frauen und Recht". Zum Abschluss eine Fragerunde:
...
Stimme von ganz hinten: "Vielen Dank, dass ich heute hier sein darf, ich hab' meinen Namen ganz oft gehört."

Schwarzer (mit zusammengekniffenen Augen ins Halbdunkel starrend): "Wer sind Sie denn, Lieber?"

Stimme von ganz hinten: "Jörg Kachelmann ist mein Name!"

Kachelmann trägt Lässiglook: Jeansjacke, Schal, die Haare sagen Wind von Nordnordost voraus. Er adressiert den Saal, jovialer Tonfall, große Geste, es ist ein bisschen wie früher vor der "Tagesschau". Er sagt: "Meine Damen und Herren."

Das Publikum ist zu 70 Prozent weiblich, zu 80 Prozent studentisch und zu schätzungsweise 98 Prozent frauenbewegt. Es hat ihn, den Weatherman, im Affekt der Überraschung mit Jubel empfangen, empfindet ihn jetzt aber doch als Partycrasher.

Das Publikum buht.

Man muss Jörg Kachelmann nicht dringend mögen, um Folgendes zu konzedieren: Er hat 132 Tage in Untersuchungshaft verbracht, vor Gericht und der ganzen geilen Nation die Hosen runtergelassen, er verlor seinen Wetter-Vertrag mit der ARD, seine Firma Meteomedia und nahezu sein gesamtes Vermögen. Er wird diese Sache niemals wieder los.
..."
(Quelle: Tanja Rest in sueddeutsche.de)
Dass Herr Kachelmann sich in den Vortrag der Frau setzt, die als BILD-Reporterin ihn während seines Prozesses vorverurteilt hat, und sich dann zu Wort meldet: Respekt. Das muss man erst einmal bringen.

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Trump 2
Seit dem 20.01.2017 ist Donald Trump Präsident der USA, nach den dort geltenden Regeln in einer demokratischen Wahl gewählt.

Schon vorher und immer noch geht es in den Kommentaren zu Trump hoch her, in Europa und auch in den USA.

Nähert man sich der Kritik an Trump intellektuell, kann man viele Kritikpunkte nachvollziehen. Emotional hingegen gesehen haben die Wähler von Trump genau das bekommen, was man ihnen versprochen hat.

Demokratie: das war und ist keine Garantie dafür, dass der oder die beste gewinnt. Demokratie stellt allerdings sicher, dass die Mächtigen nach der ihnen zustehenden Amtszeit wieder verschwinden...

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Sonntag, 5. Februar 2017
der gute mittelhochdeutsche Rutsch
Etwas eklig fühlt sich die Seite "Der III. Weg" ja an, wenn man da liest:
Wer an Silvester einen guten Rutsch wünscht, wünscht dem Anderen nichts anderes, als einen guten, reuevollen und jüdischen Jahresbeginn. Dies entspricht weder unserem Kulturkreis noch unserem Brauchtum. Daher wünschen wir allen aufrechten Deutschen einen guten Start ins Kampfjahr 2016.
(Quelle: Der III. Weg)
Wie gesagt, klingt schon etwas gammelig, zumal wenn man weiter oben liest:
... Es ist beschämend, dass wir Deutschen dies als “Glückwunsch” benutzen. ...
(Quelle: Der III. Weg)
Nach dem ersten Ekel kommt aber Neugier auf, konkret kommen einem zwei Fragen in den Sinn:
Stimmt das?
Und wenn ja, warum sollen wir uns schämen?

Als Beleg für "stimmt das" wird Leeor Engländer aus der Welt zitiert
Keine Nation, außer wir Deutschen (anscheinend auch manche Österreicher und Schweizer), wünscht sich einen "guten Rutsch". Was wohl damit zu tun hat, dass die meisten nicht wissen, woher der Begriff eigentlich stammt. Das jüdische Neujahr heißt Rosch ha Schanah, wörtlich übersetzt "Kopf des Jahres". Auf Jiddisch wünscht man sich in der Zeit vor und nach dem Feiertag "a git Rosch" (einen guten Kopf). Man kann davon ausgehen, dass der "gute Rutsch" aus einem weitläufig missverstandenen "git Rosch" entstand.
(Quelle: Welt.de)
"Man kann davon ausgehen, dass..." ist allerdings kein starker Beleg, immerhin kann man Engländer zustimmen: Es klingt plausibel. Zweifel bleiben wenn man den Wikipedia-Artikel zum "Guten Rutsch" zu Ende liest und akzeptiert, dass es den "Guten Rutsch" erst seit 100 Jahren als Neujahrs-Wunsch gibt.

Aber zurück zum Jiddischen: Immerhin hat das Jiddische eine tausend Jahre alte mittelhochdeutsche Tradition - da ist es es nicht unwahrscheinlich, dass die Wurzeln des "Guten Rutsches" im Jiddischen liegen:
Es [gemeint ist: das Jiddische] ist nach allgemeiner Meinung eine aus dem Mittelhochdeutschen hervorgegangene westgermanische, mit hebräischen, aramäischen, romanischen, slawischen und weiteren Sprachelementen angereicherte Sprache.
(Quelle: Jiddisch in Wikipedia)
Allerdings ist die Herkunft aus dem Jiddischen möglich, aber nicht zwingend:
Ein anderer Erklärungsansatz ergibt sich durch die schon in älteren Wörterbüchern zu findende übertragene Bedeutung des Verbs „rutschen“ als „reisen“ und der Substantive „die Rutsche“ und „der Rutsch“ für „das Reisen“ oder „eine Fahrt“.
(Quelle: 'Guten Rutsch' in Wikipedia)
Bei "stimmt das?" bleibt es also ein Fragezeichen.

Warum wäre das aber "beschämend"?
Warum man sich einer tausend Jahre alten mittelhochdeutschen Tradition (das Jiddische) schämen sollte, müsste man mir mal erklären. Selbst Sprachpuristen würden an der Herkunft von Redewendungen aus dem Mittelhochdeutschen wenig auszusetzen haben. Ansonsten hätten sie wohl wenig Material mehr zum Begutachten, wenn alle Worte mit mittelhochdeutschen Wurzeln aus der deutschen Sprache auszumerzen wären.

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