Dienstag, 12. Juli 2005
Rausch-Erfahrung
Summertime and the living is easy ... Legalize Erdbeereis!
    [Tenor: Die Strafbarkeit der Cannabis-Einfuhr ist nicht verfassungswidrig - Zur Begründung zitiert das Gericht sich zunächst erst einmal gründlich selbst:]
    ... Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers gehört der Umgang mit Drogen, insbesondere auch das Sichberauschen, aufgrund seiner vielfältigen sozialen Aus- und Wechselwirkungen nicht zum Kernbereich privater Lebensgestaltung (vgl. BVerfGE 90, 145 <171>) ...

    Neue Tatsachen, welche diese Einschätzung erschüttern könnten, hat der Beschwerdeführer nicht vorgetragen. Eine generelle Ungefährlichkeit des Konsums von Cannabis behauptet er nicht. Die Entscheidung des Gesetzgebers, den Gefahren des Cannabiskonsums mit den Mitteln des Strafrechts zu begegnen, ist weiterhin zu respektieren (vgl. Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts vom 29. Juni 2004 - 2 BvL 8/02 -, NJW 2004, S. 3620 <3621>). Dies schließt das grundsätzliche Verbot einer Selbstmedikation durch Cannabisprodukte ein. Auch insoweit liegt ein (noch) ausreichend gerechtfertigtes Verbot vor, ...[hier folgt noch ein Hinweis auf § 3 Abs. 2 BtmG]...

    (Quelle: BVerfG Beschluss vom 30.6.2005 )
Verständlich: Der Gesetzgeber soll über eine Marihuana-Freigabe entscheiden, und nicht das Gericht. Merkwürdig nur, dass das Bundesverfassungsgericht hier ein "(noch) ausreichend gerechtfertigtes" Verbot beschreibt. Was ist eigentlich ein "noch" ausreichend gerechtfertigtes Verbot?

Ob es da unter den studierten Hilfskräften des Gerichts schon ein paar "Kiffer" gibt, die den Mitgliedern der 3. Kammer des Bundesverfassungsgerichts von ihren Erfahrungen erzählt haben? Oder ob die Verfasser des Beschlusses sogar über Erfahrungen aus 1. Hand verfügen? Ein Bild (von der Homepage des Gerichts) sagt angeblich mehr als tausend Worte ...

Zweiter Senat des Bundesverfassungsgerichts

von links nach rechts:
Dr. Gerhardt; Mellinghoff; Prof. Dr. Osterloh; Prof. Dr. Dr. h.c. Jentsch
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hassemer; Prof. Dr. Broß; Prof. Dr. Dr. Di Fabio; Prof. Dr. Lübbe-Wolff
(fett gedruckt sind die Verfasser des oben zitierten Beschlusses).

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Radfahren ist gesund
Radfahren ist gesund und bildet. Rote Kästen bieten dem Radfahrer morgens auf dem Weg zur Arbeit, aber auch den Bus- und Bahnfahrern und den im Stau stehenden Autofahrern die Schlagzeile des Tages aus Bild ("Wir sind Papst") und Express (heute aktuell:"Currywurst schützt vor Krebs"; Currywurst wohlgemerkt, nicht etwa Curry - Express.de weiß mehr:).
    ...Zum Beispiel der Curryfarbstoff Curcumin, gewonnen aus der Gelbwurzel (Kurkuma). Forscher der Uni Texas (Houston) erprobten das Pulver an Krebszell-Kulturen. Die starben sofort ab. Grund: Curcumin enthält einen Botenstoff, der zwei Eiweiße blockiert. Genau diese Eiweiße verhinderten bislang, dass Krebszellen Selbstmord begehen....

    Ebenfalls im Curry enthalten: Ingwer. „Die Wurzel ist ein Tausendsassa“, so Ernährungspapst Prof. Hademar Bankhofer. Ingwer hemmt die Blutgerinnung und schützt vor Infarkten, regt den Darm an, hilft gegen Viren.

    Curry ist eine Mischung aus vielen gesunden Gewürzen: Kardamom und Koriander, ebenfalls enthalten, schützen vor Blähungen und Krämpfen, Kreuzkümmel macht fit, Muskatnuss wirkt antidepressiv und schwarzer Pfeffer senkt den Cholesterinspiegel. Die Tomaten im Ketchup wirken als Radikalenfänger, schützen die Zellen. (Quelle: Express.de)
Varzil fragt sich: Wenn man so was beim Fahrrad-Fahren lernt, schützt dann Fahrrad-Fahren auch vor Krebs?

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Montag, 11. Juli 2005
Umzugsdebatte
Die KMK (Kultusministerkonferenz) ist qua Satzung auf die Einstimmigkeit ihrer Entscheidungen angewiesen. Das hat in der Vergangenheit die Republik vor etlichen bildungspolitischen Experimenten bewahrt, aber auch jede entschiedene Fortentwicklung gebremst oder blockiert (Geleitzugprinzip: das langsamste Land bestimmt das Tempo). Koriander hatte schon mehrfach im letzten Jahr z.B. am 27.9.2004 Anlass und Gelegenheit für einen Kommentar.

Nun rauscht es wieder in den Blättern: nicht die KMK-Reform an sich, sondern der Umzug des Sekretariats bewegt die lokalen Blätter, wie z.B. den Kölner Stadtanzeiger.
    "...Die Zukunft der Kultusministerkonferenz steht abermals zur Debatte...Über dem "Standort Bonn" der Kultusministerkonferenz (KMK) hängt weiterhin das Damoklesschwert. Denn nach wie vor fordern einige Länder einen KMK-Komplettumzug an die Spree; andere plädieren für eine Aufteilung der Aufgaben der Konferenzen auf die beiden Städte, zulasten von Bonn. ...

    Nach heftigen Protesten, vornehmlich der Länder NRW und Rheinland-Pfalz, aber auch der Stadt Bonn, wurde die Luft aus der Umzugs-Debatte genommen. Mit der jetzt erneut aufgekommenen Diskussion über die künftige Struktur der KMK kam sie wieder auf die Tagesordnung. ..." (Quelle: Kölner Stadtanzeiger)
Es geht allerdings gar nicht um die Kultusministerkonferenz an sich, sondern um den Standort des Sekretariats der Kultusministerkonferenz, also konkret um den Standort von demnächst ca. 180 Arbeitsplätze.

Da Bonn die Stadt mit der niedrigsten Arbeitslosenrate (9,1 % aller Erwerbstätigen) in NRW ist, könnte man einen Umzug nach Berlin, wo die Arbeitslosenquote mit 19,2% doppelt so hoch ist, tatsächlich sogar als Wirtschaftsförderung für den Osten begreifen.

Wenn das allerdings der Sinn der Verlagerung wäre, hätte das was KMK-Typisches: Das Ein-Nivellieren auf dem langsamsten Niveau.

In der Berliner Arbeitslosigkeitsstatistik oder dem totaldesolaten Berliner Haushalt wäre der Zuzug von 100 bis 150 Bonnern ohnehin nicht nachweisbar...

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unter tausend Talaren
Schon am Frühstückstisch: die eher Bonn-ferne Süddeutsche berichtet über die Abschlussfeier der Uni Bonn im Hofgarten, leider nur in der Papierausgabe.

Der Bonner Generalanzeiger berichtet auch online:
    Dann, nach den Grußworten, erfolgt der eigentlich zentrale Akt: Die Absolventen nehmen ihre Urkunden entgegen, die in vielen Fakultäten bislang nur mit der Post verschickt wurden. Nach jahrelangem Studium werden die Leistungen der Absolventen nun in einem würdigen Rahmen anerkannt. Stolz nehmen sie die Anerkennung entgegen, dabei fließen sogar Tränen der Rührung.

    Als finale Geste sollen schließlich zum Ende des Festaktes die Barette in die Luft geworfen werden. Möglichst gleichzeitig. Archut dirigiert mehrere Versuche, bis schließlich nahezu alle Hüte auf Kommando in den strahlend blauen Himmel fliegen. Oxford und Cambridge lassen grüßen.

    Frisch Examinierte
Varzil kann auf Erinnerungen an ein Studium während der Nachwehen der 68er an der Bonner Uni zurückgreifen. Ihm kommt das Geschehen sehr fremd und von (schlechten) amerikanischen College-Filmen beeinflusst vor. (Warum schmeißen die eigentlich ihre Hüte weg?) Wenn die Bonner Uni mal in den eigenen Kellern gekramt hätte, hätte sie womöglich sogar eine eigene akademische Tradition entdeckt. Vielleicht wäre dann auch die Ausleihe der Talare bei einer Berliner (!) Firma überflüssig gewesen ...

Nicht auszudenken, wie das Entmotten eigener Traditionen gewirkt hätte.

Update vom 13.7.2005:
Inzwischen hat auch Spiegel-online berichtet und weiß natürlich mehr:
    Gastgeber und Gäste der deutschlandweit ersten Uni-Abschluss-Feier in großem Stil, mit vollem Ornat, waren jedenfalls sehr zufrieden mit der Premiere - die anderen zwei Drittel der insgesamt 2000 Absolventen des Jahrgangs waren allerdings von vornherein zuhause geblieben.
Sieht also so aus, als ob gerade mal ein Drittel der Studenten den Bedarf nach einer richtigen Abschlussfeier spürten. Das lässt hoffen.

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Samstag, 9. Juli 2005
Schornsteinfegen
Da klettert er auf's Dach, versenkt die Kehrbürste im Kamin und kommt wieder runter, der "schwarze Mann".

Auf die Frage, ob eine Gasheizung Ruß produziert, antwortet er:"Natürlich nicht."

Und warum er den Kamin kehre? Eigentlich nur, um sicherzustellen, dass der Kamin nicht blockiert ist (durch Vogelnester etc.). "Ab-bleien" nennt er das, vermutlich weil unten an der Bürste eine dicke Kugel hängt...

Varzil glaubt ihm die lobenswerte Absicht nicht ganz. Eher wird da ein alter Zopf (= 1 - 2x im Jahr kehren) aus der Zeit von Kohle- und Brikett-Heizungen künstlich verlängert. Der Zopf steht der Gasheizung gut.

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