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Sonntag, 8. Januar 2006
Osthoff - zwischen Dichtung und Wahrheit
varzil, 00:44h
Die BILD-Berichterstattung über eine Geisel ("Wird sie geköpft?") war hier am 2.12. Gegenstand von Entrüstung. Und man fand die Geisel sympathisch, auch und gerade, weil sie sich nach ihrer Freilassung den Medien zunächst entzog.
Dann gab Frau Osthoff nach Weihnachten doch Interviews, in Al-Dschasira und dann auch im ZDF. Und die Sympathien schwanden: das ZDF-Interview wurde nur in Auszügen gesendet. Seinen vollständigen Wortlaut konnte man aber online nachlesen.
Wer das Interview im Fernsehen gesehen hat, wird sich erinnern, dass das Gespräch extrem stockend verlief und irgendwie fremdartig wirkte. Es sei hier nur der Anfang aus dem Wortlautprotokoll zitiert. Er ist exemplarisch für das Gespräch zweier Frauen, die aneinander vorbei reden:
Slomka: Über Susanne Osthoff ist ja viel berichtet worden, wir wollen gerne mit ihr selbst sprechen. Frau Osthoff, ich grüße Sie. Wie geht es Ihnen?
Susanne Osthoff: Schlecht.
Slomka: Wie haben Sie die letzten drei Wochen erlebt?
Osthoff: Das waren nicht drei Wochen, das war genau ein Monat, vom Freitag, den 25.11., wo ich betonen will, freitags haben alle Banken und öffentlichen Läden - zu Ihrer Information - geschlossen. Nicht dass irgendwelche Journalisten wieder auf Ideen kommen, ich hätte da Gelder transferiert, nur zur Information, dass Sie mal Fakten wissen. Freitag, 25.11., bis den letzten 25.11., das war Samstag, war dann schon Sonntag, 1 Uhr 20 war ich nicht, war ich unter, war ich nicht freier Mensch, ganz einfach.
Und deswegen brauchen Sie jetzt, damit erübrigen sich jetzt die weiteren Fragen, wieso haben Sie sich denn nirgendwo gemeldet? Ich habe eine Liste da, von allem, was mir abgenommen wurde. Wo ich auch nicht ran kann jetzt und das beinhaltet SIM-Karten, die sind nicht mehr da, mein ganzes Gepäck ist nicht mehr da. Wie Sie sich vorstellen können, ist das nicht ganz einfach dann und deswegen: Es geht auch nicht mehr ums Gepäck nach solchen Dingen. Und wie es einem dann geht, denn rein die körperliche Verfassung wird irgendwann absinken, denn dann wird man nicht viel schlafen können, nämlich gar nicht.
..."
(Quelle:zdf.de)
- Was soll z.B. die "SIM-Karten-Geschichte"?
- Was ist das für eine Zeitrechnung, die aus der Spanne vom 25.11. bis zum 18.12. genau einen Monat macht?
- Oder: Warum braucht sie auf die (nach einer Entführung vorhersehbare) Frage in einem Fernsehinterview "Wie geht es Ihnen" etliche Sekunden, bis sie die - nachvollziehbare - Antwort "schlecht" gibt?
In der Folgezeit fühlte Frau Osthoff sich anscheinend unverstanden und sogar "gehasst", wie z.B. hier eine Nachricht im ZDF vom 4.1.2005 zeigt:

"Die aus irakischer Geiselhaft befreite Archäologin Susanne Osthoff sieht sich als Opfer einer Hetzkampagne in Deutschland. Osthoff sagte laut einem Magazinbericht, sie glaube, sie werde von den Deutschen gehasst: "Alle versuchen, mich als arme Irre darzustellen, die zwischen Bomben und Minen planlos durch den Irak hüpft", sagte sie." ...
In dem Interview mit dem Magazin "Stern" gab die 43-Jährige erstmals eine umfassende Darstellung ihrer Entführung, die am 18. Dezember nach 23 Tagen zu Ende gegangen war. Kritik übte sie dabei an der deutschen Botschaft in Bagdad: "Die hätten mich auch von der Botschaft doch einmal in Schutz nehmen können, sagen, ich sei erschöpft und krank. Stattdessen erlebe ich jetzt eine Hetzkampagne, als hätte ich Deutschland etwas angetan."
(Quelle: zdf.de)
- "... Die Hintergründe der vorübergehend im Irak entführten Archäologin bleiben im Dunkeln: Medien berichten, Osthoff sei zeitweise für den BND tätig gewesen. Auch habe die Bundesregierung mehrere Millionen Euro für ihre Befreiung gezahlt.
So wollten weder der Bundesnachrichtendienst (BND) noch das Auswärtige Amt zu Medienberichten Stellung nehmen, Osthoff habe zeitweise für den BND gearbeitet und die Bundesregierung habe mehrere Millionen Euro für ihre Befreiung gezahlt. ..."
(Quelle:sueddeutsche online)
- "Berlin - Die im Irak vorübergehend entführte Archäologin Susanne Osthoff war nach Informationen der WELT in früherer Zeit gelegentlich für den Bundesnachrichtendienst (BND) tätig. (Quelle: die Welt - mit dem oben eingangs gezeigten Foto)
Das jeweilige Bild entspricht der Story!
- total klar "die arme entführte Deutsche": westlich
- total obskur "die Schizoide": tief verschleiert
- mäßig unklar "die Geheimdienst-Quelle": gemäßigt verkopftucht.
Wie wäre es denn mal mit etwas mehr Wahrheit und Klarheit?
Nachtrag
Lesenswertes zur Medien- und Entführungsgeschichte "Osthoff" gibt es bei sagichdoch.... link (0 Kommentare) ... comment ...bereits 835 x gelesen
Donnerstag, 5. Januar 2006
Google und das Beseitigen erkannter Fehler
varzil, 15:13h
Ohne konkreten Anlaß: Texte, die man so vor sich hin schreibt, weil man sich geärgert hat, entwickeln ein Eigenleben. Thesen, d.h. Irrtümer, die man löschen möchte, auch...
Sie stehen im Blog, zwar nicht unveränderlich, aber dank Google-Cache doch kaum noch aus der Welt zu schaffen.
Man kann im Blog also einen Beitrag zwar offline stellen oder auch löschen, aber der Google-Cache behält den Blödsinn dennoch ...
Google macht es einem nicht gerade leicht, erkannte Fehlern auszumerzen. Vermutlich dauert es ziemlich lange, bis der Blog-Artikel, in dem man Buße tut ("ich habe mich geirrt, durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine übergroß0e Schuld"), ein ähnliches Ranking erreicht hat wie der Sündenfall.
Eine moderne Form der Buße bleibt einem übrig: man schreibt unter den als Blödsinn erkannten Blogeintrag eine Ergänzung, dass man das, was man da geschrieben hat, inzwischen für Blödsinn hält. Sozusagen virtuelle Asche auf das Haupt!
Früher, als die Welt noch ausschließlich katholisch war, ging das mit dem "mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa ...." ja relativ einfach, in der Welt des Webs allerdings ist tätlige Buße und Reue schwieriger geworden. Wie so vieles im Leben...
Sie stehen im Blog, zwar nicht unveränderlich, aber dank Google-Cache doch kaum noch aus der Welt zu schaffen.
Man kann im Blog also einen Beitrag zwar offline stellen oder auch löschen, aber der Google-Cache behält den Blödsinn dennoch ...
Google macht es einem nicht gerade leicht, erkannte Fehlern auszumerzen. Vermutlich dauert es ziemlich lange, bis der Blog-Artikel, in dem man Buße tut ("ich habe mich geirrt, durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine übergroß0e Schuld"), ein ähnliches Ranking erreicht hat wie der Sündenfall.
Eine moderne Form der Buße bleibt einem übrig: man schreibt unter den als Blödsinn erkannten Blogeintrag eine Ergänzung, dass man das, was man da geschrieben hat, inzwischen für Blödsinn hält. Sozusagen virtuelle Asche auf das Haupt!
Früher, als die Welt noch ausschließlich katholisch war, ging das mit dem "mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa ...." ja relativ einfach, in der Welt des Webs allerdings ist tätlige Buße und Reue schwieriger geworden. Wie so vieles im Leben...
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Mittwoch, 4. Januar 2006
Einigung
varzil, 11:20h
Was ist denn daran nun so schwer gewesen?
- "...Die beiden Nachbarländer haben im Gas-Streit einen Kompromiss erzielt: Statt wie bisher 50 Dollar wird die Ukraine künftig 95 Dollar für 1000 Kubikmeter importiertes Gas bezahlen. ..."
(Quelle:sueddeutsche.de)
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