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Donnerstag, 22. Juni 2006
WM-Tickets: was alles schief gehen kann
varzil, 14:27h
Eigentlich steht jetzt ja soviel über Fußball ("Fussball"?) geschrieben, dass sich jeder weitere Text erübrigt. Aber dann sammeln sich doch einige Merkwürdigkeit, die es festzuhalten lohnt:
Vorgeschichte: Zunächst einmal hat die FIFA den Verkauf von 3 Millionen Eintrittkarten nicht selbst gemacht, sondern einen Subunternehmer machen lassen
(das Bild rechts stammt von www.testspiel.de). Für den Bereich der Promikarten (VIP-Karten so ca. 300.000 Stück) hat dieser dann einen weiteren Sub-Subunternehmer (Schweitzer WM-Agentur ISE) engagiert. Letzterer hat es mit der Personalisierung der Tickets nicht so genau genommen, d.h. hat die Tickets an Firmen verkauft, ohne dass die Firmen Namen für die Ticket-Inhaber angeben mussten (Details bei süddeutsche online).
Hatte das Bundesinnenministerium nicht großspurig verkündet, nur mit personalisierten Karten käme man in das Stadion? Sollten da nicht lückenlose Ausweiskontrollen vorgenommen werden, um sicherzustellen, dass der Karteninhaber auch derjenige ist, der auf dem Ticket steht?
Und dann das:
Die Dinge werden auch international diskutiert (z.B. im Blog des Guardian.
Dort findet sich auch die nette Geschichte in den Kommentaren zur Einweihung des neuen Münchner Stadions (Allianz-Arena oder FiFa-WM-Stadion oder was auch immer). Da riefen die Fans nach einer Halbzeit-Pause, als die Promis ihr Käfer-Menue nicht schnell genug verdrückt hatten und die Logenplätze leer blieben:
Ansonsten: die Sicherheitskontrollen etc. sind wohl wieder einmal ein Opfer des Problems der großen Zahl geworden.
Wenn man pro Fan eine Minute ansetzt für die Kontrolle der Identität, des Tickets und für das Durchsuchen nach gefährlichen Gegenständen, sind das bei 50.000 Fans eben 50.000 Minuten an Kontrolllaufwand. Wenn man dann dafür 1.000 Kontrolleure einsetzt, dauert es eine knappe Stunde, bis alle im Stadion sind.
Und wenn man keine leeren Ränge will, die Fans aber erst knapp vor Spielbeginn eintreffen, muss es halt schneller gehen ...
Vorgeschichte: Zunächst einmal hat die FIFA den Verkauf von 3 Millionen Eintrittkarten nicht selbst gemacht, sondern einen Subunternehmer machen lassen
(das Bild rechts stammt von www.testspiel.de). Für den Bereich der Promikarten (VIP-Karten so ca. 300.000 Stück) hat dieser dann einen weiteren Sub-Subunternehmer (Schweitzer WM-Agentur ISE) engagiert. Letzterer hat es mit der Personalisierung der Tickets nicht so genau genommen, d.h. hat die Tickets an Firmen verkauft, ohne dass die Firmen Namen für die Ticket-Inhaber angeben mussten (Details bei süddeutsche online).
- Anm.:
Die Anonymität war den Firmen und den mit den Tickets Beschenkten auch ganz recht: bei einem Wert von 2000 bis 4000 € pro Ticket liegt die Idee der Staatsanwaltschaft, bei Öffentlich-Bediensteten wegen Vorteilsannahme zu ermitteln, nicht ganz fern. Auch die Finanzämter fragen wohl nicht zu Unrecht, ob in der Weitergabe an Bedienstete nicht ein steuerpflichtiger geldwerter Vorteil liegt.
Der Ärger über diese Fragen ging soweit, dass die ENBW Strafanzeige gegen die ermittelnden Staatsanwälte stellte:
- Der Streit um WM-Einladungen für Politiker durch die Karlsruher EnBW spitzt sich zu. Der Energiekonzern wirft der Staatsanwaltschaft Rechtsbeugung und Verfolgung Unschuldiger vor. Heute stellte das Unternehmen Strafanzeige.
(Quelle: Spiegel online)
Hatte das Bundesinnenministerium nicht großspurig verkündet, nur mit personalisierten Karten käme man in das Stadion? Sollten da nicht lückenlose Ausweiskontrollen vorgenommen werden, um sicherzustellen, dass der Karteninhaber auch derjenige ist, der auf dem Ticket steht?
Und dann das:
- Die Einlasskontrolle:
- "Der wohl dümmste Dieb der laufenden Fußball-WM hat am Sonntag das Spiel Brasilien gegen Australien in München besucht. Das konnte er nur deshalb, weil er auf dem Weg zum Stadion einer Frau die Handtasche gestohlen hatte, in der sich eine Eintrittskarte befand. Diese nutzte der Dieb dann auch, saß im Stadion aber dummerweise direkt neben dem Ehemann des Opfers, der umgehend die Polizei alarmierte." (Quelle: statt vieler z.B. focus online)
- Dass das nicht gerade ein Beweis für die Zuverlässigkeit der Kontrollen war, fiel dann später offenbar auch der Polizei auf:
- "Später zog die Polizei die Geschichte zurück - man habe "leider zwei völlig von einander unabhängige Fälle durcheinander gebracht". Aber es ging in beiden Fällen offenbar um Leute, die verbotswidrig ins Stadion kamen."
(Quelle: Papierausgabe Süddeutsche Zeitung vom 21.06.2006) - Aber es gibt noch mehr Ungereimtheiten:
- "Derweil dürfen sich ordentliche Ticketerwerber glücklich schätzen, wenn sie nur die zehn Euro Gebühr "für die Zustellung der Tickets" abschreiben müssen, weil diese nicht zeitig zugestellt werden konnten. Viele Käufer erhielten die Benachrichtigung: "Beachten Sie, dass postalische Zustellungen nicht mehr durchgeführt werden können." Man solle die Tickets selber abholen. Rückerstattung der Zustellungsgebühr sei, laut telefonischer Auskunft, nicht vorgesehen.
Das ist die Seite der WM, die von Ausrichter und Organisatoren konsequent ausgeblendet wird. Die Gelackmeierten beim Fußballfest sind offenkundig die anständigen Käufer ...(Quelle: Papierausgabe Süddeutsche Zeitung vom 21.06.2006, S. 33 "Mit Schlips und nacktem Oberkörper") - Noch mal zu den Einlasskontrollen:
- "In Frankfurt ging ein 50-Jähriger mit Kinderdaten durch, beim Spiel Kroatien - Japan gelangten Besucher mit Feuerwerkskörpern durch die Kontrollen, im Stadion krachte es. Auch bei der Partie Paraguay - Schweden hatte ein Käufer von schwarz weiterveräußerten VIP-Karten kein Einlassproblem, obwohl er versehentlich Tickets für das Spiel Brasilien-Kroatien zwei Tage vorher erhalten hatte. ..."
(Quelle: Papierausgabe der Süddeutschen vom 21.6.2006 S. 33)-
"An den Einlassstellen", sagt ein Volunteer im Berliner Stadion, "wird nur geprüft, ob die Daten ungefähr mit der Person überstimmen. Das geht nicht anders."
Jeder kommt rein, der ein Ticket hat, vergiss die Daten. Je später man zum Einlass geht, was auch den Vorteil hat, dass dann die Schwarzmarktpreise fallen, um so lockerer die Kontrollen, weil dann viele Tausende ins Stadion dringen. Am ersten Kontrollring wird flüchtig die Karte gecheckt, meist geht es nur um die aufgedruckte Partie. Es folgen Taschenkontrolle und eine Art Leibesvisitation, aber ohne Metalldetektorenschranke. Schließlich wird das Ticket elektronisch entwertet: Auf dem Feld erscheinen Geburtsdaten und Nationalität des Inhabers. Ein paar Mitarbeiter begutachten die Angaben - wie oben geschildert. Würde genau hingesehen, drohten Staus, Chaos - und das Schlimmste: leere Sitze im Stadion."
(Quelle: Papierausgabe der Süddeutschen vom 21.6.2006 S. 33) - Dass da dann auch ein paar ganz normale Kriminelle am Werk sein können, durften etliche englischen Fans in Köln erfahren:
- "400 britische Jugendliche konnten das Spiel zwischen Portugal und dem Iran nicht im Stadion verfolgen, obwohl sie Tickets für die Begegnung in Frankfurt bestellt hatten. Der Geschäftsführer eines britischen Reisebüros war offensichtlich auf Betrüger hereingefallen.
Wie die Polizei in Köln am Samstag mitteilte, sollte der Geschädigte Tickets für das Spiel besorgen. Daraufhin orderte er im britischen Internet bei einer angeblichen Ticket-Firma Karten und überwies die Summe von umgerechnet rund 75.000 Euro.
Telefonisch sei ein Übergabetermin an einer Jugendherberge in Köln-Riehl vereinbart worden, wo die Jugendlichen auch untergebracht seien. Dort habe der Brite jedoch vergebens gewartet. Daraufhin erstattete er eine Anzeige in Großbritannien und in Köln.
Die Kinder und Jugendlichen nahmen laut Polizei die Enttäuschung sportlich und wollten das Spiel auf einer Großleinwand anschauen.
(Quelle: Rheinische Post online)
Die Dinge werden auch international diskutiert (z.B. im Blog des Guardian.
Dort findet sich auch die nette Geschichte in den Kommentaren zur Einweihung des neuen Münchner Stadions (Allianz-Arena oder FiFa-WM-Stadion oder was auch immer). Da riefen die Fans nach einer Halbzeit-Pause, als die Promis ihr Käfer-Menue nicht schnell genug verdrückt hatten und die Logenplätze leer blieben:
- "Ihr seid nur zum Fressen da"
(Quelle: the Guardian und NZZ-Folio)
Ansonsten: die Sicherheitskontrollen etc. sind wohl wieder einmal ein Opfer des Problems der großen Zahl geworden.
Wenn man pro Fan eine Minute ansetzt für die Kontrolle der Identität, des Tickets und für das Durchsuchen nach gefährlichen Gegenständen, sind das bei 50.000 Fans eben 50.000 Minuten an Kontrolllaufwand. Wenn man dann dafür 1.000 Kontrolleure einsetzt, dauert es eine knappe Stunde, bis alle im Stadion sind.
Und wenn man keine leeren Ränge will, die Fans aber erst knapp vor Spielbeginn eintreffen, muss es halt schneller gehen ...
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Freitag, 16. Juni 2006
Wie man spart, so zahlt man
varzil, 16:41h
Es ist geschehen: der Bundesrat hat der Erhöhung der Umsatzsteuer auf 19 % zugestimmt.
Was vor der Wahl, nach der Wahl und überhaupt falsch war, wird auch durch mehrheitliche Parlamentsbeschlüsse nicht besser.
- "Nach zähem Ringen mit der Bundesregierung haben die von der Union geführten Länder im Bundesrat der größten Steuererhöhung in der Geschichte der Bundesrepublik zugestimmt. Die Länderkammer stimmte dem vom Bundestag bereits verabschiedeten "Haushaltsbegleitgesetz 2006" zu. Damit steigt ab dem 1. Januar 2007 die Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent. Im Gegenzug wird der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung um zwei Prozentpunkte auf 4,5 Prozent gesenkt.
... Die CDU/FDP-regierten Länder Baden-Württemberg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen und die SPD/Linkspartei-Koalitionen von Berlin und Mecklenburg-Vorpommern stimmten wie angekündigt der Erhöhung nicht zu.
Mit dem Gesetz steigt auch die Versicherungssteuer um drei Prozentpunkte. Einschnitte gibt es es zudem bei der Steuerfreiheit für Sonn-, Feiertags- und Nachtzuschläge sowie für Mini-Jobber.
(Quelle: Tagesschau.de)
Was vor der Wahl, nach der Wahl und überhaupt falsch war, wird auch durch mehrheitliche Parlamentsbeschlüsse nicht besser.
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Freitag, 9. Juni 2006
Was bleibt von CANTABOnn
varzil, 15:47h
Vorbemerkung:
Der Autor hat sich weitgehendst 'rausgehalten. Und CANTABOnn funktioniert ganz super, auch wenn (oder weil) man selbst nicht mitorganisiert hat. Ganz "ganz raushalten" ging nicht, weil Vox bona bei einem Bonner Vokalfestival mitmacht und der Autor bei Vox bona mitsingt.
Und wie war es?
2. Vorbemerkung:
Der ganz große Nachteil solcher Chorfestivals ist generell, dass dann, wenn man selbst mitmacht, meist keine Zeit bleibt, den anderen Teilnehmern zuzuhören (wg. Terminen für Proben, eigene Konzerte undfür den Auf- und Abbau von technischer Ausrüstung (Podeste, Stühle, Kasse etc.).
Folglich hat der Autor nur wenig Eindrücke, die aber dafür umso intensiver gesammelt:
Die Frage, warum leistet sich eine Kirche eigentlich eine solche Musik, beantwortet sich damit von selbst: endlich war die Kirche einmal voll, und zwar voll von begeisterten Leuten, die freiwillig kommen (und dafür auch noch bezahlen), die dabei einen Gutteil christlicher Fundamentalbotschaft in der Musik von Bach und Händel mitbekommen.
Besser kann man Kirchensteuern kaum investieren.
Diesmal mit 2 Ensembles, der Tartu-Youth-Choir aus Estland und wieder Vox bona, dazu die unvergleichliche Ingeborg Danz und Michael Gees als Klavierbegleiter, schließlich last not least die Rezitatorin Stefanie Knauer sowie Stefan Horz an der Orgel der Kreuzkirche.
Warum ein estnischer Chor in Deutschland deutsche Romantik darbietet, lässt sich nur aus der Festivals-Dramaturgie (sprich: daraus erklären, dass ursprünglich mal ein Konzert mit dem Bonner Kammerchor angedacht war. Dieses Konzept wurde aber aufgegeben, um Raum für einen ausländischen Gastchor (BALSIS) zu schaffen. Der sagte dann kurzfristig ab, sodass der Tartu-Youth-Choir in die weitgehend feststehende Konzeption der Nacht der Posie "hineinsprang".
Ziemlich toll dann der Robert-Schumann-Zyklus, den Ingeborg Danz präsentierte, allerdings auch einfach lang, wenn man eher unbequem sitzt ("die singt ja schön, aber wieviel Lieder hat der Zyklus denn? Mein Hintern!"). Dann wieder selber Singen (Eichendorff-Vertonungen) - man hatte es geahnt, dass man wieder dran sein würde, aber nach all dem Sitzen und all dem Schumann dauerte es bis zum Nystedt, bis alles wieder anständig klang...
In der Pause haben manche was gegessen, viele sind aber nach knapp 3 Stunden Musik auch gegangen.
Dann tönt die Ott-Orgel - ein großes B-A-C-H Stück. Die Kirche ist voller Klang und Reger-Sound. Poesie???
Zwischendurch gut gelesene Texte - der Autor lauscht aber mehr der schönen Stimme als dem Inhalt. Es fühlt sich an, wie unter einer Dusche: es platscht angenehm auf einen herunter und tropft ab.
Dann der eigentliche Höhepunkt: Eichendorff-Vertonungen im Wechsel zwischen Original für Solo-Stimme und Bearbeitung von Clytus Gottwald für bis zu 16-stimmigen Chor: ein optimaler Kontrast. Und zweifellos der klangliche Höhepunkt:
"Ich bin der Welt abhanden gekommen" von Mahler. Einfach atemberaubend schön. Leider war uns aber auch schon ein Großteil des Publikums abhanden gekommen. Auch die Rezensentin im Generalanzeiger verliert darüber kein Wort. Ob sie ausgerechnet den Mahler verschlafen hat?
Zum Schluss den Endenicher Choral von Schumann. Da ist es deutlich nach 23 Uhr: 4 Stunden Musik und Text: eine beispiellose "Nacht der Poesie". Wer dageblieben war (mehr als 100 Leute), war begeistert.
in der Magdalena-Kirche in Endenich sang der Bonner Kammerchor ein Programm, das den Titel "Spiegelungen" wörtlich nahm: es gab eine Reihe von geistlichen Chorwerken jeweils zweimal: einmal Renaissance-Musik und dann noch einmal modern.
Der Autor genießt den Abend: nichts ist zu tun, einfach nur sitzen und zuhören, den Ideen und Fantasien nachlauschen. Warum singt eigentlich nur die Hälfte des Chores, wenn die Renaissance-Sachen dran sind? Vielleicht ist es so eine Art demographischer Proporz: vor 400 Jahren lebten deutlich weniger Menschen als vor 100 Jahren ... Aber auch das verkleinerte Ensemble zaubert Musik in die schöne Endenicher Kirche. Draußen ist Sommer und drinnen auch. Und wenn der gesamte Chor beim Frank Martins Messe oder dem "Salve Regina" von Poulenc zur Sache geht, gibt es Klang satt und in Hülle und Fülle. Sozusagen eine Art von "Greatest Hits" - nur zu toppen von "In stiller Nacht" (Brahms) - das gab es aber erst in der großen Chornacht in der Schloßkirche zu hören. Und der Autor hörte auch nur die letzte Strophe: Musik, die unmittelbar anrührt und einen schaudern lässt.
Der Autor hat sich weitgehendst 'rausgehalten. Und CANTABOnn funktioniert ganz super, auch wenn (oder weil) man selbst nicht mitorganisiert hat. Ganz "ganz raushalten" ging nicht, weil Vox bona bei einem Bonner Vokalfestival mitmacht und der Autor bei Vox bona mitsingt.
Und wie war es?
2. Vorbemerkung:
Der ganz große Nachteil solcher Chorfestivals ist generell, dass dann, wenn man selbst mitmacht, meist keine Zeit bleibt, den anderen Teilnehmern zuzuhören (wg. Terminen für Proben, eigene Konzerte undfür den Auf- und Abbau von technischer Ausrüstung (Podeste, Stühle, Kasse etc.).
Folglich hat der Autor nur wenig Eindrücke, die aber dafür umso intensiver gesammelt:
1. Bach meets Jazz (2.6.)

(Foto von www.voxbona.de)
- vier Ensembles:
- (Bonner Jazzchor,
- Big-Band der Uni Bonn,
- Orchester der Kreuzkirche Bonn und Vox bona
- einem Mix aus Barock- und Jazzmusik, der es in sich hatte:
- der Number-One-Hit der barocken Vokal-Musik überhaupt: das "Halleluja" aus dem Messias
- DER Fetz-Nummer aus dem Weihnachtsoratorium: "Ehre sei Dir Gott gesungen" und
- der Hymne für alle Würfel-Spieler: "Lasset uns den nicht zerteilen" aus der Johannespassion - "Würfel", weil die kontinuierlichen Sechzehntel in den Celli das Rollen der Würfel nachmachen sollen in Erinnerung daran, das die Soldateska auf Golgatha um das Gewand von Jesus gewürfelt hat.
- einige englische Madrigale, u. a. "Weep O Mine Eyes" (Bennet), die einem beim Hören wie auch beim Singen immer wieder wohlige Schauer den Rücken runterlaufen lassen
- die Jazzfassungen dazu sind keine weichgespülten "Swingle-Singers"- oder Jacques-Loussier-Arrangements, sondern harter eigenständiger Jazz, der die barocken Vorlagen oft nur als Anhalt und Inspiration nutzt. Dass dabei auch die Genialität der Vorlagen häufiger einem banalen Effekt zum Opfer fällt, bleibt kaum aus. Der Bonner Jazzchor bietet daher auch einige Stücke reinen Jazz und Pop dar. Gerade auch da merkt man, dass das (barocke oder jazzige) Original meist mehr bietet als eine Cover-Version.
- einem begeisterungsfähigen und -willigen Publikum in einer ausverkauften Kirche: für den Autor, der oft genug gelernt hat, sich zu freuen, wenn er in einer nur zu einem Drittel bis einem Viertel (300 bis 400 Leute) gefüllten Kirche singt, einfach eine Sensation. Fazit: Jazz funktioniert, in der Kombination mit Bach sogar doppelt.
Die Frage, warum leistet sich eine Kirche eigentlich eine solche Musik, beantwortet sich damit von selbst: endlich war die Kirche einmal voll, und zwar voll von begeisterten Leuten, die freiwillig kommen (und dafür auch noch bezahlen), die dabei einen Gutteil christlicher Fundamentalbotschaft in der Musik von Bach und Händel mitbekommen.
Besser kann man Kirchensteuern kaum investieren.
2. Nacht der Poesie am 2.6.2006
Auch dies, wenn auch in ganz anderer Hinsicht, eine Sensation: Mit Lyrik der Romantik (Schumann und Eichendorff) lassen sich anfangs 700 Leute in die Kreuzkirche locken. Auch nach 4 1/2 Stunden sind immer noch mehr als 100 Besucher da, eine rein physisch nicht zu unterschätzende Durchhalte-Leistung. Für Teenies, die 4 - 5 Stunden auf den Einlass zu "Tokio Hotel" warten, mag das ganz normal sein, bei einem Programm, auf dem Namen wie Schumann, Hugo Wolf, Franz Listz oder auch Gustav Mahler stehen, und einem Durchschnittsalter der Konzertbesucher von deutlich über 40, wenn nicht über 50 ist das alles andere als selbstverständlich.Diesmal mit 2 Ensembles, der Tartu-Youth-Choir aus Estland und wieder Vox bona, dazu die unvergleichliche Ingeborg Danz und Michael Gees als Klavierbegleiter, schließlich last not least die Rezitatorin Stefanie Knauer sowie Stefan Horz an der Orgel der Kreuzkirche.
Warum ein estnischer Chor in Deutschland deutsche Romantik darbietet, lässt sich nur aus der Festivals-Dramaturgie (sprich: daraus erklären, dass ursprünglich mal ein Konzert mit dem Bonner Kammerchor angedacht war. Dieses Konzept wurde aber aufgegeben, um Raum für einen ausländischen Gastchor (BALSIS) zu schaffen. Der sagte dann kurzfristig ab, sodass der Tartu-Youth-Choir in die weitgehend feststehende Konzeption der Nacht der Posie "hineinsprang".
Ziemlich toll dann der Robert-Schumann-Zyklus, den Ingeborg Danz präsentierte, allerdings auch einfach lang, wenn man eher unbequem sitzt ("die singt ja schön, aber wieviel Lieder hat der Zyklus denn? Mein Hintern!"). Dann wieder selber Singen (Eichendorff-Vertonungen) - man hatte es geahnt, dass man wieder dran sein würde, aber nach all dem Sitzen und all dem Schumann dauerte es bis zum Nystedt, bis alles wieder anständig klang...
In der Pause haben manche was gegessen, viele sind aber nach knapp 3 Stunden Musik auch gegangen.
Dann tönt die Ott-Orgel - ein großes B-A-C-H Stück. Die Kirche ist voller Klang und Reger-Sound. Poesie???
Zwischendurch gut gelesene Texte - der Autor lauscht aber mehr der schönen Stimme als dem Inhalt. Es fühlt sich an, wie unter einer Dusche: es platscht angenehm auf einen herunter und tropft ab.
Dann der eigentliche Höhepunkt: Eichendorff-Vertonungen im Wechsel zwischen Original für Solo-Stimme und Bearbeitung von Clytus Gottwald für bis zu 16-stimmigen Chor: ein optimaler Kontrast. Und zweifellos der klangliche Höhepunkt:
"Ich bin der Welt abhanden gekommen" von Mahler. Einfach atemberaubend schön. Leider war uns aber auch schon ein Großteil des Publikums abhanden gekommen. Auch die Rezensentin im Generalanzeiger verliert darüber kein Wort. Ob sie ausgerechnet den Mahler verschlafen hat?
Zum Schluss den Endenicher Choral von Schumann. Da ist es deutlich nach 23 Uhr: 4 Stunden Musik und Text: eine beispiellose "Nacht der Poesie". Wer dageblieben war (mehr als 100 Leute), war begeistert.
3. "Renaissance und Moderne - geistliche Chormusik im Spiegel der Zeiten" am 8.6.2006
Einmal Chorkonzert anders herum (nicht singen, sondern hören):in der Magdalena-Kirche in Endenich sang der Bonner Kammerchor ein Programm, das den Titel "Spiegelungen" wörtlich nahm: es gab eine Reihe von geistlichen Chorwerken jeweils zweimal: einmal Renaissance-Musik und dann noch einmal modern.
Der Autor genießt den Abend: nichts ist zu tun, einfach nur sitzen und zuhören, den Ideen und Fantasien nachlauschen. Warum singt eigentlich nur die Hälfte des Chores, wenn die Renaissance-Sachen dran sind? Vielleicht ist es so eine Art demographischer Proporz: vor 400 Jahren lebten deutlich weniger Menschen als vor 100 Jahren ... Aber auch das verkleinerte Ensemble zaubert Musik in die schöne Endenicher Kirche. Draußen ist Sommer und drinnen auch. Und wenn der gesamte Chor beim Frank Martins Messe oder dem "Salve Regina" von Poulenc zur Sache geht, gibt es Klang satt und in Hülle und Fülle. Sozusagen eine Art von "Greatest Hits" - nur zu toppen von "In stiller Nacht" (Brahms) - das gab es aber erst in der großen Chornacht in der Schloßkirche zu hören. Und der Autor hörte auch nur die letzte Strophe: Musik, die unmittelbar anrührt und einen schaudern lässt.
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Flagge zeigen ... (wenn man mal genauer hinguckt)
varzil, 11:37h
Eigentlich ist sie zu schade, um sie den Rechten und den Fußball-Dumpfbacken zu überlassen:
Mancherorts versteckt sich noch einiges an Optimierungspotential.
Die Deutschland-Fahne

-
Bildungsserver für "Deutsche AuslandsSchularbeit Am Netz - DASAN".
(Quelle: Bundesverwaltungsamt - Zentralstelle für das Auslandsschulwesen - Hervorhebung vom Autor)
- Exkurs:
"bundesrepublik.org" ist auf einen Herrn "Florian Lottner für das Kuratorium" registriert. Im Vergleich dazu ist DASAN ja noch klar und eindeutig. Denn eine Google-Suche nach Florian Lottner bringt locker mehr als 400 Treffer ...
- Exkurs 2:
- www.DASAN.de, der "Bildungsserver für "Deutsche AuslandsSchularbeit Am Netz" listet unter "Aktuell" als erstes eine 3 Monate alte Presseerklärung zur "Rechtschreibreform" auf - das macht nicht gerade Mut, den Rest des "Bildungsservers" zu erforschen.
- Der Link unter "Stellenangebote der Schulen" führt zu einer Mitteilung des Bundesverwaltungsamts, dass dieser Link veraltet ist.
- Folgt man dem Hinweis "DASAN-Special für Schüler", erhält man einen Link auf ein vierteljährlich erscheinendes "JUMA" (Jungendmagazin), das einen so begrüßt:
- "Liebe JUMA- und TIPP-Leser,
leider wurde die Herausgabe von JUMA und TIPP mit Heft 1/06 eingestellt...."
(Quelle: Juma)
Allerdings präsentiert sich der deutsche Bildungsserver unter www.bildungsserver.de als aktuelles und informatives Portal.
Mancherorts versteckt sich noch einiges an Optimierungspotential.
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