Freitag, 28. August 2009
Der Blogcounter
Irgendwo unten links dümpelt er herum, der Blogcounter. Ein kleines Softwareschnippselchen, das protokolliert, wer wann wo und wie sich auf dieser Seite herumtreibt.

Don Alphonso hatte den Blogcounter vor vier Jahren schon verhöhnt und in die Verbannung geschickt.

Hier läuft er seit etlichen Jahren mit einer gelegentlichen Unterbrechung.

Jetzt wurde der Blogcounter für 15.000 bei Ebay vertickt.

Varzil meint: eine Menge Holz für einen schlichten Counter. Eines der am besten laufenden Blogs (basic thinking in Deutschland wurde vor einigen Monaten für 46.902 € verkauft. Da stand aber auch seit Jahren mindestens ein, wenn nicht mehrere Beiträge pro Tag drin. Gemessen daran sind 15.000 für ein Stück Counter-Software wirklich viel...

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Ratlos im Kino
Inglorious Basterds von Quentin Tarantino: Gestern im Kino gesehen und heute immer noch ratlos, was man da gesehen hat.

Es ist eine Mixtur aus Nazi-Schinken, Western und Comedy, spielt im besetzten Frankreich des II. Weltkriegs und wartet mit einer ganzen Reihe namhafter Schauspieler (Brad Pitt, Diane Kruger, Til Schweiger, Daniel Brühl) auf.

Es gibt eine Reihe von schönen Bildern, Einstellungen und guter Musik. Auch die Story, wenn auch an den Haaren herbeigezogen, ist eigentlich nicht wirklich schlecht, und in vielen Einstellungen fühlt man sich an eine Reihe von anderen Filmen erinnert.

Und dennoch bleibt auch am Tag danach das Gefühl von Ratlosigkeit als vorherrschender Eindruck zurück. Man fragt sich: "was soll das"? Viele Szenen sind zu bitter (Judenverfolgung, Gefangenenmisshandlung usw.), als dass man das als Comedy hinnehmen kann. Andere Szenen wiederum wirken einfach albern (z. B. "Folter-Szene", in der Brad Pitt Diane Kruger eine Kugel in eine Schussverletzung drückt), wieder andere ("wer bin ich") sind einfach hochinteressant, witzig und gut inszeniert.

Am meisten irritiert hat den Autor wohl, dass in einer Reihe von Szenen zwischen den handelnden Personen um eine Vertrauensbasis gefeilscht wird, dass aber, sobald dem Zuschauer der Eindruck vermittelt wurde, die Vertrauensbasis ist erreicht, dieser Eindruck sofort wieder ruiniert wird.

Andere Ungereimtheiten wie
  • Warum hat Ltd. Aldo Raine (=Brad Pitt) eine Narbe um den Hals, so als sei er schon einmal aufgehängt worden?
  • Wieso ist jemand, der aus dem Grenzgebiet von Schweiz und Italien, d.h. vom Piz Palü stammt und also definitiv nicht Deuscher ist, auffällig, wenn er die Zahl "3" mit den Fingern nicht so, wie in Deutschland üblich, anzeigt?
  • Wieso wird der einzige Überlebende aus einem von den Inglorious Basterd angerichteten Massaker Adolf Hitler als Held vorgeführt und erweist sich erst im Gespräch mit Hitler als Feigling? (als ob so jemand nicht vorher schon gründlich vernommen worden wäre)
  • Wieso hat ein Kino in Paris eine Unmenge von Filmen auf Nitrofilm im Keller? Mussten Kinos damals die Filme kaufen?
Naja - das sind dann so Fragen, die man sich stellt, wenn man mit dem Film nicht so recht zurecht gekommen ist. Eigentlich also kein wirklich schlechter Film, aber was war es dann?

Wenn man nicht weiter weiß, liest man halt noch mal die Kritiken nach, hier z.B. von Tobias Kniebe in der Süddeutschen:
"...Die Provokationen des Films - Comicgewalt versus Holocaust-Schrecken, Baseballschläger versus explodierende Nazischädel, Brad Pitt mit dem Riesenmesser, das Hakenkreuze in Soldatenstirnen graviert, dazu ein geschichtsfälscherisch verkürzter Zweiter Weltkrieg -, alles unverändert, das Ganze ist sogar eine Minute länger geworden. Ketzerisch könnte man also fragen, ob man sich diese "Inglourious Basterds" jetzt überhaupt noch ansehen sollte. Und die Antwort lautet: ja, ganz unbedingt. Denn gleichgültig, ob man den Film nun lieben oder hassen wird - lauwarm dazwischen dürfte die Reaktion eher nicht ausfallen. Es gibt so viel darin zu entdecken.
(Quelle: sueddeutsche.de)
Beruhigend: Es war also gutes Kino, auch wenn man es erst nachlesen muss, um zu wissen, warum. Aber das ist in der Oper ja oft auch so...

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Donnerstag, 27. August 2009
Provinzielles aus den Bundesstädten
Während in Bonn die Lage um das World Congress Centrum Bonn immer verworrener wird (Teil IV der Story im Generalanzeiger Bonn ist wirklich lesenswert), untersucht der Haushaltsausschuss des Bundestags in seiner 106. Sitzung in Berlin die wichtigen Fragen: Nebenbei Ob unsere Politiker da wirklich das richtige Problembewusstsein zeigen? Oder halten die ein paar kalte Spargel wirklich für interessanter als heiße Brennstäbe?

Varzil weist darauf hin, dass in diesem Problemkatalog der Name eines früher deutschen, jetzt amerikanischen Autoherstellers mit mehreren Produktionsorten an Rhein, Ruhr usw. nicht vorkommt.

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Mittwoch, 26. August 2009
Folter
Darf man foltern, um anderes Leben zu retten?

Der ehemalige Vize-Präsident der USA ist dafür:
Der frühere Vizepräsident Dick Cheney kritisierte vor allem die Einsetzung eines Sonderermittlers, der Folter- und Misshandlungsvorwürfen nachgehen soll. Die vom CIA angewandten harten Verhörmethoden hätten Leben gerettet, sagte Cheney. Die beteiligten Geheimdienstmitarbeiter verdienten deshalb Anerkennung – und nicht politisch motivierte Untersuchungen oder sogar Strafverfahren.
(Quelle: focus.de)
Verschiedene Rechtsordnungen (mehr in der Wikipedia zur Folter) sind dagegen.

Man könnte das als typisches Neuwelt-Problem abtun. So einfach ist das aber leider nicht.

Der Autor hat während seines Jurastudiums in den 70er Jahren an der Uni Bonn noch gelernt, dass das Folterverbot in Deutschland ein "absolutes" Folterverbot ist. Folter in Deutschland ist verboten. Punkt.

Meinte man. Aber schon in den Neunziger Jahren begann eine Diskussion um die "Rettungsfolter". Der Frankfurter Vize-Polizeipräsident setzte die Gedanken in die Praxis um und drohte einem Erpresser mit Folter, um den Aufenthaltsort eines entführten Opfers zu erfahren. Er kassierte dafür auch dann konsequenter Weise eine Strafe.

Inhaltlich ist das Thema aber wohl alles andere als geklärt.

Erstaunlich in dem Zusammenhang ist, dass es nach dem, was man so hört, erhebliche Zweifel an der Effizienz der Folter gibt. Der Frankfurter VIze-Präsident erfuhr zwar den Aufenthaltsort, das Opfer war aber schon tot. Das hat also nichts gebracht.

Ähnliche Erfahrungen haben offenbar auch US-Amerikaner im Irak gemacht:
Some people, such as Alan M. Dershowitz and Mirko Bagaric, have argued the need for information outweighs the moral and ethical arguments against torture. However, after coercive practices were banned, interrogators in Iraq saw an increase of 50 percent more high-value intelligence.
(Quelle: englische Wikipedia zu Torture)
Und noch was: Wenn an einem Al-Quaida-Gefangenen das Water-Boarding 183 (!) mal durchgeführt wurde, hat es offenbar zumindest 182 mal nicht zu befriedigenden Ergebnissen geführt...
Im April 2009 wurden von US-Präsident Barack Obama interne Papiere des Geheimdienstes CIA veröffentlicht, die die Existenz des polnischen Geheimgefängnisses bestätigen und die belegen, dass [Chalid Scheich] Mohammed allein im März 2003 183 mal dem waterboarding unterzogen wurde, im Schnitt also acht mal pro Tag.
(Quelle: Wikipedia)
Wenn's nicht funktioniert, dann kann man es doch auch direkt ganz lassen...

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