Dienstag, 21. Oktober 2014
Todesstrafe
Eine langjährige Umfrage unter Jurastudenten im 1. oder 2. Semester mit erstaunlichen Ergebnissen:
Jurastudenten fordern heute deutlich längere und härtere Strafen als noch vor 25 Jahren – obwohl sie sich subjektiv sicherer fühlen. Rund ein Drittel sieht die lebenslange Freiheitsstrafe nicht als ausreichend an, über die Hälfte würde unter bestimmten Bedingung auch Folter befürworten. Das geht aus einer Studie des Erlanger Strafrechtsprofessors Franz Streng hervor.

Die Grundlage der Studienergebnisse bildet ein Fragebogen, den Streng den Besuchern seiner Vorlesung, zumeist Erst- oder Zweitsemestern, im Zeitraum zwischen 1989 und 2012 zur anonymen Beantwortung vorlegte. Erfasst wurden darin unter anderem die subjektive Einschätzung zur Kriminalitätslage, die Haltung zu den unterschiedlichen Strafzwecken und die Vorstellung zum angemessenen Strafmaß von insgesamt 3.133 Studenten.
(Quelle: Legal Tribune online)
Als ehemaliger Jurastudent an einer definitiv nicht fortschrittlich ausgerichteten juristischen Fakultät (Bonn) zuckt man da zusammen: sicher gab es damals auch schon die stramm rechten Verbindungsstudenten mit dem fest gefügten Weltbild inklusive dem Verlangen nach härteren Strafen. Aber Todesstrafe und Folter?
Im Jahr 1977 befürworteten lediglich 11,5 Prozent der Befragten eine Wiedereinführung der Todesstrafe; 2012 waren es mit 31,9 Prozent fast drei Mal so viele.
(Quelle: Legal Tribune online)
O tempora, o mores!

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Sonntag, 12. Oktober 2014
Ebola kommt näher und Murphy grinst
Das könnte spannend werden: Ebola-Infizierte in der "westlichen Welt" stecken hier andere an.
.. In den USA gibt es einen zweiten Ebola-Fall. Betroffen sei eine Pflegekraft, die an der Behandlung des ersten, inzwischen verstorbenen Patienten in einem Krankenhaus in Dallas beteiligt gewesen sei, erklärte das Gesundheitsamt des Bundesstaates Texas am Sonntagmorgen. ...
(Quelle: N24)
Wenig verwunderlich eigentlich, wenn man berücksichtigt, dass Ebola zu den hämorhagischen Fiebern gehört, d.h. es fällt eine Menge Körperflüssigkeit des Patienten an. Pflegekräfte geraten zwangsläufig damit in Kontakt.

Bemerkenswert eher, dass die Gesundheitsbehörden regelmäßig behaupten, alles unter Kontrolle zu haben.
... Dem Krankenhaus zufolge trug der Mitarbeiter bei der Behandlung des ersten Patienten volle Schutzkleidung. "Wir sind zuversichtlich, dass die getroffenen Sicherheitsmaßnahmen unsere Pflegekräfte schützen", sagte ein Arzt. ...
(Quelle: Reuters)
Da liegt der Hase wohl im Pfeffer: "volle Schutzkleidung"! Nehmen wir mal an, da hat eine Pflegekraft eine größere "Sauerei" bei dem Ebola-Paienten beseitigt, verlässt den Quarantänebereich und zieht die Schutzkleidung aus. Und dann passiert was: entweder aus Müdigkeit, Unachtsamkeit oder aus ... kommt sie mit der versauten Schutzkleidung in Berührung. Oder die Schutzkleidung hat einen Defekt (z.B. ein Loch, bei der Fertigung oder beim Tragen entstanden). Oder beim Desinfizieren/Entsorgen der Pflegematerialien passiert was, was nicht passieren soll.

Nach Murphy's Gesetz geht (irgendwann) etwas schief, wenn etwas schief gehen kann. Und natürlich können die gut ausgebildeten Pfleger und Ärzte im Normalfall alle Risiken gut beherrschen. Aber ob das Krankenhausreinigungspersonal bis hin zur Müllabfuhr - bei allem Respekt vor deren Qualifizierung - die Regularien genauso gut beachten?

Bei derzeit etwa 8.000 Ebola-Infizierten stehen die Chancen nicht schlecht, dass da immer wieder was nach Europa oder USA gerät. Das wird daher wohl nicht die letzte Ebola-Patientin bleiben.

Gewöhnen wir uns also lieber daran, dass dank Globalisierung tödliche Krankheiten wie Ebola nicht mehr nur ein Problem von Afrika sind.

Ach ja, noch was:
...In Uganda ist erneut das eng mit Ebola verwandte Marburg-Fieber aufgetaucht. Ein Klinikmitarbeiter in dem ostafrikanischen Land erlag dem Virus, mehrere weitere haben sich möglicherweise infiziert. Insgesamt stünden 80 Menschen in Quarantäne unter Beobachtung, sagte die Direktorin des staatlichen Gesundheitsdienstes, Jane Aceng, am Montag in Kampala.
(Quelle: Focus online)

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Mittwoch, 8. Oktober 2014
Facebook, Google+ und "blogger.de"
So nach etlichen Jahren in diversen Social Media komme ich (reumütig?) zu blogger.de zurück.

Mit Facebook erreiche ich Freunde und Familie. Und das ist auch gut so. Aber einfach mal so Gedanken loswerden? Trotz Timeline und Suche finde ich nicht immer das, was ich suche. Und längere Texte gehen auch nicht.

Google+ ist für mich so etwas Halbgares. Da sind zwar manche Freunde/Familienangehöre gelistet, aber nicht wirklich präsent. Es gibt einige interessante Posts von schlauen Leuten. Und die Suche funktioniert besser. Aber man hat auch da nicht wirklich das Gefühl, Herr der von einem selbst gelieferten Texte und Fotos zu sein.

Dann doch lieber hier, wo es seit Jahren (seit ca. 10 Jahren?) friedlich läuft und man weiß, was man hat. Und trotz Plattencrash sind doch die allermeisten Inhalte da, wo sie sein sollten.

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Der Feind meines Feindes ist ... ?
Die Situation im Irak und in Syrien ist komplex. In Syrien ist seit mehr als einem Jahr ein ehemaliges Konglomerat von Untergrundbewegungen zum Sturz des Präsidenten Assad dabei, sich gegenseitig ein Bein zu stellen. Momentan gibt es da aber fast nur noch eine üble Gruppierung "IS" oder "ISIS". Von den ehedem gemäßigten Aufständischen ist kaum noch was zu hören.

Assad war definitiv auf der Seite des Bösen (Giftgas). Der IS (Islamische Staat) spielt mit mittelalterlichen Ritualen und schneidet öffentlich Köpfe ab, erklärt alle, die nicht seiner mittelalterlichen Auffassung von Religion folgen, zu Feinden, die es gilt, mit der Waffe zu bekehren oder zu töten.

Im Irak haben diverse Gruppierungen nach dem Abmarsch der USA angefangen, sich gegenseitig zu bekämpfen, vorwiegend entlang ihrem Sunna- oder Schia-Zugehörigkeitsgefühl. Und der IS stößt in ein ohnehin ungeklärtes Kräftemessen.

Schließlich die Kurden: Sie sind im Iran, im Irak, in Syrien und in der Türkei unbeliebt, haben miilitärisch organisierte Gruppen, die entweder als (gute) Peschmerga gegen die Bösen kämpfen oder als (böse) PKK vor allem in der Türkei Terror machen.

Und nun die spannende Frage: Ist der Feind meines Feindes mein Freund? Da sollte man doch mal sich vorsichtig zurücklehnen. USA und Großbritannien haben sich gegen Hitler (definitiv böse) mit Stalin (ebenfalls definitiv böse) verbündet. Als Bündnis gegen Hitler hat das funktioniert, allerdings um den Preis, dass halb Europa stalinistisch wurde.

Die Feinde meines Feindes - werden nicht automatisch meine Freunde, vielmehr muss ich mein Verhältnis zu ihnen definieren. So kann es sinnvoll sein, zu erkennen, dass weder die einen noch die anderen meine Freunde sind. Dann kann ich meinen Feinden beim sich-Bekämpfen zusehen. Das Dilemma von Roosevelt und Churchill bleibt aber bestehen: indem sie sich mit einem Feind verbünden, wird zwar der andere Feind vernichtet, aber der überlebende Feind wird gestärkt.

Nicht einfacher wird es, dass die Verfolgung von ethnischen (z.B. Kurden und Jesiden) und religiösen Minderheiten (z.B. Christen!) die westliche Gesellschaft schnell emotionalisiert.

Gruselige Alternativen - da kann ich die Türkei gut verstehen, dass sie sich erst einmal auf das Zuschauen beschränken.

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