Samstag, 3. September 2005
Das Duell
Morgen im Fernsehen:

Vier Moderatoren, zwei öffentlich-rechtlich besoldete Frauen und zwei privat besoldete Männer, befragen eine weibliche Politikerin konservativer Provenienz und einen männlichen Politiker eher fortschrittlicher Provenienz.

Rein optisch machen die Moderatorinnen und Moderatoren mehr her als die beiden Politiker.

Man darf gespannt sein:
    1. Ob es zwischen Christiansen und Illner zu Anfällen von Stutenbissigkeit kommt?

    2. Ob und welches Balz- und Imponiergehabe die beiden männlichen Smarties (haben die eigentlich auch einen Namen?) an den Tag legen?

    3. Ob Frau Merkel den Unterschied zwischen "brutto" und "netto" inzwischen auch vor laufenden Kameras erklären kann?

    4. Ob Herr Schröder einen Grund nennen kann, warum man ihn nach 7 Jahren Regierungstätigkeit noch mal für 4 Jahre wählen soll? Hat er doch gerade erst dem Bundestag und dem Bundespräsidenten erklärt, dass er so wie bisher, nämlich mit einer knappen Mehrheit im Bundestag und einer Bundesratsmehrheit gegen ihn, auf keinen Fall weiterregieren kann. Ob er ernsthaft damit rechnet, eine grundgesetz-änderungsfähige Mehrheit (=66 % der Bundestagssitze) zu erreichen?
Varzil fürchtet, dass nichts davon passiert, und nimmt sich vor, heute Abend "Galaxy Quest" aufzuzeichnen ....

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Freitag, 2. September 2005
New Orleans "gefühllos"
Der Herr Graf Otto von L. hat geruht, eine Meinung zu haben:
    ...Der Ehrenvorsitzende der FDP Otto Graf Lambsdorff fordert die Entlassung von Umweltminister Trittin. Die Äußerungen des Grünen-Politikers über eine angebliche Mitschuld der US-Regierung an Naturkatastrophen wie dem Hurrikan "Katrina" seien "selbstgerecht und gefühllos" ....(Quelle: Spiegel online)
Koriander enthält dazu einen Eintrag von gestern. Angesichts der Katastrophe ist der Vorwurf der Gefühllosigkeit schnell bei der Hand, wenn man nicht den Betroffenheitsritualen genügt.

New Orleans war die "unamerikanischste Stadt Amerikas", schreibt die Süddeutsche heute in ihrer Printausgabe.

Mag sein, das hat sich dann aber über Nacht geändert:
    Anarchy has spread through the city, where thousands of people are stranded with no food or water, in increasing desperation and fear.

    ...Horrific reports have emerged from the Louisiana Superdome, where up to 20,000 people have been corralled, mainly without power and sanitation, since Hurricane Katrina struck.

    "People were raped in there. People were killed in there. We had multiple riots," one police officer told the AFP news agency. ...
    (Quelle: BBC online)
Das Chaos beschränkt sich aber nicht nur auf die Stadt - auch die Hilfsorganisationen scheinen den Überblick verloren zu haben.

Das Astrodome in Houston galt gestern noch als das Ziel für all die Leute, die im Superdome in New Orleans Zuflucht gefunden hatten. Das Hauptproblem schien zu sein, wie man die 25.000 bis 30.000 von New Orleans nach Houston transportiert.

Gestern nacht ist das Astrodome wegen Überfüllung geschlossen worden.
    ...The Houston Astrodome in Texas, where thousands of refugees had been bused over the past couple of days, stopped accepting refugees late Thursday. Officials said the facility had reached capacity. Buses were diverted elsewhere....(Quelle: cnn.com)
Hilfskräfte vor Ort haben inzwischen Rettungsversuche abgebrochen und Polizisten quittieren ihren Dienst.
    Police officers told CNN that some of their fellow officers had simply stopped showing up for duty, cutting manpower by 20 percent or more in some precincts. Before Thursday night fell, police were stopping anyone they saw on the street and warning them that they were not safe from armed bands of young men who were attacking people and attempting to rape women. ...
    Federal Emergency Management Director Michael Brown told CNN that federal officials were unaware of the crowds at the convention center until Thursday, despite the fact that city officials had been telling people for days to gather there.

    "We just learned about that today, and so I have directed that we have all available resources to get to that convention center to make sure that they have the food and water, the medical care that they need," he said.

    Brown also said his agency was attempting to work "under conditions of urban warfare."

    An effort to evacuate patients and staff from downtown's Charity Hospital had to be suspended after a sniper opened fire on rescuers....
    (Quelle: cnn.com)
Die Region braucht offenkundig Hilfe und keine Gefühlsduseligkeit, und zwar Hilfe in einer bürgerkriegsähnlichen Situation nach einer gewaltigen Naturkatastrophe.

Und es sind ur-amerikanische Verhaltensweisen, die die Situation haben entgleiten lassen:
- das Recht für jedermann, Waffen zu besitzen und benutzten zu dürfen,
- der fehlende Wille, auf die Begrenztheit natürlicher Resourcen Rücksicht zu nehmen,
- das Nebeneinander diverser Kulturen, das in der Not nicht zu einer Gemeinsamkeit, sondern zu einem Gegeneinander führt ...

Varzil wundert das nicht:
Wo einerseits jeder eine Pistole oder ein Gewehr haben kann, andererseits aber ein Fußgänger eine Straße außerhalb von Fußgängerübergängen nicht überqueren darf, da stimmen elementare gesellschaftliche Wertungen nicht ...

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Donnerstag, 1. September 2005
Phishing Teil 2
Es stinkt immer wieder aus dem Spam-Ordner nach Phish:
    "...
    Im Zusammenhang mit der Modernisierung bitten wir alle unsere Kunden ein spezielles Registrierungsformular der Benutzer des neuen Systems auszufüllen.

    [Grafik mit Link auf pbmainserver.com]

    Beachten Sie, dass der Übergang zum neuen System für alle Benutzer Postbank Online-Banking erforderlich ist. Bitte füllen Sie die Registrierungsform unverzüglich nach dem Empfang dieses Mails aus. ..."
Wenn man auf den pbmainserver.com-Link klickt, öffnet sich ein nettes Postbank-täuschendähnliches Fenster, das die Kontozugangsdaten abfragt. Fragt man hingegen "whois pbmainserver.com", liest man möglicherweise folgendes:
    domain: pbmainserver.com
    owner: Harry Domestosan
    email: hdomestosan@aol.com
    address: 62 Sureman street
    city: Las Vegas
    state: LA
    postal-code: 86470
    country: US
    phone: +17340952352
    admin-c: hdomestosan@aol.com#0
    tech-c: hdomestosan@aol.com#0
    billing-c: domainz@web2mail.com#0
    reseller: Registered through Your-Domains-Here.com
    reseller: Your first offshore domain registar
    reseller: Belize,Belize City,99 Albert Street
    reseller: Forward abuses to abuse@your-domains-here.com
    nserver: ns1.pbmainserver.com 213.103.35.56
    nserver: ns2.pbmainserver.com 213.103.35.56
    status: lock
    created: 2005-08-31 21:16:17 UTC
    modified: 2005-08-31 21:43:12 UTC
    expires: 2006-08-31 17:16:15 UTC
    source: joker.com live whois service
    query-time: 0.0612
    db-updated: 2005-09-01 17:20:08... (Abfrage bei www.iks-jena.de
Nach Postbank klingt der Domain-Inhaber "Harry Domestosan" ja nicht, eher nach "Domestos" und "Sagrotan". Las Vegas liegt ganz sicher nicht in LA (Kalifornien), sondern in Nevada. Dafür ist der Datenbankeintrag taufrisch, d.h. von gestern!

Nomen est omen. Das stinkt doch wirklich.

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Die meisten Primatenarten vom Aussterben bedroht
Innerhalb einer Generation von Menschen (d.h. innerhalb von 30 Jahren) droht den Menschenaffen-Arten die Ausrottung.
    ...Some of the great apes - chimps, gorillas, and orangutans - could be extinct in the wild within a human generation, a new assessment concludes.

    Human settlement, logging, mining and disease mean that orangutans in parts of Indonesia may lose half of their habitat within five years.

    There are now more than 20,000 humans on the planet for every chimpanzee. ...

    "The great apes are our kin," he writes. "Like us, they are self-aware and have cultures, tools, politics, and medicines; they can learn to use sign language, and have conversations with people and with each other.

    "Sadly, however, we have not treated them with the respect they deserve."

    His thesis on the close kinship of ape and man has been reinforced by the publication this week of the chimpanzee genome, demonstrating that humans and chimps share 99% of their active genetic material. ...

    (Quelle: BBC online)
Warum auch immer: trotz minimaler genetischer Unterschiede sind Menschen als Art deutlich erfolgreicher als alle anderen Primaten, wenn man den Erfolg an der Verbreitung und der Anzahl einer Art messen will.

Welche Faktoren es im Einzelnen sind - man kann das Aussterben der Affen wohl nicht mehr verhindern. Die Chancen stehen schlecht, zumindest dann, wenn man den Menschen in Indonesien oder in Zentral-Afrika ein ähnliches Recht auf wirtschaftliche Entwicklung zubilligt wie den Europäern.

Signifikanter Weise sind viele der europäischen großen Säugetiere wie Bär, Wolf, Auerochse, Wildpferd und -rind auch seit längerem sang- und klanglos verschwunden.

Schlechte Perspektiven für Affen.

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Nah am Wasser gebaut
New Orleans:
    Lage von New Orleans

    Die Stadt hat eine Fläche von 907,0 km². 467,6 km² sind Land, 439,4 km² sind Wasser (48,34 %).

    70 % der Stadt liegt bis zu 2 Meter unterhalb des Meeresspiegels und grenzt an den Mississippi und den See Pontchartrain. Deshalb wurde die Stadt mit Dämmen umgeben. Dadurch hatte der Stadtumriss die Form einer Sichel und New Orleans wurde auch als „Die Sichelstadt“ (im engl. Original The Crescent City) bezeichnet. In den 1910er Jahren legte A. Baldwin Wood die Stadt, die von Sümpfen umringt war, mit zahlreichen großen Pumpen trocken. Auch heute werden die Pumpen bei starkem Regen noch eingesetzt. Durch die Trockenlegung konnte die Stadt weiter wachsen.
    ...
    Die Stadt selbst hat etwa 490.000 Einwohner, im Großraum New Orleans ('Metropolitan Area') leben etwa 1,3 Millionen Menschen. (Quelle: Wikipedia Stand 1.9.1005 mit aktuellem Eintrag zum Hurrikan)
Die Stromversorgung ausgefallen, d.h. die Pumpen können nicht mehr pumpen. Und zumindest einer der Deiche ist gebrochen und lässt sich nicht reparieren - die Stadt läuft voll und wird jetzt vollständig evakuiert.
    Hurrikan "Katrina" hat nach Einschätzung der Uno eine der schlimmsten Naturkatastrophen der Geschichte verursacht - die materiellen Schäden seien größer als nach dem Tsunami-Drama in Asien. ... Die gute Vorbereitung der Behörden und die rechtzeitige Evakuierung vor dem Wirbelsturm hätte zu einer weit geringeren Opferzahl als in Südostasien geführt, erklärte Uno-Hilfskoordinator Jan Egeland gestern in New York.

    ... Er lobte die Behörden für die "sehr effektiven Warnungen vor der Gefahr und für die sehr erfolgreichen Evakuierungen". ...
    Die Tsunami-Katastrophe vom 26. Dezember hatte 180.000 Menschen das Leben gekostet. ..."(Quelle:Spiegel online)
Nasa-Foto von Hurrikan "Katrina" vom 29. August 2005 8:20 a.m. EDT. Zu dieser Zeit wurde der Hurrikan in Stufe 5 eingestuft (mit bis zu 320 km/h), später dann "nur" noch in Stufe 4.

Varzil sympathisiert mit der Feststellung von Herrn Trittin:
    Bundesumweltminister Trittin hat den USA vorgeworfen, mit ihrem üppigen Energieverbrauch indirekt selbst zur Hurrikan-Gefahr beizutragen. Durch die globale Erwärmung entstünden mehr Wirbelstürme als früher.
    Laut Jürgen Trittin (Grüne) emittierten die US-Bürger ungefähr zweieinhalb mal soviel Treibhausgase wie ein durchschnittlicher Europäer. Während in Deutschland mit einer ambitionierten Klimaschutzpolitik 18,5 Prozent der Treibhausgabe seit 1990 reduziert worden seien, seien die Emissionen in den USA noch einmal gestiegen. ...(Quelle: Spiegel online)
Acuh wenn es zynisch klingt angesichts der offenkundigen Katastrophe:
    "Wer nah am Wasser gebaut hat, muss mit Tränen rechnen."

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