Montag, 12. Dezember 2005
Knall! Bumm! Peng!
Die (Nachrichten-)Welt ist explosiv, zumindest in den letzten 48 Stunden:
  • In London ist ein Treibstofflager explodiert,
  • in Athen eine Bombe auf einem Moped,
  • in Beirut eine Autobombe gegen Syrienkritiker,
  • in Lahore (Pakistan) sind es Feuerwerksraketen auf einer Hochzeitsgesellschaft.
  • In Münchsmünster bei Ingolstadt ist es ein Chemiewerk,
  • und auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt eine Gasflasche - allerdings schon vor drei Tagen... passt aber auch ganz gut hier hin.
Explosive Zeiten für explosive Nachrichten.

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Freitag, 9. Dezember 2005
Israel soll umziehen
Phantasie hat er ja, der iranische Staatspräsident mit dem umständlichen Namen "Ahmadinedschad":
    "...Deutschland und Österreich forderte er auf, zum Ausgleich für die Judenverfolgung im Dritten Reich einen jüdischen Staat auf ihrem Boden zu errichten. "Wenn ihr glaubt, dass die Juden unterdrückt wurden, warum sollten die palästinensischen Moslems den Preis dafür zahlen müssen?", sagte Ahmadinedschad heute im iranischen Fernsehsender al-Alam. "Ihr habt sie unterdrückt, also gebt dem zionistischen Regime einen Teil Europas, damit sie dort die Regierung einsetzen, die sie wollen. Wir würden das unterstützen", sagte der Präsident.

    Deutschland und Österreich sollten "eine, zwei oder egal wie viele ihrer Provinzen" abgeben, damit dort der jüdische Staat entstehen könne. Damit wäre "das Problem an der Wurzel gepackt", sagte Ahmadinedschad mit Blick auf den Nahost-Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern.
    (Quelle: Spiegel-online)
Deutlich ist es ja, was er da meint. Und es hat mindestens ebenso viel Niveau, wie die Forderung, Mallorca zum 17. Bundesland von Deutschland zu machen.

Tatsächlich wäre Israel ohne die Judenverfolgung in Europa nicht das, was es heute ist. Andererseits hat die Auswanderung der Juden schon vor 1933 begonnen:
    "Die erste Masseneinwanderung (Alija) von Juden nach Palästina erfolgt um 1882. ...

    Zwischen 1924 und 1932 folgt die vierte Immigrationswelle, von 1933 bis 1939 die fünfte, wodurch die jüdische Bevölkerung in Palästina stark wächst ..."
    (Quelle: wikipedia)
Sieht nicht gut aus für die Logik von Herrn A.. Es sind eben nicht die Deutschen und Österreicher, die die Einwanderung von Juden nach Palästina verursacht haben. Die Judenverfolgung hat den laufenden Prozess allerdings verstärkt. Muss man deshalb die Israelis heute - ausgerechnet - nach Deutschland schicken, in das Land, wo sie sich mit nachvollziehbarem Grund nicht unbedingt wohl fühlen werden?

Auch die Frage, warum die Palästinensischen Moslems "den Preis" bezahlen sollen, geht von falschen Voraussetzungen aus:
    Während der osmanischen Herrschaft ist Palästina nur dünn bevölkert und stagniert wirtschaftlich. Impulse für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes gehen von der Ankunft der ersten jüdischen Einwanderer in den Achtzigerjahren des 19. Jahrhunderts aus. In den folgenden Jahrzehnten wandern – auch deshalb – viele weitere Menschen, Juden wie Araber, in Palästina ein. ..."
    (Quelle: wikipedia)
Während der Türkenherrschaft gab es also kaum Palästinenser. Die meisten Palästinenser sind erst gekommen, als die Juden einwanderten und es mit dem Land aufwärts ging.

Die Palästinenser zahlen also "den Preis" dafür, dass sie nicht schon immer da waren, sondern ebenfalls erst mit den Juden eingewandert sind.

Warum gießt eigentlich ein persischer Staatspräsident schon wieder Öl ins Feuer? Ramadan ist doch vorbei, oder?

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Donnerstag, 8. Dezember 2005
Hoden oder Gehirn
Achtung: Sexualorgan-Content!
    "...Der Biologe Scott Pitnick von der Universität Syracuse und seine Kollegen verglichen das Sexualverhalten mit Hoden- und Hirngröße bei 334 Fledermaus- und Flughund-Arten. Ergebnis: Wer häufig den Sexualpartner wechselt, hat relativ große Hoden. Dafür ist das Hirn kleiner.

    Ein großes Hirn ist sehr energieaufwendig, ebenso die Produktion vieler Samenzellen, wie Pitnick erklärt. Deshalb könnten die Tiere sich nicht beides leisten. Die Mausohr-Fledermaus Myotis albescens aus der Familie der auch in Europa vertretenen Glattnasen (Vespertilionidae) etwa stecke mehr als doppelt so viel Energie in ihre Hoden wie in ihr Gehirn.

    Gesteuert wird die Hodengröße den Forschern zufolge übrigens durch das Verhalten der Weibchen: Je beliebter häufige Partnerwechsel bei ihnen sind, desto größere Hoden entwickeln die Männchen der betreffenden Art. (Quelle: Bonner Generalanzeiger - online nicht mehr verfügbar; dafür aber noch beim stern online)
Sagt das nun etwas?

Zunächst könnte man es für eine gut übertriebene Wiedergabe einer wissenschaftlich nicht fundierten Mindermeinung aus einer kleineren Lokalredaktion am (westlichen) Rand Deutschlands halten.

Aber denkste: Auch die "scientific community" beschäftigt sich ernsthaft mit dem "Problem":
    "...However due to the sometimes extreme increase in relative testes size across the same mating system range, Pitnick suggests an evolutionary tradeoff between investment in energetically costly cognitive machinery and testes depending on sperm competition.

    Aside from variation in ejaculate size, many taxa exhibit large variation in their range of mating behavior. ..."
    (Quelle mit weiteren Fundstellen:S. 14 einer pdf-Datei mit dem ISBE-Newsletter in einem Bericht "Workshop&Conference Review" über "Biology of Spermatozoa international conference, Derbyshire, UK, 26-30 September 2003" )
Das nötigt einem doch einige grundlegendere Gedanken ab:
  1. Wie misst man Fledermaus-Hoden und -Gehirne?
  2. Haben die Fledermaus-Männchen eigentlich die Messungen ihrer Hoden- und Gehirngröße überlebt?
  3. Produzieren große Hoden tatsächlich mehr Samen als kleine Hoden - der "Bericht" legt das nahe?
  4. Produziert ein großes Gehirn mehr Sinnvolles als ein kleines Gehirn - der "Bericht" vermutet gesteigerte kognitive Fähigkeiten?
  5. Wer als (Fledermaus-)Mann der Promiskuität frönt, ruiniert seine kognitiven Kapazitäten?
  6. Lebt es sich mit einem großen Gehirn (und dem damit möglichen Erkenntnisgewinn) aber wirklich besser als mit einem kleinen Gehirn?
  7. Wer als (Fledermaus-)Frau (Fledermaus-)Männer zur Promiskuität verleitet, macht sie dumm?
  8. Kann mann womöglich mit großen Hoden besser kopulieren als mit kleinen (alias "Dumm fickt gut?")?
  9. Kopuliert überhaupt irgendwer mittels Hoden?
Fragen über Fragen - und keine Antworten.

Weiß das UN-Fledermaussekretariat bzw. Eurobat (wohlgemerkt in Bonn!) eigentlich von diesen bahnbrechenden Untersuchungen?
Nachtrag
Markus Becker von Spiegel online hat gerechnet:
    "... Allein die Hoden der Flugsäuger können bis zu 8,5 Prozent des Körpergewichts erreichen, haben US-Forscher jetzt festgestellt. Wollte ein männlicher Mensch von 90 Kilogramm Körpergewicht auf das gleiche Verhältnis kommen, müssten seine Keimdrüsen mehr als 15 Pfund auf die Waage bringen...."(Quelle: spiegel online mit einem Bild einer Fledermaus mit Genital; inzwischen (am 3.4.2006) offenbar in den "Bezahl"-Content verschwunden)
Nachtrag vom 6.9.2006:
Einen Link auf das SPIEGEL-online-Bild hat der Autor inzwischen bei Bandblogger.de gefunden:

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