Mittwoch, 22. März 2006
Sturm downunder
Nur damit die Gleichwertigkeit stimmt: Katastrophale Wirbelstürme gibt es auch außerhalb der Karibik und der USA:
    "Northern Queensland, Australia (see map), which was battered by Cyclone Larry on Monday morning, is bracing for more wild weather later in the week.

    A second tropical cyclone, Wati, has reached Category Two status and is slowly approaching the continent's northeastern coast.

    (Quelle: National Geographic)
Larry hat keinen Sturm in den Medien ausgelöst hat. Vielleicht geht dann auch den zuständigen Weltenlenkern leichter das Licht auf, dass irgendetwas mit dem Wetter nicht mehr stimmt...

Varzil hingegen bemerkt, dass auf der Südhalbkugel Wirbelstürme tatsächlich anders herum drehen als auf der Nordhalbkugel. Man vergleiche nur das Bild der NASA von Katrina in "nah am Wasser gebaut" (= Bild rechts) mit dem Bild oben.

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Über transrapide Schnelligkeit
Jeder halbwegs technikinteressierte Junge in den 60er Jahren des vergangenen Jahrtausends hat mit großen Augen verfolgt, wenn in den damaligen Zeitschriften die "Magnetschwebebahn" als DAS Verkehrsmittel der Zukunft angepriesen wurde.

Zur Geschichte:
    Die Entwicklung der Magnetschwebebahn wurde 1922 von Hermann Kemper begonnen, der sich mit Techniken elektromagnetischer Schwebebahnen beschäftigte. Für das elektromagnetische Schweben von Fahrzeugen erhielt Hermann Kemper am 14. August 1934 das deutsche Reichspatent 643316 zugesprochen. Es war zunächst eine Versuchsbahn für höchste Geschwindigkeiten im Gespräch; dieses wurde jedoch auf Grund des 2. Weltkrieges nicht weiterverfolgt. 1973 nahmen der Physiker Götz Heidelberg und Professor Herbert Weh von der Technischen Universität Braunschweig die Entwicklung wieder auf.
    • 1971 - am 11. Oktober demonstriert die Firma MBB in München-Allach das Versuchsfahrzeug Transrapid 2.
    • 1979 präsentierte die Internationale Verkehrsausstellung (IVA) in Hamburg die weltweit erste für Personenverkehr zugelassene Magnetbahn (Transrapid 05).
    • Ab 1983 wurde in Berlin eine 1,6 km lange Magnetschwebebahn für den Nahverkehr gebaut, die so genannte M-Bahn. Ihre Trasse wurde aber im Rahmen der Wiedervereinigung für den U-Bahn-Wiederaufbau benötigt und ihre Weiterentwicklung 1992 eingestellt.
    • 1984 wurde der erste Bauabschnitt der Transrapid-Versuchsanlage im Emsland in Betrieb genommen.
    ...
    (Quelle: Wikipedia)
Seit jener Zeit
    (1984 wechselte der Autor endgültig aus dem Stadium der Ausbildung in das Lager der Berufstätigen)
wartet die Magnetschwebebahn darauf, von der Theorie in die Praxis zu wechseln.

Ein erster Anlauf in Richtung Praxis gelang 2003 in Shanghai (China).

In Deutschland wurde nach der Wende zunächst eine Strecke "Berlin-Hamburg", dann eine Ruhrgebietsschwebebahn und parallel dazu eine zum Münchener Flughafen geplant (und bis auf letztere auch wieder fallengelassen).

Und auch für die Bayern-Strecke sieht es nicht gut aus. Während die "Sozis" in NRW ziemlich zügig erkannten, dass die Sache sich trotz der Bundesfördermittel nicht lohnt, brauchte man in Bayern dazu etwas länger. Immerhin hat die Stadt München jetzt angefangen zu rechnen:
    "...
    Die Stadt München lässt derzeit die Möglichkeit einer Express-S-Bahn zum Flughafen prüfen. Der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) stellte dazu am Dienstag erste Ergebnisse einer Experten-Untersuchung vor.

    Demnach könnte die Bahn auf der eigentlich für auch für die Transrapid-Trasse vorgesehenen Strecke fahren. Die Fahrzeit beziffern die Experten auf 25 Minuten - nur etwa halb so lang wie mit der bestehenden Verbindung. Der Transrapid soll nach Angaben des Betreiber-Konsortiums für die gleiche Strecke zehn Minuten brauchen.
    ...
    S-Bahn kostet die Hälfte
    Die Kosten eines solchen Projekts werden mit 860 Millionen Euro angegeben – wobei dafür notwendige und bereits geplante Projekte im Münchener Nahverkehr nicht berücksichtigt wurden. Der Transrapid würde für die gleiche Strecke 1,6 Milliarden Euro kosten.
    ...
    (Quelle: netzeitung)
Das ist die klassische fiskalische Argumentation: es geht auch billiger - auch im Siemens-Mutterland Bayern gibt es offenbar Menschen, die die Grundrechenarten beherrschen. Wer will schon für eine Fahrtmöglichkeit, die statt 25 Minuten nur 10 Minuten dauert, 800 Millionen Euro ausgeben.

Was aus dem kleine-Jungen-Traum "Magnetschwebebahn" werden wird? Das Tempo der Entscheidungsprozesse lässt vermuten, dass der Traum ausgeträumt ist - zumindest in so dicht besiedelten Gebieten wie Deutschland mit funktionierender Infrastruktur.

Varzil glaubt, dass angesichts der aktuellen Flugpreise auf der einen und der Leistungsfähigkeit der Eisenbahn auf der anderen Seite die Magnetschwebebahn auf Dauer keine Chance haben wird.

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Montag, 20. März 2006
Kartoffelsorten-Recht
Nichts Böses ahnend liest man im Rahmen der (wenigen) kinderwochenendlichen "Ruhe"-Momente in einem Prospekt des Warenversenders Manufactum:
    Unerwünschte Kartoffelsorten. Nur für die Vitrine
    Zur Aussaat und Vermehrung bieten wir Ihnen diese seltenen Knollen nicht an (denn dann wären sie Pflanzgut, was sie aber nicht sein dürfen), zur Verspeisung bieten wir sie Ihnen auch nicht an (denn dann wären sie Speisekartoffeln, was sie aber infolge mangelnder Sortenreinheit und uneinheitlicher Kocheigenschaften auch nicht sein dürfen).

    Lassen Sie sie daher weder in einen Kochtopf noch in ein gut vorbereitetes Kartoffelbeet fallen – letzteres vor allem dann nicht, wenn Sie sie einige Wochen vor dem Legen zwischen den Augen geteilt haben sollten, denn dann wachsen noch viel mehr daraus, und das darf nicht geschehen.
    (Quelle: Manufactum)
Offenkundig werden Kartoffeln angeboten. Allerdings weder Saatkartoffeln noch Speisekartoffeln, sondern lediglich Kartoffen zum Ansehen. Spätestens seit dem Streit um "Linda" weiß man, wie kompliziert Kartoffelsortenrecht sein kann.

Manufactum machte früher Reklame für die "guten Dinge". Das hier liest sich fast subversiv: was genau man alles nicht tun darf, damit nicht doch Saatgut entsteht.

Egal, ob Kartoffelsaatgut-Recht nun auf EU-Normen oder auf original deutschem Gesetzgebungsgeist beruht: Es klingt nach Unsinn, wenn man Kartoffeln nur als Anschauungsmaterial verkaufen darf...

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Freitag, 17. März 2006
Gestern im Kino: Syriana
Seit einigen Wochen mal wieder im Kino gewesen:

Keine leichte Kost: etwa nach der Hälfe der Zeit hat der Autor beschlossen, dass der Film gar keine Geschichte erzählen will, sondern einfach Episoden aneinanderreiht. Danach konnte er dem Film entspannt folgen.

Mit der Erkenntnis ist er nicht allein. Einfach Anke Gröner lesen, dann weiß man das Wesentliche zum Film.

Was einen ärgert:
Jetzt ist es nicht nur in der Oper üblich, sondern auch im Kino offenbar Mode, dass der Besucher sich bitte schön vorher über die Geschichte, die ihm erzählt wird, informieren soll.

Varzil:
Gab es da nicht ein paar Kinos, die sich wunderten, warum immer weniger Leute ins Kino gehen ("Katastrophenjahr")?

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