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Montag, 22. Mai 2006
Nigeria und das Öl im Niger-Delta
varzil, 18:10h
Seit langem schon gärt es da im Niger-Delta. Das Time-Magazin vom 22.05.2006 macht für Europa oder zumindest Deutschland ein Titel-Thema dazu.
Denn Anfang Mai ist dort eine Öl-Pipeline explodiert, was ca. 150 Tote verursachte. Die Nachrichtenlage ist unklar: ob schlichtes riskantes Anbohren einer Pipeline durch die bettelarme Bevölkerung Ursache ist oder ob da eine rebellische Absicht hintersteht, lässt sich nicht eindeutig klären.
An den Problemen Nigerias ändert diese diffuse Nachrichtenlage allerdings nichts. Da wir gerade beim Generalisieren zum Thema "Nigeria" sind:
Shell, eine der Hauptakteure im nigerianischen Öl-Geschäft und vom obersten nigerianischen Gericht zur Zahlung einer Summe von 1,5 Milliarden Dollar wegen Umweltverschmutzung verurteilt, will nicht zahlen:
Varzil erinnert sich an fühere Zeiten: Biafra war Ende der '60er regelmäßig in den Nachrichten, als ein Staatenteil von Nigeria
versuchte, seine Unabhängigkeit von Nigeria zu erstreiten (die Karte rechts stammt aus der wikipedia, dort auch mehr zum Biafra-Krieg von 1967 - 1970. )
Der Westen hatte seinerzeit heftig mit dem Rebellen-Staat Biafra sympathisiert, weil die Ibo (oder: Igbo) christlich waren, weil Nigeria selbst mit russischen Waffen kämpfte und weil die Presse und die Kirche schließlich viele Fotos von ausgehungerten Ibos veröffentlichte.
(Bild von Peter Williams)
Wenn man das so mit heute vergleicht, hat sich in den letzten 40 Jahren da nichts getan ...
Denn Anfang Mai ist dort eine Öl-Pipeline explodiert, was ca. 150 Tote verursachte. Die Nachrichtenlage ist unklar: ob schlichtes riskantes Anbohren einer Pipeline durch die bettelarme Bevölkerung Ursache ist oder ob da eine rebellische Absicht hintersteht, lässt sich nicht eindeutig klären.
- " ...Laut der Nachrichtenagentur AFP ereignete sich das Unglück in einem Dorf namens Ilado nahe der Metropole [gemeint ist: Lagos]. Von dort berichtete ein AFP-Korrespondent. Helfer des nigerianischen Roten Kreuzes sollen an der Unglücksstelle nur Leichen vorgefunden haben. Sie seien bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, sagte Rot-Kreuz-Generalsekretär Abiodun Orebiyi.
Laut Orebiyi war die Pipeline an mehreren Stellen angebohrt, vermutlich um Öl zu stehlen."
(Quelle: Spiegel online vom 12.5.2006)
- "...Frustrated that they remain poor after decades of oil production, locals have begun attacking foreign oil companies, their workers and the Nigerian soldiers who protect them — not, as in the past, for money, but as part of an armed campaign. Unless there is change, they say, there will be war. The government and oil companies "don't listen to words," Delta militia member Richard, 27, told Time three weeks ago, the dull roar of a gas flare in the background. "So perhaps they will understand the language of the gun."
..
(Quelle: Simon Robinson in time.com)
An den Problemen Nigerias ändert diese diffuse Nachrichtenlage allerdings nichts. Da wir gerade beim Generalisieren zum Thema "Nigeria" sind:
Shell, eine der Hauptakteure im nigerianischen Öl-Geschäft und vom obersten nigerianischen Gericht zur Zahlung einer Summe von 1,5 Milliarden Dollar wegen Umweltverschmutzung verurteilt, will nicht zahlen:
- "Ein Gericht in Nigeria hat dem Ölkonzern Royal Dutch Shell eine Frist bis diesen Montag gesetzt, um 1,5 Milliarden Dollar (knapp 1,2 Milliarden Euro) Entschädigung für Umweltverschmutzungen im Niger-Delta zu zahlen. Der britisch-niederländischen Konzern teilte am Wochenende mit, gegen die richterliche Anordnung Einspruch erhoben zu haben. Der zuständige Richter in Port Harcourt hatte schon im Februar eine Parlamentsentscheidung bestätigt, nach der Shell zur Entschädigungszahlung an Bewohner des von der Öl-Industrie geprägten Bundesstaates Bayelsa im Niger-Delta verpflichtet wird."
(Quelle: Wirtschaftsteil der Papierausgabe der Süddeutschen Zeitung vom 22.5.2006 S. 21)
Varzil erinnert sich an fühere Zeiten: Biafra war Ende der '60er regelmäßig in den Nachrichten, als ein Staatenteil von Nigeria
Der Westen hatte seinerzeit heftig mit dem Rebellen-Staat Biafra sympathisiert, weil die Ibo (oder: Igbo) christlich waren, weil Nigeria selbst mit russischen Waffen kämpfte und weil die Presse und die Kirche schließlich viele Fotos von ausgehungerten Ibos veröffentlichte.
(Bild von Peter Williams)Wenn man das so mit heute vergleicht, hat sich in den letzten 40 Jahren da nichts getan ...
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Mittwoch, 17. Mai 2006
Spam - Actio und reactio
varzil, 21:17h
via boocompany:
Und bemerkensswert, wenn auch nicht direkt verwunderlich ist, dass mächtige wirtschaftliche Interessen verhindern, dass der SPAMmerei der Saft abgedreht wird.
Die Mafia lässt grüßen.
- "...
Das israelische Sicherheitsunternehmen Blue Security (DNS-Eintrag gelöscht, s.a. Wikipedia.org) gibt nach einem mehrwöchigen Kampf gegen eine verteilte Denial of Service-Attacke (DDoS) noch nie dagewesenen Umfangs auf. Blue Security hat offenbar den Nerv der Spam-Industrie getroffen und einen Weg gefunden, das Spam-Übel wirksam zu bekämpfen.
...
Das Erfolgsrezept von Blue Security lag im Einsatz der Software "Blue Frog" (Bild links aus der Wikipedia). Diese Client-Software retournierte jede Spam-Mail an den Absender sowie an den Spamvertiser, also den Auftraggeber der Werbung und forderte diese dazu auf, keine weiteren Mails mehr zu verschicken. Die Maßnahme war so effizient, dass sich die betroffenen "Geschäftsleute" rächten. Mit einer DDoS-Attacke, die nach Einschätzung eines betroffenen Hosting Unternehmens ausgereicht hätte, das halbe kanadische Netzwerk auszublasen. ...(Quelle: intern.de)
Und bemerkensswert, wenn auch nicht direkt verwunderlich ist, dass mächtige wirtschaftliche Interessen verhindern, dass der SPAMmerei der Saft abgedreht wird.
Die Mafia lässt grüßen.
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Vom Älterwerden
varzil, 17:25h
Keiner - außer den Kindern - mag es gerne, das Älter-Werden (siehe auch 50).
Aber wehe, wehe, wehe, wenn ich auf die Alternative sehe: Das "Nicht-mehr-Älterwerden" (= der Tod) ist keine Alternative!
Aber wehe, wehe, wehe, wenn ich auf die Alternative sehe: Das "Nicht-mehr-Älterwerden" (= der Tod) ist keine Alternative!
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Dienstag, 16. Mai 2006
Gedanken zu Eichendorffs "Winterlied"
varzil, 12:50h
Auch wenn es nicht gerade Winter ist, sondern ein wunderschöner Frühling. Dieser Text geht einem - wenn man ihn an sich heran lässt - nahe:
Mit den fallenden Blütenflocken kippt die Stimmung, ähnlich wie beim Fußballspiel mit einem Tor noch knapp vor dem Halbzeitspfiff. Die "fallenden Blütenflocken" stehen natürlich für den Frühling, sind aber aber auch schon ein Signal, dass das Wachsen und Gedeihen unweigerlich zu Tod und Vergängnis führt. Rein optisch erinnern Kirschblütenblätter ganz zwanglos auch an Schneeflocken.
Winter und Tod beherrschen die zweite Hälfte des Gedichts. Das Ich erwacht aus dem Traum vom Frühling, es ist Nacht, der Mond schimmert im falben Schein. Soweit würde das zwar auch noch zur Frühlingsstimmung passen; aber dann nimmt das Ich in diesem unwirklichen Licht wahr, dass ihm das Land, was eben noch vor Vaters Haus ausgebreitet lag, ein "fremdes Land" ist. Schlagartig ist die Frühlingsstimmung verschwunden. Was wie Blütenflocken aussah, ist tatsächlich Eis, die Gegend, die in falbes Mondlicht getaucht ist, ist in Wirklichkeit verschneit.
Das verstörte Ich versucht eine Rückbesinnung auf sich selbst. Aber auch da ist nichts so, wie es war. Das Ich ist alt geworden, symbolisiert durch das weiße Haar.
Viel schrecklicher kann ein Traum nicht enden:
eben noch Frühling, ist es jetzt Winter. Sommer und Herbst finden nicht statt. Eben war es noch mildes Frühlingswetter, schon ist es Nacht und kalt - ein Übergangswetter gibt es nicht. Eben war man noch "jung", schon erwacht man und ist alt - es gibt keine Zeit des Erwachsen-Seins.
Fazit: Ein hammerharter Text zum Thema "carpe diem".
Der Text kennt keine bürgerliche Bedächtigkeit und Betulichkeit, vielmehr wird das romantisch vom Frühling träumende Ich plötzlich in den Winter versetzt. Die Welt ist nicht schön und vertraut, sondern kalt, hart und fremd. In dem Moment, in dem das Ich sich selbst wahrnimmt, ist das eigene Leben praktisch vorbei, verträumt sozusagen.
Eine harte Botschaft, an anderer Stelle etwas lakonischer formuliert:
Winterlied
Mir träumt´, ich ruhte wiedervor meines Vaters Haus
und schaute fröhlich nieder
ins alte Tal hinaus.
Die Luft mit lindem Spielen
ging durch das Frühlingslaub,
und Blütenflocken fielen
mir über Brust und Haupt.
Als ich erwacht, da schimmert
der Mond vom Waldesrand,
im falben Scheine flimmert
um mich ein fremdes Land.
Und wie ich ringsher sehe:
Die Flocken waren Eis,
die Gegend war vom Schnee,
mein Haar vom Alter weiß.
(Autor:Joseph von Eichendorff)
Mit den fallenden Blütenflocken kippt die Stimmung, ähnlich wie beim Fußballspiel mit einem Tor noch knapp vor dem Halbzeitspfiff. Die "fallenden Blütenflocken" stehen natürlich für den Frühling, sind aber aber auch schon ein Signal, dass das Wachsen und Gedeihen unweigerlich zu Tod und Vergängnis führt. Rein optisch erinnern Kirschblütenblätter ganz zwanglos auch an Schneeflocken.
Winter und Tod beherrschen die zweite Hälfte des Gedichts. Das Ich erwacht aus dem Traum vom Frühling, es ist Nacht, der Mond schimmert im falben Schein. Soweit würde das zwar auch noch zur Frühlingsstimmung passen; aber dann nimmt das Ich in diesem unwirklichen Licht wahr, dass ihm das Land, was eben noch vor Vaters Haus ausgebreitet lag, ein "fremdes Land" ist. Schlagartig ist die Frühlingsstimmung verschwunden. Was wie Blütenflocken aussah, ist tatsächlich Eis, die Gegend, die in falbes Mondlicht getaucht ist, ist in Wirklichkeit verschneit.
Das verstörte Ich versucht eine Rückbesinnung auf sich selbst. Aber auch da ist nichts so, wie es war. Das Ich ist alt geworden, symbolisiert durch das weiße Haar.
Viel schrecklicher kann ein Traum nicht enden:
eben noch Frühling, ist es jetzt Winter. Sommer und Herbst finden nicht statt. Eben war es noch mildes Frühlingswetter, schon ist es Nacht und kalt - ein Übergangswetter gibt es nicht. Eben war man noch "jung", schon erwacht man und ist alt - es gibt keine Zeit des Erwachsen-Seins.
Fazit: Ein hammerharter Text zum Thema "carpe diem".
Der Text kennt keine bürgerliche Bedächtigkeit und Betulichkeit, vielmehr wird das romantisch vom Frühling träumende Ich plötzlich in den Winter versetzt. Die Welt ist nicht schön und vertraut, sondern kalt, hart und fremd. In dem Moment, in dem das Ich sich selbst wahrnimmt, ist das eigene Leben praktisch vorbei, verträumt sozusagen.
Eine harte Botschaft, an anderer Stelle etwas lakonischer formuliert:
Der alte Musikant
Es schüttelt die welken Blätter der Wald,mich friert, ich bin schon alt.
Bald kommt der Winter und fällt der Schnee,
bedeckt den Garten und mich und alles, alles Weh.
(Autor:Joseph von Eichendorff)
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