Sorry, you need system administrator rights for that.


Freitag, 3. Februar 2006
Stunksitzung um dänische Cartoons
In Köln und drumherum gibt es den Karneval, vulgo "Fastelovend". Jedes Jahr finden in der Zeit zwischen dem 11.11. und Weiberfastnacht unzählige Sitzungen statt, allein die Stunksitzung zählte in der letzten Session 48.000 Besucher, - danach ist bis Aschermittwoch Straßenkarneval - und danach ist alles vorbei.

In Dänemark gibt es die Jütland Post:
    "Morgenavisen Jyllands-Posten (short form: Jyllands-Posten, literally the Jutland Post) is the largest-selling daily newspaper in Denmark. It is based in Viby J, a suburb of Aarhus, and has a circulation of approximately 150,000 on weekdays..."(Quelle: wikipedia)
Die Zeitung hat eine Art Wettbewerb unter dänischen Karikaturisten, wie Mohammed ausgesehen haben kann, ausgeschrieben. Von angeschriebenen 43 Karikaturisten antworteten 12. Deren 12 Zeichnungen (Bild und Hintergrund findet man bei der wikipedia) wurden am 30.9.2005 in der Jyllands Posten veröffentlicht. Soweit man das aus den Beschreibungen und den Abbildungen in der Wikipedia beurteilen kann, sind die Darstellungen recht unterschiedlich, aber keineswegs durchweg antiislamistisch.

Damit war der Situngskarneval eröffnet. Und ähnlich wie Kardinal Meisner sich über manch üble Verunglimpfungen in der "Stunksitzung" geärgert hat, ärgern sich seit dem diverse mehr oder weniger fundamentalistische Moslems über die Jyllands Posten Karikaturen. (Details kann man wieder in der Wikipedia nachlesen).

Anders allerdings als viele platte kirchenkritischen Witze der Stunksitzung sind die Karikaturen in der Jyllandsposten weniger zum Schenkel-Klopfen denn zum Schmunzeln geeignet.

Nun laufen die Kritiker zu großer Form auf: unser Kardinal Meisner könnte da noch einiges in Sachen "Fundamentalkritik" lernen.
    Varzil glaubt allerdings, dass Herr Meisner sich nach etlichen Kölner Jahren halbwegs akklimatisiert hat. Jedenfalls verzichtet er in letzter Zeit auffälig oft auf eine Kritik an der Stunksitzung - man muss da inzwischen wieder selbst hin, um zu erfahren, was es über die Kirche zu lästern gibt.
Ungeahnte, weil nämlich europäische Dimensionen nimmt die Karikatur-Session in jüngster Zeit an. Wie der Sitzungskarneval stimmungsmäßig sich bis Weiberfastnacht aufschaukelt, haben die diversen Aktivisten in der Sache weiter abwechselnd Wasser und Öl ins Feuer gekippt.

Jyllands Posten bedauert zunächst und entschuldigt sich schließlich, einige moderate westliche Politiker, auch der Peanut-Züchter Jimmy Carter, entschuldigen sich mit und sind ganz verständnisvoll wegen der verletzten "Islamischen Gefühle".

Die französische Zeitung "France Soir" hingegen hat sich neben anderen Zeitungen auf den bemerkenswerten Standpunkt gestellt, dass man das Recht habe, Gott zu karikieren. (Bild bei Süddeutsche, sie übersetzt: "„Beklag Dich nicht, Mohammed, wir alle werden hier lächerlich gemacht.“ Foto AFP).

Da hat der französische Abend wohl recht, allerdings mit verheerenden Konsequenzen:

    "...Einen Tag später wurde der Chefredakteur des Blattes entlassen."(Quelle: faz.net)
Das ist nun nicht mehr witzig - mitten im Karneval wird da jemand aus der Bütt geholt und geteert und gefedert. Als ob wir schon in der Karwoche wären.

Nicht viel besser Rudolph Chimelli in der Süddeutschen:
    "... Jedes Bild hat hoffentlich seinen Sinn, jedes seine eigene Komik, jedes für sich ist harmlos. Von einer empfindlichen Minderheit werden sie aber leicht als Stimmungsmache empfunden.

    In einem Land, wo einst zu vermeintlich normalen Zeiten der Stürmer mit seinen krummnasigen Juden eine Hetzkampagne betrieb, ist auch dieser Aspekt einen Gedanken wert....(Quelle: Süddeutsche.de)
Man sollte meinen, dass der Vergleich von "France Soir" und "Jyllands Posten" mit dem Stürmer endgültig die Karnevalsstimmung vermiest. Aber schiefe und schlechte Witze sind auch im Fastelovend unvermeidlich und werden in der Regel durch ein paar Kölsch etwas erträglicher.

Palästinenser haben allerdings kein Kölsch, sie verbrennen derweil sorgfältig, man möchte fast sagen, liebevoll gemalte dänische Fahnen. (Varzil hatte sich gewundert, wo man in Ramallah oder Gaza wohl die große dänische Fahnen herkriegt.) Saudi-Arabien und Kuwait inszenieren den Boycott dänischer Waren, das äpgyptische Parlament droht lediglich damit und weitere gemäßigte westliche Spaßverderber predigen Mäßigung - das hat llerdings in Karneval auch noch nie geholfen.

Irakische Spaßverderber schmeißen Bomben gegen christliche Kirchen (Details der Maßnahmen wiederum bei Wikipedia).

Varzil glaubt, dass da etliche Nationen noch etwas Nachhilfe brauchen: Es muss ja nicht in Sachen "Grundrechte" sein. Einfach eine Dosis "Fastelovend" täte wahrscheinlich auch schon gut.

... link (2 Kommentare)   ... comment ...bereits 1023 x gelesen


Donnerstag, 2. Februar 2006
Kuriosa
"Kurios" ist im Deutschen etwas, das einem merkwürdig mit so leicht erheiterndem Unterton vorkommt.

Im Englischen meint "curious" so etwas wie "neugierig", lt. www.leo.org jedoch auch so etwas wie "eigenartig", "merkwürdig" etc.

Den Kontext von "neugierig" gibt es im Deutschen nicht.

Varzil meint, es liegt an dem negativen Beiklang von "...gierig" - wer will schon als "gierig" gelten.

... link (3 Kommentare)   ... comment ...bereits 687 x gelesen


Dienstag, 31. Januar 2006
Aua an der Löwenburg
Der Bericht im Generalanzeiger weckt Erinnerungen an die einzige Rodelfahrt des Autors an der Löwenburg am 1.2.2003:
    Schwere Verletzungen hat sich am Montagabend ein 14-jähriges Mädchen zugezogen, die nahe der Löwenburg mit ihrem Schlitten verunglückte. Wie die Königswinterer Feuerwehr mitteilt, hatte das Mädchen gegen 18 Uhr die Kontrolle über ihr Gefährt verloren und war in einer Senke gegen einen Baum gerast.

    Freunde und Mitglieder der Jugendfeuerwehr leisteten erste Hilfe und verständigten den Rettungsdienst. Aufgrund der schwer zugänglichen Lage der Einsatzstelle forderte dieser die Löschgruppe Ittenbach nach. 14 Feuerwehrleute leuchteten die Rodelstrecke aus und unterstützten den Rettungsdienst bei der Versorgung der Verletzten.

    Gesichert durch Seile wurde das Mädchen auf einer Spezialtrage die vereiste Schlittenstrecke hinauf getragen. ..."
    (Quelle: Bonner Generalanzeiger online) vom 31.1.2006
An jenem 1.2.2003 erlitt der Autor ebendort eine komplizierte unterschenkelfraktur, als er (leichtsinniger Weise und ohne Kinder) den Berg runter rodelte und der Fuß gegen einen gefrorenen Erdhügel prallte. Allerdings brauchte es damals nicht etliche Feuerwehrleute, sondern zwei beherzte Rettungssanitäter schoben den Autor auf zwei Schlitten den Berg wieder hoch ...

Das Mädel hat offenbar größeres Pech gehabt, es war um 18 Uhr, also dunkel, und die Jugendfeuerwehr hat eine veritable Rettungsübung ("14 (!) Feuerwehrleute leuchteten die Rodelstrecke aus und unterstützten den Rettungsdienst") daraus gemacht. So kommt dann ein schlichter Rodelunfall auch in die Zeitung.

... link (0 Kommentare)   ... comment ...bereits 583 x gelesen


Arbeit, Rente und (keine) Kinder
Nun wird es also doch Thema der Alltagspolitik:

Die Verlängerung der Arbeitszeit steht an:
    Ende des Jugendwahns
    Die Deutschen sollen bis 67 arbeiten: Die Vorschläge Franz Münteferings sind richtig und überfällig.
    ..."
    (Quelle: Nina Bovensiepen in süddeutsche online)
Koriander hatte zuletzt am 25. Juni 2005 darauf hingewiesen, dass die Bevölkerungsentwicklung einige Probleme in sich trägt.

Jetzt müssen "nur noch" die Unternehmer lernen, dass sie nicht auf Dauer Erfalog haben werden, wenn sie bei der Rekrutierung von Personal alle über 40 aussortieren. Im Gegenteil: Ältere Leute einzustellen ist auch arbeitsökonomisch sinnvoll.

(Die "Dämografie" war übrigens schon am 31.1.2005, am 3.5.2005 und 4.5.2005 wiederholt Thema bei Koriander ...)

Nicht desto trotz:
Man kann es gar nicht oft genug sagen: die jahrzehntelangen Versäumnisse in der Bevölkerungspolitik lassen sich nicht innerhalb einer Wahlperiode reparieren.

Ein Rentensystem, das in den '50er Jahren konzipiert wurde, als das Durchschnittsalter der Männer bei 68 lag, muss überdacht werden, wenn die Männer heute bald 80 Jahre lang leben. Es macht einfach einen Unterschied, ob man 3 Jahre nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben stirbt oder 15 Jahre lang Rentenempfänger ist.

Münteferings Idee, das Renteneintrittsalter um 2 Jahre zu verschieben, ist da sicherlich noch nicht der Weisheit letzter Schluss, aber ímmerhin ein Gedanke in die richtige Richtung.

Unsere Haupt-BILDungs-Zeitung hingegen macht in "Enthüllungsjournalismus":
    Unsere Rente schrumpft!
    BILD entlarvt die Mogelpackung
    (Quelle: Bild.de)
Zu überprüfen, ob die BILD-Jungs und -Mädels da richtig gerechnet haben, kann man getrost den Spezialisten bei Bildblog.de überlassen. Man(n) wird nicht umhin kommen, länger zu arbeiten. Und logischer Weise wird man auch weniger Rente kriegen, wenn man vorzeitig in Rente geht. Mit "Rentenschrumpfung" hat das nichts zu tun.

Außer natürlich, dass die Kinder, die die Renten in 10 bis 20 Jahren bezahlen sollen, eigentlich längst geboren sein müssten. Sind sie aber nicht.

Folglich:
Die Zahl der Rentenbeitragszahler schrumpft bzw. wächst nicht so schnell wie die Zahl der Rentenempfänger wächst.


(Die Grafik zeigt die Veränderungen in der Bevölkerungspyramide von 1950 bis 2000 -
Quelle: Statistisches Bundesamt)

Gute Ideen sind offensichtlich immer noch Mangelware, ganz zu schweigen davon, dass es bei BILD offenbar am Problembewußtsein mangelt.

Varzil weist darauf hin, dass Herr Müntefering (Link zur Wikipedia) immerhin 2 Töchter hat.

... link (0 Kommentare)   ... comment ...bereits 732 x gelesen