Freitag, 11. August 2006
Terror und Chaos
London Heathrow, der größten Flughafen Europas mit einer Internet-Präsenz, hat derzeit eine Webseite mit gerade einmal 2 Seiten, reiner Text ohne jeden Schnickschnack - sozusagen eine Notseite:
    "the Heathrow Airport website is currently experiencing a high level of people visiting the site. .."
    (Quelle: www.heathrowairport.com/ vom 11.8.2006)
Kurzfristig wurden die Sicherheitsvorschriften so verschärft, dass quasi kein Handgepäck mehr angenommen wird.
    "Due to the heightened security at UK airports, all passengers will be subject to hand baggage restrictions. We ask anyone intending to fly today and over the weekend to arrive at the airport prepared. This means arriving with no hand luggage and bringing those items allowed into the cabin in a clear plastic bag - more information ...
    However, if you are travelling to the USA, you will be unable to carry any liquids or liquefied products onto the aircraft. This includes, for example, drinks, bottles of duty-free, perfumes, toothpaste, hair gel or other toiletries."
    (Quelle: www.heathrowairport.com/ vom 11.8.2006)
Dies hat zu abenteuerlichen Zuständen geführt (mehr z.B. bei der Süddeutschen online). Ursache sind die vereitelten Terror-Anschläge (s. BBC-online) und die Vermutung, dass Flüssigsprengstoff verwendet werden sollt. Flüssigkeiten aller Arten stehen daher auf dem Index:
    ...
    ... gerade Flüssigkeiten sind verdächtig, seitdem bekannt wurde, dass die mutmaßlichen Terroristen Flüssigsprengstoff verwenden wollten, der im Handgepäck an Bord geschmuggelt werden sollte.

    Reguläre Radarchecks von Handtaschen und Aktenkoffern jedoch erkennen diese Gefahr nicht, und deshalb darf von sofort an und wohl bis auf weiteres keine Flüssigkeit mehr mit in die Kabine genommen werden - nicht der Flacon mit dem teuren Duty-Free-Parfum, nicht die zollfreie Flasche Whisky und noch nicht einmal die Reinigungsflüssigkeit für die Kontaktlinsen. ...
    (Quelle:Süddeutsche online)
und eigentlich noch eindrucksvoller:
    "... An einem Ständer hängt die neueste Ausgabe des linken amerikanischen Intellektuellenmagazins The Atlantic. "We Win" steht auf dem Titel, und die Geschichte beschäftigt sich mit der These, dass der Westen den Kampf gegen den Terror gewonnen habe.

    Gerade die Sicherheitskontrollen für Flüge, so heißt es unter anderem, dienten eigentlich nur noch der Beruhigung der Passagiere; wirklich notwendig seien sie nicht mehr. Niemand in der Menschenschlange bleibt stehen, um das Heft zu kaufen. Wozu auch. Lesestoff ist auf dem Flug sowieso nicht erlaubt...."
    (Quelle:Süddeutsche online)
Und dann findet man bei "The Atlantic" auf der Webseite tatsächlich den Titel, allerdings ist der Artikel nur für Abonnenten lesbar - hier der Appetizer:
    The United States is succeeding in its struggle against terrorism. The time has come to declare the war on terror over, so that an even more effective military and diplomatic campaign can begin.
    (Quelle: Coverbild rechts und Zitat bei The atlantic)
Dem mag ja so sein: Bloß was ist das für ein Sieg, wenn man im Flugzeug nicht einmal mehr lesen darf?

Bei all den Terror-Nachrichten schaut man ja zuerst auf den eigenen Nabel: Selbiger fühlt sich zwar unwohl bei dem Vorstellung, eine längere Flugreise ohne Lesestoff antreten zu müssen. Er ist andererseits ausgesprochen erleichtert, dass die Kinder, die mit dem Flieger in Urlaub waren, schon seit Montag bzw. Dienstag wieder im Lande sind.

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